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Hinterland Oskar für Biolandwirte für Eselsmühle Lohra
Landkreis Hinterland Oskar für Biolandwirte für Eselsmühle Lohra
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14:00 25.02.2019
In Berlin wurde Familie Hoffarth für ihren Bio-Betrieb ausgezeichnet: (von links): Dr. Felix Prinz zu Löwenstein (Vorsitzender des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft), Malte, Felix und Nele Hoffarth mit Bundesministerin Julia Klöckner und Claudia und Dieter Hoffarth. Quelle: E.Seck
Lohra

Als Bioproduzent ist die Familie Hoffarth mit ihrem Betrieb „Eselsmühle“ zum Vorzeigebetrieb im gesamten Bundesgebiet avanciert. Ihr Biokonzept hat eine Experten-Jury überzeugt. Der Betrieb aus Lohra ist einer von rund 30.000 Biobetrieben in Deutschland. Im Wettbewerb hat sich die „Eselsmühle“ letztlich unter 70 Bewerbungen durchgesetzt und kam in die engere Auswahl, die die Experten-Jury unter die Lupe nahm. Im August 2018 waren die Fachleute drei Stunden auf dem Hof und haben sich die betrieblichen Abläufe und das Bio-Konzept haarklein erläutern lassen.

Der Hof überzeugte letztlich nicht nur mit der Tierhaltung und der Bewirtschaftung. Die Familie Hoffarth lebt relativ autark. Der Strom für die Lichtquellen stammt aus Wasserkraft eines Bachs, der am Haus vorbeifließt, das Holz aus dem eigenen Wald. Zudem sind Hoffarths Kooperationen mit anderen Betrieben eingegangen: zum Nährstofftausch. „Sie erhalten von uns Getreide, wir ihren Mist“, sagt Dieter Hoffarth. Auf der 300 Hektar großen Fläche kommt kein Pflanzenschutz zum Einsatz. Vielmehr werden resistente Sorten gepflanzt, die von Schädlingen weniger befallen werden.

„Als Bio-Landwirt braucht man mehr Fingerspitzengefühl“, sagt Dieter Hoffahrt. Als Biobetrieb machen Hoffarths im Prinzip nichts anders als ihre Vorfahren. Auf die Ressourcen schonende Bewirtschaftung wird großen Wert gelegt. Hoffarths achten auf die Fruchtfolge mit einem nachhaltigen Nährstoffmanagement. Das Grünland wird von den Pferden und Rindern beweidet, einen Teil der Ackerflächen hat Dieter Hoffarth im Auenbereich der Salzböde renaturiert und wieder in Grünland verwandelt. In Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden fördert er durch die Aussaat von Blühflächen für Insekten und eine spätere Mahd einzelner Wiesen den Artenschutz. Das Unkraut wird rein mechanisch bekämpft. Natürlich kommt auch moderne Technik zum Einsatz, die die Bewirtschaftung der Flächen vereinfacht. Die Biolandwirte betrachten den Boden als Organismus. Wenn Kleegras wächst, um den Boden zu schonen, dann dient dieses Klee letztlich wieder den Tieren auf dem Hof als Futter.

Tiere pflegen die Flächen

Der Nachfolger von Dieter Hoffarth steht bereits in den Startlöchern und hat sich ebenfalls der Bio-Landwirtschaft verschrieben. Sohn Felix (26) macht gerade an der Uni seinen Masterabschluss. Auf ihn wartet später ein 7-Tage-Job auf dem Hof. „Den Tieren ist es egal, welcher Wochentag es ist“, sagt Dieter Hoffarth. Die Tiere werden vor allem auch zur Pflege der Flächen benötigt.

Vor sieben Jahren kam ein Aktivstall mit Herdenhaltung und großzügigem Auslauf für Pferde hinzu. „Diese Entscheidung passt für uns in unseren ­Betrieb“, sagt Claudia Hoffarth. Neben der Pensionspferdehaltung ist die Züchtung von Welsh Ponys und Angus Rindern ein wichtiges Standbein des Betriebs. Auf dem Hof werden 150 Rinder, Kälber, Jungbullen und Kühe gehalten. Das Fleisch der Rinder wird direkt vermarktet, ebenso wie das der Puten, die in den Sommermonaten auf dem Betrieb gemästet werden. Die Rinder haben ausreichend Platz im Offenstall und auf den Weiden und für die Puten gibt es ebenfalls genug Flächen, damit sie Freilauf haben.

„Eine möglichst tiergerechte­ Haltung ist für uns elementarer Bestandteil einer erfolgreichen Zuchtarbeit und der einzig gangbare Weg, wie wir mit Tieren arbeiten möchten“, sagt Claudia Hoffarth. Sie sieht vor allem auch die Verbraucher in der Pflicht, damit Bio sich weiter durchsetzen kann. Das Argument, dass man sich Bio nicht leisten kann, weist Claudia Hoffart zurück. „Doch“, sagt sie. Man müsse nicht jeden Tag Fleisch essen. Und man solle sich für das Kochen frischer Produkte Zeit nehmen. „Ein bisschen kann jeder tun“, sagt sie. Die Tiere sollten nach Claudia Hoffahrts Auffassung ein schönes Leben haben, bevor sie auf dem Teller landen. Die Voraussetzung für die Tierhaltung in einem Biobetrieb fasst ihr Mann Dieter in einem Satz zusammen: „Mehr Platz, anderes Futter, Freilauf für alle.“

"Lebensmittel sind keine Ramschware"

Claudia Hoffarth ist überzeugt, dass die Nachfrage nach Bioprodukten weiter steigt. Denn letztlich reagieren auch die großen Discounter mit ihrem Warenangebot auf die Bedürfnisse der Kunden. Allerdings müsste darauf geachtet werden, dass kein Preisdumping losgetreten wird. Weil die Haltung der Tiere und die Wirtschaftsweise der Biobetriebe sich von konventionellen landwirtschaftlichen ­Betrieben unterscheidet, sind Bioprodukte teurer.

„Das ist auch richtig und gerecht. Denn Lebensmittel sind keine Ramschware. Um den Zwischenhandel auszuschalten, haben Hoffarths begonnen, ihre Produkte selbst zu vermarkten. Die Nachfrage ist ein Indiz dafür, dass ihr Konzept bei den Kunden gut ankommt. „Der Verbraucher entscheidet, wie produziert wird“, sagt Claudia Hoffarth.

von Silke Pfeifer-Sternke