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DRK-Krankenhaus schließt Geburtshilfe

Kostendruck DRK-Krankenhaus schließt Geburtshilfe

Sie kämpfen, doch wenn die Verantwortlichen des Biedenkopfer DRK-Krankenhauses keine Lösung finden, bleibt der Kreißsaal nur noch bis April geöffnet - bis dahin aber ohne Qualitätsverlust, so die Verantwortlichen.

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Das DRK-Krankenhaus in Biedenkopf wird bald keine wohnortnahe Geburtshilfe für die Bevölkerung des Hinterlands mehr anbieten können.

Quelle: : Gianfranco Fain

Biedenkopf. Gewusst haben es die 14 Hebammen schon seit Donnerstag, als ihnen die Krankenhausleitung und die leitenden Gynäkologen die Lage und die Aussicht schilderten, am Wochenende erhielten sie dann die Kündigung schriftlich. Begründung: Das DRK-Krankenhaus in Biedenkopf schließt seine Geburtshilfe-Station zum 31. März des nächsten Jahres.

„Vorsorglich“ seien die Kündigungen erfolgt, berichtet Eckhard Sohn, weil es Fristen einzuhalten gelte, begründet der stellvertretende Vorstand des DRK-Krankenhauses den „schmerzlichen Schritt“. Ein wenig Hoffnung schwingt in diesen Worten mit, schließlich ist man stolz darauf, im einzigen Krankenhaus des Hinterlandes seit dessen Bestehen auch eine Geburtshilfe anzubieten. Man wolle „weiterhin alle Hebel betätigen“, um die Geburtshilfe zu erhalten. Jedoch hätte der Träger aus betriebswirtschaftlicher Sicht vor zwei Wochen die „Notbremse“ ziehen müssen. Der Grund für den scheinbar plötzlichen Entschluss liegt in den Versicherungskosten für die Betriebshaftpflicht, die sich verdoppelt haben, und die Eigenhaftpflicht der Belegärzte: Diese Prämien würden sich ab dem nächsten Jahr rundgerechnet vervierfachen, und das könnten weder das Krankenhaus noch die Gynäkologen auffangen. Denn es gehe um Summen im sechsstelligen Bereich, erklärt Eckhard Sohn.

Das bestätigt Manfred Hoffmann. Der Frauenarzt ist einer der vier Gynäkologen, die mit den Hebammen und zwei Kinderkrankenschwestern die Geburtshilfe im DRK-Krankenhaus sichern. Schon seit Jahren halte man die Station trotz mannigfacher Schwierigkeiten aufrecht. Zuletzt war es ein Kooperationsvertrag mit dem Marburger Universitätsklinikum, die es nach dem Ausscheiden von Kollegen ermöglichte, den Betrieb zu sichern, indem zwei Fachärzte abgestellt werden.

Nun habe sich ein Problem zugespitzt, das seit Jahren in Form von steigenden Versicherungsprämien zunahm. Die einzige Gesellschaft, die das Haftpflicht­risiko der Geburtshilfe für Belegärzte in Deutschland mit jährlichen Verträgen versichere, hebe für das nächste Jahr die Prämie um rund das Vierfache an, berichtet Hoffmann. „Wir zahlen zurzeit eine Prämie von 65000 Euro pro Jahr, ab April wären es 240000 bis 250000 Euro pro Arzt.“ Dem stünden aber nur Einnahmen von 100 bis 200 Euro pro Geburt gegenüber. Im Biedenkopfer Krankenhaus kamen in den vergangenen Jahren jeweils rund 400 Kinder zur Welt. „Wir haben das die ganzen Jahre unterstützt“, erklärt Hoffmann, weil man wollte, dass im Biedenkopfer Krankenhaus weiterhin Kinder zur Welt kommen können. Zuletzt habe sich sogar das Krankenhaus an den Versicherungsprämien beteiligt. Doch diese Erhöhung sei nicht mehr leistbar. Das findet Hoffmann umso bedauerlicher, weil es „vor zwei Wochen noch so aussah, dass es weitergeht“.

Ganz aufgeben will Eckhard Sohn noch nicht. Vielleicht gebe es Ende Oktober ein klareres Bild. Man wolle jedenfalls alles versuchen, um die Geburtshilfe zu erhalten, das sei man den Menschen und der Region schuldig. Bis zum angekündigten Termin werde sich an der qualitativen Versorgung aber nichts ändern, betont Sohn und Hoffmann versichert, dass es auch danach eine gynäkologische Versorgung geben wird.

von Gianfranco Fain

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