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Kultur für die Region: Ziel ist erreicht

Birgit Simmler Kultur für die Region: Ziel ist erreicht

Die Schöpferin der Marke „Schlossfestspiele“ 
zieht nach neun Jahren 
in Biedenkopf weiter. Wunsiedel ist ihre 
nächste Station.

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Organisatorin, Netzwerkerin, Autorin, Regisseurin: Biedenkopfs Kulturreferentin Birgit Simmler wechselt von Biedenkopf nach Wunsiedel.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Biedenkopf. Achteinhalb Jahre arbeitete Birgit Simmler als Kulturreferentin in Biedenkopf. Nun verließ sie die Stadt in Richtung Wunsiedel, wo sie künftig die Luisenburg-Festspiele betreut.

Dass Birgit Simmler so lange in der kleinen Stadt im Hinterland blieb, war nicht zu erwarten, als sie ihre Stelle am 1. April 2009 antrat. Denn sehr viel glanzvoller klangen die Namen der Städte, in denen sie zuvor tätig war: München und Berlin, Zürich, Wien und New York. In der ganzen Welt war sie unterwegs, in vielen Kulturhauptstädten wirkte sie.

Nach achteinhalb Jahren ziehen alle Beteiligten eine mehr als positive Bilanz. „Biedenkopf ist durch Birgit Simmler mindestens mal deutschlandweit bekannt geworden“, lobt Bürgermeister Joachim Thiemig bei der Verabschiedung im Rathaus. Stichwort: Die Schlossfestspiele,­ die die 45-Jährige erdachte und etablierte. Diese erlebten in diesem Jahr ihre fünfte Spielzeit und zogen insgesamt rund 20.000 Besucher an.

Doch ist die Liste all jener Veranstaltungen und Projekte, die Biedenkopf inzwischen mit dem Anspruch auftreten lassen, „Kulturhauptstadt“ der Region zu sein, noch sehr viel länger. Der Skulpturenpfad der Berliner Künstlerin Ursula Cyriax­ ­gehört ebenso dazu wie die ­Kooperation mit der Bauhaus-Uni in Weimar, die Skulpturen Ubbo Enningas ebenso wie die Veranstaltungen unter dem ­Titel „Ab in die Mitte!“.

Kultur als Beitrag zur ­Lebensqualität

Glücklich ist auch die 45-Jährige im Rückblick mit ihrem ­Engagement in Biedenkopf. „Ich habe sehr viel Spaß gehabt“, sagt Birgit Simmler, „und es als sehr bereichernd empfunden, aufs Land gegangen zu sein“. Neben einer Menge sehr schöner persönlicher Erfahrungen nimmt die 45-Jährige nach eigenen Worten auch Einblicke mit, die sie zuvor nicht hatte. „Ich habe vielfach über meinen eigenen Tellerrand geschaut.“

Zuvor war die Kulturreferentin vor allem im Theater tätig, oft als Regisseurin, aber auch als Produzentin. Im Eigenbetrieb „Freizeit, Erholung und Kultur“ hatte sie nun auch viel mit dem Stadtmarketing zu tun, erfuhr noch stärker als früher, wie Kultur auch einen Beitrag zur ­Lebensqualität leisten kann.

Nicht zuletzt hat sie „Heimat“ neu erlebt. „In jungen Jahren bin ich häufig umgezogen“, berichtet die 45-Jährige. Das ­Gefühl, in einer Region verwurzelt zu sein, kenne sie daher aus ­ihrer ­
Jugend nicht. Umso mehr habe sie sich dafür interessiert, zu fragen: Was macht diese Region aus? Was macht diesen Ort besonders? Genau diesen Ansatz hat sie in den Schlossfestspielen verfolgt. „Man hätte ja auch Jesus Christus Superstar spielen können“, sagt sie.

Gerade das hätte sie aber überhaupt nicht als spannend empfunden. Daher habe sie in der Geschichte nach Stoffen gesucht, die authentisch sind und die Mentalität der Region abbilden. Gefunden hat sie diese bekanntlich unter anderem im ­Leben von „Sophie von Hatzfeldt“ sowie im „Postraub“.

Freude auf neuen Schwerpunkt Theater

„Ich wollte etwas machen, was zu der Region passt“, erklärt sie. Identitätsbildend sollten die Stücke für die Besucher sein. Nicht zuletzt deshalb sieht ihr Konzept lokale Talente im Musical vor. Inzwischen kommen sie aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Von den Besuchern ganz zu schweigen. Das zeigt: In ihrem Bemühen, etwas zu schaffen, was für die Region­ richtig ist, hat Birgit Simmler ganz nebenbei und ohne es zu wollen eine Marke erschaffen.

Ihr neuer Wirkungsort wird in mancherlei Hinsicht anders sein. Erst einmal von der Größe des Festivals her. Vier Eigenproduktionen pro Jahr und ein umfangreiches Gastspielprogramm wird in Wunsiedel von Birgit Simmler erwartet, 90 Aufführungen in drei Monaten. „Das ist schon eine gewaltige logistische Leistung“, sagt sie.

Tätig sein wird sie als Autorin, Regisseurin und Intendantin – der Schwerpunkt wird also auf dem Bereich Theater liegen. „Das ist etwas, worauf ich mich freue“, sagt sie. Nicht zuletzt deshalb, weil man in Wunsiedel nicht nur das Ziel habe, eine ­
hohe Auslastungsquote zu erreichen, sondern den Besuchern auch Inhalte zu vermitteln. Dass sie beides kann, hat sie in Biedenkopf schon gezeigt.

von Hartmut Bünger

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