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Bundesverdienstkreuz für engagierte Apothekerin

Auszeichnung Bundesverdienstkreuz für engagierte Apothekerin

Als Susanne Rück vor 35 Jahren nach Marburg kam, wäre sie am liebsten wieder abgereist. Heute bekommt sie im Rathaus das Bundesverdienstkreuz verliehen. Auch, weil sie die Stadt durch ihr Engagement geprägt hat.

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Dr. Susanne Rück erhält heute das Bundesverdienstkreuz im Rathaus. Und das für eine Selbstverständlichkeit, wie sie selbst sagt. Für ehrenamtliches Engagement. Foto: Marie Lisa Schulz

Hier ein Nicken, da ein kurzes Lächeln. Ja, man kennt Dr. Susanne Rück. Die 61-Jährige ist Unternehmerin, Ehrenämtlerin und ab heute auch Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Die Apothekerin wird heute um 14 Uhr im Rathaus die Auszeichnung aus den Händen von Finanzminister Dr. Thomas Schäfer entgegennehmen. Im Publikum werden sie sitzen: Ihre Freunde, Kollegen und Wegbegleiter. Menschen, die sie in den vergangenen 35 Jahren bei ihren Projekten begleitet und unterstützt haben.

Ein bisschen abgehetzt kommt Susanne Rück zum Termin. „Stress, so eine Verleihung“, sagt sie und lächelt dabei. Das Handy legt sie neben sich. Immer in Griffweite. Immer wieder klingelt es. Es klingelt. Einmal. Zweimal. „Das kann warten“, entscheidet die Apothekerin. Sie muss Prioritäten setzen. „Ich habe eine sehr kleine Apotheke. Immer dann, wenn ich meinen Ehrenämtern nachkomme, muss ich einen Apotheker anfragen. Und das ist oft“, erklärt die 61-Jährige. Kein Wunder. Beim Blick in ihre Vita wird klar: Diese Frau kennt das Wort Langeweile nur aus dem Fremdwörterlexikon. Ehrenamtliche Richterin, Pressesprecherin der Apotheken in Marburg, Stellvertretende Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Marburg. Die Liste kann beliebig fortgeführt werden. Das Bild, das von der 61-Jährigen entsteht, zementiert sich: Engagiert, mutig und manchmal auch ein bisschen unbequem. „Für mich ist es selbstverständlich, dass man sich für andere einsetzt. Mit Wut im Bauch und Überzeugung. Das gibt Stabilität und Sicherheit“, erklärt Susanne Rück.

Einmischen, den Mund aufmachen, sich engagieren - all das hat in der Familie der Apothekerin Tradition. „Mein Großvater war Unternehmer. Der musste Verantwortung übernehmen. Meine Mutter war eine sehr emanzipierte Frau“, erinnert sich die 61-Jährige. Mit diesen Werten aufgewachsen hat sie eine Lektion schon früh gelernt: „Ich muss meine Möglichkeiten in den Dienst der Gemeinschaft geben“, erklärt Susanne Rück. „Ihre Möglichkeit“, das ist in erster Linie ihr Talent zu organisieren. Erst gestern schaffte es die Apothekerin, 170 ihrer Kollegen zu einer Fortbildung zum Thema „Hautkrebs“ an einen Tisch zu bekommen. Sich weiter bilden, neue Horizonte entdecken, das ist es, was die 61-Jährige vorantreibt. Aber Hand aufs Herz, Frau Rück, wie viel Stress verbirgt sich hinter all den Ehrenämtern? „Die meisten Termine habe ich nach Feierabend. Ich muss mich aber auch um die Führung der Apotheke kümmern. Gehe ich die Liste meiner Ämter durch und frage mich, was ich streichen kann, stelle ich immer fest: Nichts. Ich ziehe aus allem eine Lehre.“

Warum sie für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen wurde? Susanne Rück weiß es nicht. Ahnt es allenfalls. Für ihr breitgefächertes und unermüdliches Engagement. „Ich bin eben sehr temperamentvoll und will etwas bewegen.“ In der nächsten Zeit, so verrät sie, will sie die Bedeutung des Mittelstandes vorantreiben und weiter dafür einstehen, dass Frauen selbstverständlich gleichberechtigt sind. Die Ideen und die Energie - die gehen ihr nie aus. Manchmal aber die Zeit.

von Marie Lisa Schulz

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