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Bürgermeister sind schockiert

Ärztlicher Bereitschaftsdienst Bürgermeister sind schockiert

Die geplante Verlegung der ärztlichen Bereitschaftszentralen aus Gladenbach und Biedenkopf nach Marburg soll schon am Freitag am Runden Tisch zur Geburtshilfestation Thema sein.

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Quelle: Montage: Pavlenko

Gladenbach. Er sei erschrocken und bestürzt, bekennt Joachim Thiemig und das ist dem Biedenkopfer Bürgermeister auch deutlich anzuhören. Als „Katastrophe“ bezeichnet der Rathauschef die Nachricht, dass der ärztliche Bereitschaftsdienst, wie die OP am Samstag berichtete, aus Biedenkopf nach Marburg verlagert werden soll.

„Die ganze Entwicklung macht mir große Sorge“, sagt Thiemig. Erst die angekündigte Schließung der Geburtshilfestation im DRK-Krankenhaus und nun der vorgesehene Wegfall der ärztlichen Bereitschaftsdienst-Zentrale. Diese übernimmt die ärztliche Versorgung von Patienten außerhalb der Praxiszeiten.

Man könne sich schon veralbert vorkommen, verrät Thiemig: „Wir unternehmen viele Anstrengungen, stoßen was an, wie zum Beispiel Studium Plus, und dann wirft man uns von außerhalb Knüppel zwischen die Beine.“ Gemeint ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Frankfurt, die die Zusammenlegung von Zentren des ärztlichen Bereitschaftsdienstes propagiert, um die Übernahme von leer stehenden Arztpraxen auf dem Lande durch junge Ärzte zu fördern. Im Hinterland stieß die KV auf offene Ohren. Doch statt der von der Ärzteorganisation vorgesehenen Lösung, die beiden Hinterländer Bereitschaftszentralen in Biedenkopf zusammenzulegen, bevorzugen die Ärzte eine große Lösung und die heißt: alles nach Marburg.

„Ganz schlimm“, findet das Thiemig, auch weil es Gespräche mit der KV gab, und nun „ist alles ganz anders“. Doch der Bürgermeister lässt den Kopf nicht hängen. Zusammen mit den anderen Bürgermeistern der Hinterländer Kommunen will er aktiv werden, denn: „Das können wir Bürgermeister nicht akzeptieren.“

"Eine bittere Geschichte"

Das Thema soll „sehr schnell“ aufgegriffen werden. Es werde Gespräche mit der KV geben und schon am Freitag, am Runden Tisch zur Geburtshilfestation Biedenkopf im Landratsamt, soll die Thematik angesprochen werden, „auch wenn es da nicht richtig reinpasst“, ergänzt Thiemig.

Einen Termin mit der KV hat Klaus-Dieter Knierim schon fixiert. Am Mittwoch der nächsten Woche sei ein Gespräch vereinbart, sagt der Gladenbacher Bürgermeister. Knierim fragte auf Gerüchte hin in der vergangenen Woche bei der KV nach. Da sei ihm versichert worden, es handele sich nur um Pläne und der Termin wurde festgelegt. Danach müsse man schauen welche „Maßnahmen“ ergriffen werden könnten, sagt Knierim zu dieser „bitteren Geschichte, die einen weiteren Nachteil für die ländliche Bevölkerung darstellen würde.

„Bedauerlich“, so lautet der Kommentar von Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt, weil die Bereitschaftszentralen für die Region „gut und sinnvoll sind“. Sein Wunsch wäre eine Hinterland-Lösung, zum Beispiel in Biedenkopf, um die Stadt aufzuwerten.

Landrat Robert Fischbach erklärte, eine Einbringung des Themas am Runden Tisch nicht zu verwehren, obwohl man mit der Geburtshilfestation schon reichlich zu tun habe. Er kenne die Absicht der KV nur aus der OP und wünscht sich erst eine detaillierte Darstellung der Ärztevertreter. Über Optimierungen werde oft nachgedacht, aber diese sollte nicht nur bei den Kosten greifen, sondern auch etwas für die Bevölkerung bringen. Es dürfe kein System herauskommen, „das für die Bürger schlechter ist als das, was wir derzeit haben“.

von Gianfranco Fain

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