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Stadtwerke erzielen höheren Gewinn

Bilanz 2016 Stadtwerke erzielen höheren Gewinn

Die Stadtwerke Marburg erwirtschafteten im vergangenen Geschäftsjahr einen Überschuss von 857.000 Euro – eine Steigerung um gut 12 Prozent. Die Bilanzsumme stieg auf knapp 170 Millionen Euro.

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Der Umbau des Verwaltungsgebäudes der Stadtwerke am Krekel wurde im vergangenen Jahr abgeschlossen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Wir sind mit dem Jahr 2016 extrem zufrieden“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren im Gespräch mit der OP. „Denn wir haben nicht nur einen guten Überschuss erzielt, sondern vor allem die rund 4,6 Millionen Euro Verlust des Nahverkehrs auszugleichen“, so Schüren. Diese Sparte habe sich im Vergleich zum Vorjahr zwar um rund 300.000 Euro leicht verbessert, sei aber immer noch defizitär. „Wir schaffen es also dank unserer breiten Aufstellung mit ihren vielen Sparten, der Stadt einen Fehlbetrag von 4,6 Millionen Euro zu nehmen“, erläutert Schüren.

Geschäftsführer Rainer Kühne verdeutlichte, dass das vergangene Jahr vor allem durch strukturelle Veränderungen geprägt gewesen sei. „Über zehn Jahre hinweg haben wir in Konzessionsverhandlungen die Basis dafür gelegt, dass unser Netzbetrieb wachsen kann. Das konnte dann im vergangenen Jahr endlich geschehen“, sagt Kühne – mittlerweile seien sämtliche Stromnetze im Stadtgebiet wieder im Besitz der Stadtwerke. Zudem übernahmen die Stadtwerke das Gasnetz in Cölbe und Lahntal für gut 5 Millionen Euro – dadurch sei das Gebiet des Gasnetzes laut Kühne um 50 Prozent gewachsen. „Insgesamt haben wir 22 Millionen Euro investiert“, so Kühne, etwa die Hälfte sei in die Modernisierung und den Kauf der Netze geflossen.

Die Übernahme der Netze hat laut den beiden Geschäftsführern auch einen positiven Nebeneffekt: Zahlreiche Kunden würden sich durch den Betreiberwechsel auch häufig für einen Wechsel des Strom- oder Gasanbieters entscheiden.

Investitionen drücken Ergebnis in Stromsparte

Demnach versorgten die Stadtwerke im abgelaufenen Geschäftsjahr gut 57.000 Kunden in der Stromsparte – fast 4800 mehr als noch im Vorjahr. Dennoch setzten die Stadtwerke mit 262,4 Millionen Kilowattstunden rund 3,9 Millionen Kilowattstunden weniger Strom ab. Im eigenen Netz gab es dabei – vor allem durch die Netzübernahme – eine Steigerung von 191,5 Millionen auf 195,4 Millionen Kilowattstunden, der Absatz in fremden Netzen sank entsprechend von 50,5 Millionen auf 42,9 Millionen Kilowattstunden. Zudem belieferten die Stadtwerke auch einen Weiterverteilungskunden mit 24,1 Millionen Kilowattstunden. Insgesamt erzielte die Stromsparte Umsatzerlöse von 62,7 Millionen Euro, im Vorjahr lag sie bei 63,9 Millionen Euro. Geschuldet sei dies vor allem Preisreduzierungen bei Großkunden.

„Der Verlust eines großen Kunden kann dem Verlust von Tausenden Haushalten entsprechen“, verdeutlicht Schüren. Allerdings sei die Zahl der kleineren Haushalts- und Gewerbekunden durchaus gestiegen. „Das ist für uns eine erfreuliche Entwicklung – denn große Kunden bedeuten nicht auch eine große Marge“, erläutert er. Man habe durchaus auch Großkunden verloren, „weil wir keine Geschäfte machen wollen, bei denen wir zuzahlen müssen“.

Das Spartenergebnis beim Strom verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 800.000 Euro auf 400.000 Euro – ursächlich dafür seien Investitionen und betriebsbedingte Aufwendungen.

In der Gassparte sei die Zahl der Kunden von 15.085 auf 16.220 angestiegen. Der Gas-Absatz sei indes aufgrund des Verlusts dreier Großkunden mit 713 Millionen Kilowattstunden um 43 Millionen Kilowattstunden niedriger ausgefallen. Dementsprechend niedriger fiel der Umsatz aus: Er sank – auch wegen einer Preissenkung – von 30,7 Millionen auf 29 Millionen Euro. Das Ergebnis lag aber aufgrund günstigerer Beschaffungskonditionen mit einem Plus von 1800 Euro auf dem Vorjahresniveau von 4,7 Millionen Euro.

Wasserversorgung bringt Verlust

Die Stromproduktion fiel im vergangenen Jahr mit rund 18,4 Millionen Kilowattstunden gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Millionen Kilowattstunden geringer aus – geschuldet einem „witterungsbedingt schlechten Solar- und Windjahr“, wie Schüren sagt, und der Verringerung der Anlagenleistung im Heizkraftwerk am Ortenberg.

Denn das wird derzeit auf zwei gasbetriebene Blockheizkraftwerke umgebaut, die Anlage ging bereits im vergangenen März vom Netz. Der Verlust der Sparte konnte jedoch mit 200.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr halbiert werden. „Die Stromerzeugung macht uns keine Sorge, da haben wir uns vom Bundestrend abgekoppelt – wir haben keine Beteiligung mehr im klassischen Großkraftwerkbereich“, sagt Norbert Schüren.

Bei der Wasserversorgung blieb die Absatzmenge mit knapp 4,98 Millionen Kubikmetern nahezu identisch zum Vorjahr, trotz einer Preiserhöhung im Vorjahr betrug der Verlust jedoch 370.000 Euro.

Mit den weiteren Aktivitäten, wie etwa der Marburger Entsorgungsgesellschaft, der Immobilien GmbH oder der Consult GmbH erzielten die Stadtwerke einen Umsatz von 6,6 Millionen Euro, das Ergebnis lag bei 200.000 Euro. 200.000 Euro werden die Stadtwerke auch als Ausschüttung an ihren Besitzer, die Stadt Marburg, abführen. Hinzu kommen noch 3,6 Millionen Euro Konzessionsabgabe.

von Andreas Schmidt

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