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Vom Alltag mit Ikea in Wetzlar

Bilanz nach einem Monat Vom Alltag mit Ikea in Wetzlar

Wer zu Beginn zu Ikea in Wetzlar kam, wollte wohl vor allem eines: essen. 24.000 Hotdogs und 2300 Kilo Köttbullar gingen in den ersten drei Wochen über den Tresen.

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Volles Haus bei Ikea in Wetzlar: Das Unternehmen erwartet nach dem Andrang zur Eröffnung nun ruhigere Wochen während des Sommers.

Quelle: Pascal Reeber

Wetzlar. Der erste Ansturm ist vorüber, die Polizei regelt nicht mehr den Verkehr vor der Einfahrt. „Langsam kehrt Normalität ein“, sagt Detlef Boje, der Chef von Ikea in Wetzlar. Seit der Eröffnung des Einrichtungshauses in der Hermannsteiner Straße sind gut vier Wochen vergangen. 1600 Paletten mit Angebotsware zur Eröffnung seien verkauft worden. Im Gastronomiebereich wurde in den ersten drei Wochen so viel Umsatz erreicht wie in keinem anderen deutschen Ikea-Einrichtungshaus, Ausnahme Berlin-Tempelhof.

An Spitzentagen kamen so viele Kunden, dass der Parkplatz gesperrt werden musste. Ausweichparkplätze stellten die „enwag“, Zeiss und das Forum zur Verfügung. Auch wenn es voll war: Der Verkehr sei gelaufen. Das bestätigt Thomas Hemmelmann, Büroleiter des Baudezernats im Rathaus. Lediglich die Ampelschaltungen an den nahen Abzweigen in die Formerstraße und zum Siechhof sollten nachjustiert werden. Und: Viele Autofahrer hätten offenbar noch nicht realisiert, dass es eine doppelte Linksabbiegerspur zu Ikea gibt. Häufig fädelten sich alle ganz links ein. Negative Rückmeldungen aus der Nachbarschaft habe er wegen des Verkehrsaufkommens bisher nicht erhalten, berichtet Detlef Boje.

Wie viele Kunden in den ersten vier Wochen kamen, das weiß Boje nicht genau. Eine automatische Zählanlage am Eingang sei noch nicht installiert. Aber: Es waren mehr als erwartet. Das habe sich am Umsatz bemerkbar gemacht. Zahlen nennt der Einrichtungshauschef nicht – nur so viel: Die Zahlen seien besser als gedacht. „Es läuft wirklich gut.“

Ausstellungsstücke
 landen an der Kasse

Auf dem Parkplatz: viele Fahrzeuge mit den Kennzeichen GI und MR. Woher genau die Kunden kommen, wie groß der tatsächliche Einzugsbereich des Wetzlarer Marktes ist, das möchte Ikea nun mit einer Abfrage der Postleitzahlen der Kunden ermitteln.

Auffällig: Im ersten Monat seien offenbar viele Kunden gekommen, die zuvor selten oder noch nie in einem Ikea-Einrichtungshaus waren. „Wir konnten das feststellen, weil ihnen das Verkaufssystem noch nicht bekannt war“, sagt Boje. Manche Kunden luden Ausstellungsstücke in den Wagen, weil sie nicht wussten, dass die eigentlichen Waren im Stapel unter dem Muster oder im Regallager am Ende zu bekommen sind. Täglich zwischen 50 und 60 Mal hätten Kunden solche Musterartikel an die Kassen gebracht, berichtet Boje.

Der große Umsatz machte auch mehr Nachschub nötig. Statt um vier Uhr früh wie üblich habe die Logistik teils schon eine Stunde eher die ersten Lkw mit Warenanlieferungen empfangen.

„Platzhirsch begrüßt den Elch in seinem Revier“

Wie haben andere Händler der Branche in Wetzlar den ersten Monat mit Ikea erlebt? „Gut“, sagt Wolfgang Rücker vom Polstermöbelmarkt Trösser. Das Geschäft, einer von 15 Trösser-Standorten in Deutschland, liegt in der Hermannsteiner Straße nur wenige hundert Meter von Ikea entfernt. Ist die Nähe Vorteil oder Nachteil? Eindeutig ein Vorteil, lautet die Erfahrung von Rücker. Seine Kollegen hätten schon erlebt, dass Kunden, die wegen des vollen Ikea-Parkplatzes wendeten, den Trösser-Markt besuchten, weil sie auf der Suche nach einem Sofa waren. „Wir wussten ja gar nicht, dass hier ein Polstermarkt ist“, hätten diese Kunden gesagt. Die Filiale profitiere von der Nähe zu Ikea: „Man lebt davon, dass man gesehen wird.“

Auch zur Bekanntheit von Möbel Schmidt in der Hintergasse hat die Ikea-Eröffnung beigetragen. Vor allem: Das Bild eines röhrenden Geweihträgers, das Udo Schmidt, Geschäftsführer und Inhaber in vierter Generation, im sozialen Netzwerk Facebook platzierte. Das Motto: „Der Platzhirsch begrüßt den Elch in seinem Revier.“ Gut 20.000 Mal sei der Hirsch geklickt worden, viele Menschen hätten ihn angesprochen, erzählt Schmidt: „Eine neue Erfahrung.“ Und im täglichen Geschäft? Er habe schon Kunden gehabt, die eine neue Küche suchten und erzählten, sie hätten bei Ikea nichts Passendes gefunden und wollten in Wetzlar noch einmal weiter schauen. Aufträge und Planungen gebe es gerade reichlich, berichtet Schmidt.

Mitarbeiter haben 
ihren Betriebsrat gewählt

Er setzt auf einen Komplettservice: Auswahl, Planung, Lieferung, Montage, Innenarchitektur, die Vernetzung mit vielen Partnerunternehmen. „Ikea trägt dazu bei, dass wir uns weiter abheben.“ Vom Möbelhaus Sommerlad – zur Unternehmensgruppe gehört auch die Wohnwelt in Dutenhofen – gab es keine Stellungnahme.

Die 250 Wetzlarer Ikea-Mitarbeiter haben auch ihren Betriebsrat gewählt. Dieser werde auch mitreden, wenn es um die Beteiligung an den verkaufsoffenen Sonntagen in Wetzlar geht, berichtet Einrichtungshauschef Boje. Daran möchte sich Ikea gerne beteiligen. In den Sommerwochen erwarten seine Kollegen und er eine etwas ruhigere Zeit, bis Anfang September dann erfahrungsgemäß wieder deutlich mehr Kunden kämen.

Übrigens: Verhältnismäßig viele Besucher kommen mit dem Fahrrad. So viele, dass die Fahrradstellplätze in den vergangenen Wochen häufig komplett belegt waren, wie Boje erzählt. Für ein Ikea-Einrichtungshaus in einer ländlich geprägten Umgebung sei das eine Besonderheit.

von Dirk Wingender

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