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Kinder, Straßen und Kandidaten

Bürgermeisterwahl Bad Endbach Kinder, Straßen und Kandidaten

Informiert, an der Diskussion beteiligt, aber auch gut unterhalten konnten sich die rund 600 Besucher der Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Bad Endbach fühlen.

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Rund 600 Zuhörer lauschten im vollen Bad Endbacher KSF-Zentrum den Ausführungen der sechs Bürgermeisterkandidaten (vorne von links): Volker Jakob, Karina Schlemper-Latzel, Armin Müller-Rasmussen, Henning Hild, Carsten Stoll und Julian Schweitzer.

Quelle: Gianfranco Fain

Bad Endbach. Zur Unterhaltung trug wesentlich Kandidat Carsten Stoll bei. Er heimste für seine pointierten und zudem auch erheiternden Antworten­ den lautesten Applaus ein, brachte manchmal auch das Publikum dazu, laut zu lachen. Weniger erheiternd fand es das Publikum am Donnerstagabend im vollbesetzten Kultur-, Sport- und Freizeitzentrum (KSF), wenn es Fragen und Statements zur Gemeindevertretung gab.

Allein schon die Frage des Dernbacher Ortsvorstehers Thorsten Grob, wie die Kandidaten es schaffen wollen, die Fraktionen zur Zusammenarbeit zum Wohle der Gemeinde zu bringen, bekam großen Applaus und traf zugleich zwei aktuelle und ein ehemaliges Mitglied der Gemeindevertretung.

Sozialdemokrat Julian Schweitzer regte an, dass die Ortsbeiräte wieder mehr gehört werden müssten. Dazu müsse es für den Bürgermeister eine Pflicht sein, bei jeder Ortsbeiratssitzung anwesend zu sein.

Unter den unabhängigen Kandidaten verwies Henning Hild, der von der CDU unterstützt wird, darauf, dass alle wichtigen Entscheidungen mehrheitlich ausfielen und setzt seine Hoffnung auf die „neue Generation“, auf die man aufbauen könne.

Volker Jakob meinte aus seiner Parlamentserfahrung heraus, dass der Gemeindevorstand die Anregungen der Ortsbeiräte mehr berücksichtigen müsse und setzt auf Sondierungsgespräche mit den Fraktionen. „Gemeinsamkeit herstellen“ nannte dies Karina Schlemper-Latzel. Die von der Freien Wählergemeinschaft unterstützte Kandidatin verwies jedoch darauf, dass es zwar ein neues Gemeindeoberhaupt geben werde, dass das Parlament jedoch das gleiche bleibe. Auch sie plädierte dafür, die Meinungen der Ortsbeiräte mehr zu berücksichtigen.

Straßenbeiträge? Erst mal alles genau prüfen

Die Zwistigkeiten seien der Grund, weshalb er als unabhängiger Kandidat antrete, erklärte Armin Müller-Rasmussen, der ein Parteibuch der CDU hat. Er verwies auf sein Ziel, indem er sagte: „Gut für die Gemeinde waren die Beschlüsse, die einheitlich waren.“ Viele Fragen drehten sich um die beabsichtigte, für viele Zuhörer überhastete Einführung der wiederkehrenden Straßenbeiträge. Ramona­ Hatz wollte zum Beispiel wissen, ob bei ­einer Einführung diejenigen Anlieger, die schon für eine Straßensanierung gezahlt haben, erneut zur Kasse gebeten werden. Mit den Antworten von Schweitzer und Hild, „für einen gewissen Zeitraum“ beziehungsweise „maximal 25 Jahre bis maximal zur Höhe des Beitrags, der gezahlt wurde“ kam das Thema richtig ins Rollen.

Hild beantwortete die Frage von Hans-Günter Hepper aus Bottenhorn, ob er sich intensiv mit den rechtlichen Voraussetzungen auseinandergesetzt habe, mit: Für die Gemeinde seien die wiederkehrenden Beiträge etwas risikobehafteter, aber die gerechtere Lösung. Schlemper-Latzel meinte dagegen, dass erst noch Daten über den Zustand der Straßen erhoben werden müssten, bevor eine Entscheidung gefällt werden könne. Schließlich sei zu bedenken, dass die Entlastung eines Einzelnen andere treffe,­ die sich selbst einen kleinen Beitrag schwerlich regelmäßig leisten können.

Während auch Müller-Rasmussen meinte, dass genau zu prüfen sei, ob die Einführung für die Gemeinde einen Sinn ergebe, äußerte sich Volker 
Jakob überzeugt davon, dass ­genau dies der Fall sei.

Julian Schweitzer bekannte, ein Freund der wiederkehrenden Beiträge zu sein, vermisst aber die Bürgerbeteiligung, unter anderem, weil es versäumt worden sei, Informationsveranstaltungen anzubieten. Carsten Stoll appellierte wiederum an die Bürger, sich selbst zu ­informieren.

Viel Diskussionsraum 
für Kindergartenplätze

Ähnlich viel Raum nahm die Diskussion um die Kinderbetreuung ein, genaugenommen die fehlenden Plätze im nächsten Jahr. Carsten Stoll plädierte dafür, das „Groschengrab KSF“ zu einer zentralen Kindertagesstätte umzubauen, so etwas funktioniere in Breidenbach auch. Müller Rasmussen warb dagegen dafür, den Verein Weißer Stein als Investor für einen An- oder Neubau zu gewinnen. Volker Jakob will die Entscheidung über das „Wie“ und „Wo“ den Gremien überlassen, während Schweitzer betonte, es sei noch genug Zeit da, um einen Anbau zu erstellen und den Eltern damit Sicherheit zu geben.

Wenn man anbauen wolle, warum gebe es dann im Haushaltsentwurf 2018 keinen Ansatz?, fragte Schlemper-Latzel, die eine Kooperation mit der Grundschule vorschlug. Eine Idee, die auch Müller-Rasmussen vorschwebt, während Schweitzer darauf hinwies, dass Schulräume nicht einfach umgenutzt werden können.

Schließlich fragte Hermann Bamberger aus Hartenrod, was die Kandidaten, wenn sie zum Gemeindeoberhaupt gewählt würden, in den ersten 100 Tagen zuerst anpacken wollen? Den Straßenbau und die Kindergartenplätze, sagte Volker ­Jakob. Mehr wisse er erst, wenn er sich eingearbeitet habe. Mitarbeitergespräche führen und eingreifen „wo es brennt“, erklärte Schlemper-Latzel, die auch an eine Hospitation in einer Gemeinde denkt, die keine Schulden hat, um zu lernen.

Müller-Rasmussen will dagegen die Kindergartenplätze als Erstes umsetzen, Mitarbeitergespräche führen und „von anderen lernen“.
Da die Kindertagesstättenplanung bis dahin auf dem Weg sein muss, will Henning Hild sich um den Straßenbau kümmern. Stoll beteuerte unter viel Gelächter, „keinen Stein auf dem anderen zu lassen“ und Schweitzer will als Erstes für freien Eintritt in die Therme für Kinder unter 6 Jahren sorgen, ein Konzept zur Bürgerbeteiligung entwerfen und mit dem Landkreis für ein flächendeckendes freies WLAN sorgen.

von Gianfranco Fain

Mehr zur Veranstaltung lesen Sie hier.
 
Mehr zu den Kandidaten lesen Sie hier, unter anderem Links zu den Steckbriefen.
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