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Busfahrer streiken für mehr Lohn

Tarifkonflikt Busfahrer streiken für mehr Lohn

Buskunden nutzten gestern private Mitfahrgelegenheiten, Taxen oder Fahrräder. Heute soll der Verkehr wieder wie gewohnt rollen.

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Die Busfahrer in Marburg streikten gestern. Die Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft, einer Stadtwerke-Tochter, fordern mehr Geld.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Um 8 Uhr morgens warteten an den Haltestellen in der Universitätsstraße keine Fahrgäste auf Busse - ein unübliches Bild. Eine junge Frau, die von dem Streik erst durch den Aushang an der Bushaltestelle an der Gutenbergstraße erfuhr, nahm den Ausfall gelassen: Sie zückte ihr Handy, um sich abholen zu lassen. Die meisten Pendler und Schüler hatten private Fahrgemeinschaften organisiert. Viele stiegen auch auf Taxen um - alle Wagen waren gestern im Einsatz. Hauptziel war dabei der Hauptbahnhof.

Die meisten Kunden der Stadtwerke waren auf den Streik offensichtlich vorbereitet oder blieben gelassen - so nahm dies auch die MVG wahr. „Wir waren seit Dienstag am späten Nachmittag auf den Streik vorbereitet und unser Streckendienst hat umgehend mit der Ausschilderung der Bushaltestellen begonnen“, erklärte Wolfgang Otto, Geschäftsführer der MVG. „Auch die Medien und die Schulen konnten rechtzeitig informiert werden, sodass kein Kind unvorbereitet an der Bushaltestelle stehen musste.“

Insgesamt 800 Beschäftigte zum Streik aufgerufen

Die Gewerkschaft Verdi rief insgesamt 800 Beschäftigte in privaten Busbetrieben zu einem ganztägigen Warnstreik auf. In Marburg waren rund 190 Mitarbeiter aufgerufen worden, sich am Streik zu beteiligen, so Thorsten Beliza, Betriebsratsvorsitzender der MVG. Er zeigte sich gestern mit dem Streik zufrieden. Bei der Telefonzentrale, die besetzt war, hätte es nur wenige Anfragen gegeben, die meisten Kunden hätten verständnisvoll reagiert. „Die Frage ist jetzt, wie sich die Arbeitgeberseite verhält.“ Weitere Streiks schloss Beliza nicht aus, heute werde der Verkehr aber wieder normal rollen.

Vom Streik betroffen waren gestern auch Fulda, Frankfurt, Darmstadt und Hanau. Die Gewerkschaft will mit dem Streik den Druck auf die Arbeitgeber vor der fünften Tarifrunde am 20. Dezember erhöhen. Verdi fordert unter anderem ein Entgelt von mindestens 12 Euro die Stunde. Außerdem soll die 39-Stunden-Woche eingeführt werden. Zurzeit liegt der Lohn in der Branche den Angaben zufolge bei 11,04 Euro. Die Arbeitgeber haben bis 2015 Lohnsteigerungen bis 11,50 Euro angeboten. Das lehnt Verdi als zu niedrig ab.

190 Busfahrer der Marburger Verkehrsgesellschaft folgten am Dienstag einem Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi legten ihre Arbeit nieder. (Fotos: Thorsten Richter)

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Zur Forderung der Gewerkschaft erklären die Stadtwerke Marburg, dass ihr Tochterunternehmen, die MVG, bereits jetzt einen „Marburg Zuschlag“ in Höhe von 92 Cent für Rüstzeit, Wegezeit und Tragen der Dienstkleidung bei produktiven Arbeitsstunden zahle. Damit liege derStundenlohn in Marburg nicht bei den branchenüblichen 11,04 Euro, sondern bei 11,96 Euro.

Omnibusunternehmer haben kein Verständnis

Der hessische Verband der Omnibusunternehmer hat kein Verständnis für den Streik: „Wir haben der Gewerkschaft ein gutes Angebot gemacht, da wir Interesse an einer Verbesserung der Bezahlung unseres Fahrpersonals haben. Angesichts der Rahmenbedingungen des hessischen Wettbewerbsmarkts ist damit jedoch die Grenze des wirtschaftlich Machbaren erreicht.

Noch höhere Löhne sind nur finanzierbar, wenn die Politik für den ÖPNV zusätzliche Ressourcen bereitstellt“, erklärte Karl Reinhard Wissmüller, Vorsitzender des Landesverbandes. Der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) mit Sitz in Gießen vertritt die Interessen von etwa 170 privaten Omnibusbetrieben in Hessen, die im ÖPNV und im Gelegenheitsverkehr mit rund 2500 Bussen unterwegs sind.

von Anna Ntemiris

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