Volltextsuche über das Angebot:

30 ° / 10 ° heiter

Navigation:
Das Genießer-Gen liegt in der Familie

Jubiläum Das Genießer-Gen liegt in der Familie

Sie arbeiten Hand in Hand, geben ihr Wissen und die Leidenschaft für das Konditorei-Handwerk von Generation zu Generation weiter. Die Konditorei Klingelhöfer feiert ihr 125-jähriges Bestehen.

Voriger Artikel
„Doppeltes Netz“ trotz Ärzteprotests
Nächster Artikel
Musiker "entlocken" Blech schöne Töne

Führen gemeinsam den Familienbetrieb: Ulrike (von links), Tochter Annette und Thomas Klingelhöfer. Sie freuen sich auf das Jubiläum, bei dem es heißt: Probieren erlaubt.

Quelle: Reuter

Marburg. Sie vervollständigen den Satz des jeweils anderen, ohne sich ins Wort zu fallen, treffen Absprachen, ohne auch nur einen Ton zu sagen. Vater und Tochter – Arbeitskollegen, Ideenentwickler und Geschmackswächter. Thomas Klingelhöfer und seine Tochter Annette Klingelhöfer führen die Konditorei mittlerweile in das 125. Jahr. Sie stehen in der vierten, beziehungsweise fünften Generation in der Backstube. Machen vieles noch genauso wie früher und doch so vieles komplett anders. Fortschritt trifft hier auf Tradition. Mutige Neukreationen auf bewährte Rezepte aus Urgroßvaters Zeiten. Das Jubiläum – es soll gefeiert werden. Am morgigen Samstag, 15. September, ab 14 Uhr in der Hauptfiliale in der Haspelstraße. „Wir wollen Klingelhöfer live zeigen“, erklärt Thomas Klingelhöfer und zieht ein Stück Papier aus dem Aktenstapel. Ein provisorischer Plan – schnell gezeichnet mit einem Kugelschreiber. Zehn Stationen wird es rund um die Hauptfiliale im Südviertel geben. „Da wird für das Jubiläum extra eine Konditoreilandschaft aufgebaut“, schwärmt Annette Klingelhöfer. Die 23-Jährige wird an diesem Tag ausnahmsweise noch einmal im elterlichen Betrieb aushelfen. Vor wenigen Tagen erst hat sie ein Verbundstudium aufgenommen. Betriebswirtschaft im theoretischen, Erfahrungen sammeln in unterschiedlichsten Betrieben im praktischen Teil. Derzeit arbeitet sie in einem renommierten Café in Iserlohn. Die Heimfahrt zum Jubiläumswochenende ist Ehrensache.

An den zehn Stationen sollen die Kunden an diesem Samstag einen schmackhaften Einblick in das Konditorei-Gewerbe bekommen. Es kann bei der detailverliebten Konzeption einer Hochzeitstorte ebenso über die Schulter geschaut werden wie bei der Eisherstellung.

Die Backstube wird geöffnet sein, Marzipanfiguren vor den Augen der Kunden entstehen oder die persönliche Lieblingsschokolade wird kreiert. Naschen ist an diesem Tag ausdrücklich erlaubt. „Wir werden eine riesige Geburtstagstorte backen und die Stücke für einen guten Zweck verkaufen“, erklärt Annette Klingelhöfer.

Sie hat zum Fest zudem ein besonderes Pralinenangebot komponiert. Drei Sorten – die Lieblingsrezepte aus allen Klingelhöfer-Generationen. Da trifft ein Klassiker wie Karamelltrüffel auf eine Neukombination mit Rosmarin und PassionsfruchtButterganache. Die alte Generation trifft auf die junge. Eine Geschmacksexplosion, die sich dennoch verträgt. Annette Klingelhöfer weiß: Viele der Rezepte, die auch heute noch in der Backstube verwendet werden, stammen noch von ihrem Ururgroßvater. Manches wurde im Laufe der Jahre leicht abgewandelt anderes blieb unverändert. „Wir stehen seit der Gründung des Cafés für höchste Qualität. Nur so kann man in der Oberliga bestehen. Mal gut sein, das ist einfach. Aber immer wieder die Qualität halten und verbessern, das ist die wahre Herausforderung“, weiß auch Thomas Klingelhöfer. Er übernahm die Konditorei von seinem Vater. Dieser wiederum hatte den Betrieb von seiner Mutter übernommen. Die wiederum erlernte das Handwerk von ihrem Vater. Die Leidenschaft, aus hochwertigen Produkten kleine Köstlichkeiten zu zaubern, sie hat sich von Generation zu Generation vererbt. Pralinen kreieren, Kuchen backen, Torten dekorieren – das alles ist mehr als ein Handwerk. Es ist der Versuch, Genuss und Leidenschaft geschmacklich einzufangen.

125 Jahre Familienbetrieb – das bedeutet eines: Traditionen bewahren und gleichzeitig Veränderungen fördern. „Als ich noch in die Schule ging, da kam doch nie einer auf die Idee, sich zum Kaffeetrinken zu verabreden. Das war nur etwas für alten Damen. Ein Kaffeeklatsch.“ Heute aber, so erzählt Thomas Klingelhöfer, sei Kaffee trinken „en vogue“. Einfacher Filterkaffee? Mittlerweile unvorstellbar. „Das ist heute etwas, was alle Generationen miteinander verbindet“, erklärt er.

In fünf Jahren will er sich aus dem Geschäft zurückziehen, die Leitung an seine Tochter Annette übergeben. Vielleicht schon mit einer dritten Zweigstelle in Marburg. „Wir wollen etwas ganz Neues anbieten. In einer bisher nicht bekannten Art. Wenn sich hier in Zukunft alles so weiterentwickelt, platzen wir an den beiden Standorten aus allen Nähten.“

Das Traditionsunternehmen – es backt schon wieder. Diesmal am Großprojekt „Zukunft“.

von Marie Lisa Schulz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr