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Hinterland Busse stauen sich am Marktplatz
Landkreis Hinterland Busse stauen sich am Marktplatz
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00:17 13.01.2019
Die Haltestelle am Gladenbacher Marktplatz ist nur für zwei Linienbusse ausgelegt. Mehrmals am Tag stoppen hier aber drei oder vier Busse. Quelle: Michael Tietz
Gladenbach

Es ist kurz vor 13 Uhr: Der neue Expressbus X40 nach Biedenkopf rollt in die Haltestelle in der Teichstraße ein. Kurz danach gesellt sich die von Schlierbach über Gladenbach nach Marburg verkehrende Linie 383 hinzu. Und einen Augenblick später fährt auch der Schnellbus X38 nach Marburg den Busbahnhof an.

Letzterer kann den Haltepunkt am Marktplatz zunächst aber nicht vorschriftsmäßig ansteuern. Der Bus blockiert die Zufahrt von der Karl-Waldschmidt-Straße auf die Teichstraße.

Abbiegende Autos müssen deshalb einen kleinen Bogen fahren und kommen dabei anderen Verkehrsteilnehmern in die Quere. Erst nachdem die 383 Platz macht, kann auch der X38 richtig halten.

Busse auf der Straße statt im Bahnhof

Der Gladenbacher Busbahnhof ist werktags gleich mehrmals überlastet. Darauf hat die CDU-Fraktion in der jüngsten Gladenbacher Parlamentssitzung hingewiesen. „Die einzige dauerhafte Lösung dafür sind zusätzliche Haltekanten“, heißt es in der schriftlichen Anfrage von Hans-Hermann Ullrich und Stefan Runzheimer.

Die Christdemokraten wollten von Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) wissen, ob der Magistrat bereits Kontakt zu den zuständigen Stellen von Kreis und Land wegen eines nötigen Umbaus des Busbahnhofs aufgenommen habe.

Bisher können zwei Linienbusse gleichzeitig in der Bucht vor der Wartehalle stoppen. Zu bestimmten Zeiten wollen dort aber Kunden aus bis zu vier Gefährten ein- und aussteigen. Zum Beispiel werktags zwischen 6.54 und 6.59 Uhr. Dann steuern laut Fahrplan die Linien 383, X38 und X40 sowie ab und an auch ein Rufbus (ehemals Anruf-Sammel-Taxi) aus Weitershausen den Marktplatz an. „Das führt zwangsläufig dazu, dass mindestens ein Bus auf der rechten Fahrspur der Teichstraße halten muss“, erklärten Ullrich und Runzheimer.

Ein ähnliches Bild gibt es auch um kurz vor 11, 13, 15, 17 und 19 Uhr. „Diese Zahlen machen deutlich, dass der Busbahnhof ertüchtigt werden muss“, sagen die beiden CDU-Abgeordneten. Sprich: Eine Erweiterung der Haltekanten müsse her.

CDU setzt auf Zuschüsse

Der neue Schnellbus X40 ist auf eine Umsteigemöglichkeit vom/zum Expressbus X38 ausgelegt. Und weitere schnelle Verbindungen von und nach Gladenbach sind bereits in Planung. So hatte sich das Stadtparlament auf Antrag der Freien Wähler bereits Ende 2017 für eine Expresslinie nach Gießen ausgesprochen. Ein Schnellbus nach Dillenburg steht ebenfalls auf der Wunschliste.

Einen hessischen „Expressknoten“ außerhalb des Ballungsraums Rhein-Main gibt es bisher nicht. „Hier handelt es sich um ein Pilotprojekt, für das es eventuell gesonderte Gelder von Kreis oder Land geben könnte“, meinen die CDU-Vertreter.

Wenn es die Nachbarkommune Lohra schaffe, die Modernisierung der Bushaltestelle Willershausen zu einem Pilotprojekt ,,Musterhaltestelle ländlicher Raum“ zu machen, sollte Gladenbach ähnliches gelingen. „Es wäre fatal, es nicht zu versuchen“, schreiben Ullrich und Runzheimer.

Die Stadt hat die Anfrage der CDU zur Erweiterung des Busbahnhofs an den Regionalen Nahverkehrsverband Marburg-Biedenkopf (RNV) weitergeleitet – und auch schon eine Antwort bekommen.

Nach Auskunft von Bürgermeister Kremer habe der Kreis zunächst ein Planungsbüro (IGDB Dreieich) beauftragt. Dieses soll einen Busbelegungsplan für Gladenbach erstellen. Daraus werde dann genau ersichtlich, dass die Kapazitäten nicht ausreichend sind. Liegt der Plan vor, will sich der Kreis bei der Stadt melden.

Separates Gebäude für die Toiletten

Im Haushaltsplan 2019 der Stadt Gladenbach sind insgesamt 130 000 Euro für das Projekt „Umbau und Sanierung des Busbahnhofes am Marktplatz“ vorgesehen. Dieser Ansatz beinhaltet 20 000 Euro für Planungskosten. „Diese Mittel sollen für die Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes zur Verfügung gestellt werden“, erklärte der Bürgermeister. Dazu gehören auch Vorschläge, wie das Kapazitätsproblem der Haltestelle gelöst werden könnte.

110 000 Euro sind für eine stationäre Toilettenanlage vorgesehen. Bisher befinden sich die WCs direkt neben dem ehemaligen Kiosk. Angedacht ist nun, die Toiletten in ein separates kleines Gebäude auszulagern. Auf diese Weise könnte einem potenziellen Mieter der Räume unter dem Dach der Wartehalle eine größere Fläche zur Verfügung gestellt werden.

Ob die 130 000 Euro tatsächlich im Haushaltsplan zur Verfügung gestellt werden, entscheidet das Parlament in seiner Sondersitzung am 31. Januar. Denn zumindest die Ausgabe für die Toilette ist umstritten.

von Michael Tietz