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Brandstifterin bleibt im Gefängnis

Aus dem Gericht Brandstifterin bleibt im Gefängnis

Als unbegründet verwarf das Landgericht in Marburg gestern die Berufung einer 53-jährigen Hinterländerin. Sie kann jetzt noch in die Revision gehen oder gegen die Kostenentscheidung Beschwerde einlegen.

Marburg. Fünfeinhalb Stunden dauerte die Berufungsverhandlung am Landgericht unter dem Vorsitz von Richter Klaus Dieter Schwaderlapp. An deren Ende stand die Bestätigung des Urteils, das das Amtsgericht Marburg am 16. Mai dieses Jahres gegen eine 53-jährige Wiederholungstäterin aus Eckels­hausen fällte. Somit bleibt es bei 3 Jahren Haft für eine Trunkenheitsfahrt ohne Führerscheinbesitz und für eine Brandstiftung an einem Imbisswagen.

Für das Landgericht ist es erwiesen, dass die einschlägig vorbestrafte 53-Jährige aus dem Biedenkopfer Stadtteil im September 2010 in der Hinterland­stadt bei einer Alkoholfahrt am Steuer eines VW Touran erwischt wurde. Der Alkoholgehalt im Blut betrug damals 1,66 bis 1,92 Promille, ihr Führerschein war wegen eines ähnlichen Delikts bereits eingezogen. Nach anfänglichem Leugnen, gab sie die Tat im Laufe der Verhandlung zu.

Im Wesentlichen ging es gestern jedoch um den Fall der Brandstiftung, die von der Angeklagten laut ihrem Anwalt „vehement bestritten wird“. Der Verteidiger sprach von einem Urteil aufgrund von Indizien, das Zweifel bleiben, es keine wirklichen Beweise gebe, sie nicht bei der Tatausübung gesehen wurde und kein Motiv habe. Er ließ anklingen, dass es sich auch um eine Verschwörung gegen die ungeliebte Nachbarin handeln könne.

Als ein Zeuge äußerte, dass es vielleicht auch jemand anderes gewesen sein könnte, kam es zu einem Zwischenruf aus dem 5-köpfigen Publikum, den der Richter unterband. Doch nach der Entlassung des Zeugen ging der Disput zwischen derjenigen, für die die 53-Jährige ohne Frage die Täterin ist, und dem Zeugen im Flur des Gerichts weiter. Zuvor hatte der Zeuge die Frage dem Richter gesagt: „Die haben alle Angst, dass ihr Haus als nächstes brennt.“

Eine Serie von Brandstiftungen beunruhigt die Eckelshäuser seit über zehn Jahren. Bereits im Jahr 2006 wurde die Frau verurteilt, weil sie unter Alkoholeinfluss in ihrem Wohnhaus den Dachstuhl in Brand setzte. Es folgten Verurteilungen wegen Brandstiftung an einem Auto und zuletzt an dem Imbisswagen. Dieser stand am Abend des 12. September 2011 an der Marburger Straße in Flammen. Noch am selben Abend nahmen Polizisten die alkoholisierte Eckels­häuserin (1,69 bis 2,17 Promille), die in ihrer Wohnung schlief, wegen des Tatverdachts fest und nahmen sie in Untersuchungshaft.

Nach der Anhörung von vier Polizisten, vier weiterer Zeugen, des Ex-Ehemannes der 53-Jährigen, der die Aussage verweigerte und nach der Verlesung von Protokollen, bestätigte das Gericht die Version, die das Amtsgericht für sein Urteil zugrunde legte. Videoaufzeichnungen zeigen die Frau, wie sie am betreffenden Abend das Haus verlässt. Als sie rund 6 Minuten später zurückkehrt, ist im Hintergrund schon ein Feuerschein zu sehen. Erst mit diesen Aufzeichnungen konfrontiert änderte die Frau ihre Aussage von „zu Hause geschlafen“ auf „Zigaretten holen“.

Der Verteidiger forderte eine kurze Haft wegen der Trunkenheitsfahrt und die Rücknahme des Haftbefehls, da bei dem Vorwurf der Brandstiftung viele Zweifel blieben. Dagegen forderte Staatsanwältin Kathrin Orthmüller, die der Tat und Schuld angemessene Strafe zu bestätigen, da „es keinen vernünftigen Zweifel an der Täterschaft gibt“.

Schwaderlapp begründete die Verwerfung der Berufung mit der Überzeugung, dass die 53-Jährige den Imbisswagen vorsätzlich in Brand setzte. Es seien zwar nicht alle Zweifel ausgeräumt, aber es gebe einen „Beweisring aus Belastungskriterien“:

- Die 53-Jährige habe sich zur Tatzeit am Tatort aufgehalten und dies erst unter dem Eindruck der Videoaufzeichnungen eingeräumt;

- Es sei in den paar Minuten ohne weiteres möglich, von ihrer Wohnung aus den Tatort zu erreichen und zurückzukehren;

- Als Raucherin verfügt sie auch über ein einfaches Tatmittel

- Sie war stark alkoholisiert und somit enthemmt;

- Hinweise auf andere mögliche Täter gibt es nicht;

- Ein Motiv sei nicht wirklich aufzuklären, liege vermutlich in ihrer Persönlichkeitsstruktur.

von Gianfranco Fain

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