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Hinterland Drohne spürt kranke Bäume auf
Landkreis Hinterland Drohne spürt kranke Bäume auf
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00:18 09.08.2018
Klaus Uwe Koch, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Herzhausen (rechts) und Stefan Koch suchen mit einer Drohne nach Käfernestern in den Fichtenbeständen zwischen Herzhausen und Holzhausen. Quelle: Tobias Hirsch
Herzhausen

Der Herzhäuser Klaus-Uwe Koch hat mithilfe einer Drohne in seinem Privatwald kleine Nester ausgedorrter Bäume, sogenannter „Käferfichten“, ausfindig gemacht. Dort, wo man gut hingucken und leicht hingehen könne, seien solche abgestorbenen Bäume schnell gefunden. Aber in größeren, geschlossenen Waldflächen könne man sie nur schwer ausmachen, sagt der Vorsitzende der Forstbetriebsvereinigung Herzhausen.

Drohnen seien erschwinglich und ein probates Mittel, um Käferbäume zu finden, sagt er und weist darauf hin, dass gewiss ­jeder Kleinprivatwaldbesitzer jemanden kenne, der ein solches mit Kamera ausgestattetes Fluggerät besitze. Über den Privatwald des Herzhäusers ließ der Diedenshäuser „Pilot“ Stefan Koch seine Drohne fliegen und Klaus-Uwe Koch wertete die Bilder aus.   

2018 ist für den Borkenkäfer­ ein gutes Jahr. Er fühlt sich bei Hitze und Trockenheit ausgesprochen wohl. Drei Generationen des Buchdruckers, des Hauptschädlings der Fichte, bauen in diesem Jahr ihre Höhlen in der Rinde und schädigen die Bäume nachhaltig.

Der in unseren Gefilden weit verbreitete Nadelbaum hingegen verträgt keine heißen Sommer, sie schwächen seine­  Abwehrkräfte, die er aber braucht, um sich gegen den Borkenkäferbefall wehren zu können. Bohrt sich der Forstschädling durch die Rinde des Baumes, um dort Brutgänge für die Nachkommen anzulegen, bilde der Wirtsbaum Harz, weiß Bernd Wegener. Die ­Widerstandskräfte der Fichten seien durch die anhaltende Trockenheit aber deutlich minimiert. Sie könnten nicht genügend Käfer einharzen. „Deshalb erwarten wir eine große Käfer-Population“, sagt der kommissarischer Leiter des Forstamtes Kirchhain.

Sein Kollege Dr. Lars Wagner, Chef des Forstamtes Biedenkopf, pflichtet ihm bei und erklärt, das wahre Ausmaß der Schäden könne man erst im Herbst feststellen.

Jüngsten Windwurf schnell aufgearbeitet

Ist ein Baum vom Borkenkäfer befallen, hilft nur eins: Fällen und so schnell wie möglich raus aus dem Wald. So kann ein Übergreifen der Käfer auf weitere Bäume verhindert werden.­ Von einem Baum aus können zig weitere befallen werden, wissen die Forstexperten.

Dort, wo sie mehr oder weniger selbstständig agieren können, vor allem im von ihnen betreuten Staats- und Kommunalwald, können sie recht schnell reagieren. So wurde der Windwurf nach dem jüngsten Sturm recht schnell aufgearbeitet. Das gelang aber nicht überall. Bernd Wegener berichtet vom „verstopften Fichtenmarkt“, das Holz ließ sich nicht immer so schnell absetzen wie gewohnt.  „Deshalb lagen hier und da noch Bäume im Wald, die frühzeitig vom Käfer besiedelt wurden. Schon die erste Generation konnte sich sehr gut entwickeln. Wir erwarten drei Entwicklungszyklen der Käfer“, sagt er.

Die ersten neu befallenen Bäume seien längst gesichtet und „werden geerntet, während der Käfer noch drinnen ist“, berichtet Wegener. „Bei der Ernte mit dem Harvester werden die Stämme zweimal durch die Vorschubwalzen gezogen.“ Das dezimiere die Zahl der Schädlinge deutlich, sagt der Forstamtsleiter.

Grundsätzlich sei man bemüht, nach der Fichtenernte ­eine saubere Waldfläche zu hinterlassen. Insbesondere in den Kronen und den Feinreisig-Anteilen seien aber überproportional viele Nährstoffe. Fege man regelmäßig den kompletten Wald leer, wie das im Mittelalter geschehen sei, fehlten wichtige­ Nährstoffe. „Wir versuchen ­diese heute zurückzuführen, ­indem wir Baumreste im Wald belassen“, sagt er.
Wenn allerdings der Käfer im Holz sei, dann werde es wenn möglich gehackt und zu Energieholz verarbeitet. Das müsse aber schnell geschehen, sonst sei die nächste Generation Käfer auf und davon.
Nach der Neuregelung der ­Beförsterung durch Hessen Forst – mit finanziellen Belastungen – haben sich nicht alle Kleinprivatwaldbesitzer in die Obhut der Forstämter begeben. Gleichwohl würden auch diese angeschrieben, wenn in ihrem Besitz Käferbefall festgestellt werde. Denn der gefährdet auch die Nachbarbestände, berichtet Bernd Wegener.

Wenn Bäume ausgedörrt sind, ist Käfer schon wieder unterwegs

So verfährt auch sein Biedenkopfer Kollege, gibt aber zu bedenken, dass es oft schwer sei, die Zuständigen zu erreichen. Denn viele Kleinprivatwaldbesitzer wohnen nicht hier in der Region. Man müsse aber schnell reagieren, damit der Käfer nicht fliege, sagt Dr. Lars Wagner. Weil das nicht immer möglich sei, erschwere das zuweilen die Borkenkäfer-Bekämpfung. „Wenn man die roten Käferfichten sieht, ist es meist zu spät. Der Käfer ist längst ausgeflogen und hat sich neue Brutstätten gesucht“, sagt er.

Durch den Bau der Larvengänge unterbinde der Käfer den Saftfluss im Baum. Der sterbe dann ab, erklärt der Forstamtsleiter. Das Holz ist von minderwertiger Qualität, wird schlechter bezahlt und kann nur noch zum Bau von Paletten verwendet werden.

Ein auf den Laien unaufgeräumt wirkender Fichtenwald biete im Idealfall keine Brutmöglichkeit für den Schädling.

„Wir ernten mit Harvester, die Rinde wird dabei verletzt und das im Wald verbleibende Holz, die Spitzen, trocknen schnell aus. Damit sei dieses Holz nicht mehr für Käfer bruttauglich. Privatwaldbesitzer, die selbst fällen, empfehle man, die Spitzen in mehrere Teile zu schneiden, so trocknen sie schneller aus und werden nicht mehr bebrütet.

Derzeit richten die Forstexperten ihr Hauptaugenmerk auf Bäume, die sich in einem frühen Befallsstadium befinden. Es gibt verschiedene Kennzeichen für einen befallenen Baum: Sind Rindenbrüter wie der Buchdrucker am Werk, erkennt man dies an den Fraßgängen auf der Innenseite der Rinde, kleine braune Bohrmehlspuren am Stamm, Nadelfall und -verfärbung, Harzaustritt sowie den sogenannten Spechtabschlägen. Spechte lösen die ohnehin ­lockere Rinde, um an Käfer und Larven zu gelangen.

Auch der Herzhäuser Klaus-Uwe Koch weiß, dass man bei vermeintlich kleinen Schäden zügig eingreifen muss. Dann habe man einen Befall in der Regel schnell im Griff. „Wenn es aber nicht bald regnet, haben wir gar nichts mehr im Griff.“

von Hartmut Berge