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Busse stehen still

Streik bei Marburger Verkehrsgesellschaft Busse stehen still

Wer am Dienstagmorgen mit dem Bus zur Schule oder Arbeit wollte, hatte das Nachsehen: 190 Beschäftigte der Marburger Verkehrsgesellschaft waren einem Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt und hatten mit Beginn der Frühschicht ab vier Uhr die Arbeit niedergelegt.

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Die Busse blieben am Mittwochmorgen im Depot, die Busfahrer streikten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Stadtwerke erklärten in einer ersten Pressemitteilung, ein regulärer Buslinienbetrieb in Marburg finde nicht statt, der Schul- und Berufsverkehr sei entsprechend eingestellt worden. Verzichten müssen die Marburger Buskunden auf rund 100 Busverbindungen. "Alle 20 Marburger Buslinien sind betroffen und auch die Schwimm- und Turnfahrten für die Marburger Schulen fallen aus", heißt es in der Pressemittelung.

 

Ein Ende des Streiks ist für Mittwochmorgen 1:30 Uhr angekündigt. Verdi hatte insgesamt 1200 Beschäftigte in privaten Busbetrieben zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen, um Druck auf die Arbeitgeber auszuüben. Denn für den 20. Dezember ist die fünfte Tarifrunde angesetzt.

Fahrgäste waren informiert

Die meisten Marburger waren offensichtlich über den Streik informiert. "Wir waren seit Dienstagnachmittag auf den Streik vorbereitet und unser Streckendienst hat umgehend mit der Ausschilderung der Bushaltestellen begonnen", erklärte Wolfgang Otto, Geschäftsführer der Marburger Verkehrsgesellschaft laut Mitteilung.

Um 8 Uhr morgens warteten an den Haltestellen in der Universitätsstraße folglich auch keine Fahrgäste auf Busse  - ein unübliches Bild. Eine junge Frau, die von dem Streik erst durch den Aushang an der Bushaltestelle an der Gutenbergstraße erfuhr, nahm den Ausfall gelassen: Sie zückte ihr Handy, um sich abholen zu lassen.Eine Verkäuferin in der Gutenbergstraße wunderte sich, dass kaum Kundschaft im Markt war, konnte aber kurz nach Ladenöffnung nicht einzuschätzen, ob dies tatsächlich daran lag, dass keine Busse fuhren.

Neben Marburg waren auch Beschäftigte in Verkehrsunternehmen in Fulda, Frankfurt, Darmstadt und Hanau zum Streik aufgerufen. Verdi fordert einen Stundenlohn von 12 Euro die Stunde sowie die Einführung der 39-Stunden-Woche. Derzeit liegt der Stundenlohn bei 11,04 Euro. Die Arbeitgeber haben 11,50 bis 2015 angeboten.

Arbeitgeber haben kein Verständnis

Die Arbeitgeberseite zeigte kein Verständnis für den Streik: "Wir haben der Gewerkschaft ein gutes Angebot gemacht, da wir Interesse an einer Verbesserung der Bezahlung unseres Fahrpersonals haben. Angesichts der Rahmenbedingungen des hessischen Wettbewerbsmarkts ist damit jedoch die Grenze des wirtschaftlich Machbaren erreicht. Noch höhere Löhne sind nur finanzierbar, wenn die Politik für den ÖPNV zusätzliche Ressourcen bereitstellt", erklärte Karl Reinhard Wissmüller, Vorsitzender des Landesverbandes Hessischer Omnibusunternehmer.

Auch die Stadtwerke Marburg erklären zur Verdi-Forderung, die Marburger Verkehrsbetriebe zahlten bereits heute einen "Marburg Zuschlag" in Höhe von 92 Cent für Rüstzeit, Wegezeit und Tragen der Dienstkleidung bei produktiven Arbeitsstunden. Damit liege der Stundenlohn in Marburg nicht bei den branchenüblichen 11,04 Euro, sondern bei 11,96 Euro.

Wenig Verständnis hat Wissmüller für Forderungen, die an der derzeitigen Realität am Markt vorbeigehen. "Lohnforderungen von fast neun Prozent kann niemand erfüllen. Verdi kämpft im Verteilungskampf an der falschen Front", so der Verbandsvorsitzende weiter.

Der Landesverband Hessischer Omnisbusunternehmer (LHO) e.V. mit Sitz in Gießen vertritt die Interessen von etwa 170 privaten Omnibusbetrieben in Hessen, die im ÖPNV und im Gelegenheitsverkehr mit rund 2500 Bussen unterwegs sind. Er berät seine Mitglieder in rechtlichen Fragen, vertritt sie in politischen Diskussionen und Verhandlungen mit Behörden und Institutionen und organisiert Schulungen und Sicherheitstrainings für Busfahrer.

von Anna Ntemiris und Maren Schultz

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