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Busfahrer verschläft: Kündigung

Arbeitsgericht Busfahrer verschläft: Kündigung

Kommt der Bus zu spät, ist für den Frust der Fahrgäste schnell gesorgt. Weil ein Busfahrer immer wieder verspätet zur Busübernahme erschien, kündigte ihm die Marburger Verkehrsgesellschaft (MVG).

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Weil er mehrmals verspätet zum Dienst kam, kündigte die MVG einem Busfahrer fristlos. Dieser klagte vor dem Gießener Arbeitsgericht. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Giessen. Passend zum Thema begann der Gütetermin gestern vor dem Arbeitsgericht in Gießen zwischen den beiden Parteien mit einer kleinen Verzögerung, da der Rechtsanwalt des Klägers parallel noch einen anderen Termin hatte. Nach der kurzen Wartezeit kamen die Fakten jedoch schnell auf den Tisch: Der Busfahrer kam mehrmals mit bis zu 70 Minuten Verspätung zur Arbeit, ohne sich dafür zu entschuldigen oder Gründe zu nennen, so der Vorwurf der MVG.

Nach einigen Abmahnungen kündigte man dem 31-jährigen fristlos, nachdem der Fahrer am 4. April erneut um sechs Minuten verspätet zur Arbeit erschien. „Für den Fahrgast sind schon kleine Verspätungen eine enorme Unbequemlichkeit, dazu werden die Betriebsabläufe auch schon bei sechs Minuten erheblich gestört“, so die der MVG.

Über die Gründe der Verspätungen konnte der anwesende Betriebsratsvorsitzende Thorsten Beliza Auskunft geben. So habe der Kläger verschlafen oder sich im Dienstplan vertan.

Der Vorsitzende des Arbeitsgerichts, Hans Gottlob Rühle, betonte, dass „ein Busfahrer immer pünktlich sein muss“, denn so Rühle, „für manche Fahrgäste kann schon eine Verspätung von 10 Minuten eine Katastrophe sein, wenn der Zug zur Arbeit nicht mehr rechtzeitig erreicht wird“.

Die Klägerseite mahnte an, dass die Verhältnismäßigkeit der fristlosen Kündigung nicht gegeben sei. Durch die Abmahnungen gelte für die fristlose Kündigung nur eine Verspätung vom 4. April. Und die habe gerade einmal sechs Minuten betragen. Darüber hinaus habe der Kläger auch einen Anspruch auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag, da die Verlängerung eines befristeten Vertrages im vergangenen Jahr erst erfolgte, nachdem die alte Befristung abgelaufen war und der Busfahrer trotzdem einige Tage weitergearbeitet habe.

Um eine weitere Auseinandersetzung zu vermeiden, einigten sich beide Seiten, dass die fristlose Kündigung aufgehoben wird und der Kläger bis zum Ende seiner regulären Anstellung am 30. September zu seinen vertraglichen Bruttovergütungsbeträgen freigestellt wird. Damit habe, so Rühles Fazit, „der Kläger bessere Chancen sich um neue Arbeit zu kümmern und die Busfahrer der MVG wissen, dass keine Verspätungen geduldet werden“.

von Timo Scheibe

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