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Fast fünf Jahre Haft nach Raubüberfall

Aus dem Landgericht Fast fünf Jahre Haft nach Raubüberfall

Zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilte das Marburger Landgericht den 35-jährigen Biedenkopfer, der am 1. August an der Hasenlaufhütte eine Anwohnerin überfiel und ausraubte.

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Zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und acht Monaten verurteilte das Landgericht Marburg einen 35-jährigen Biedenkopfer, weil er am 1. August des vergangenen Jahres eine Frau überfallen, geschlagen und ausgeraubt hatte.

Quelle: Martina Koelschtzky

Biedenkopf. Der 35-Jährige hatte gestanden, am 1. August des vergangenen Jahres die Frau überfallen zu haben. Er gab an, sich bei der Hasenlaufhütte aufgehalten zu haben, als die Anwohnerin mit ihrem Auto unterhalb der Hütte wendete und vor ihr Haus am Waldrand fuhr. Er habe einen Knüppel aufgehoben und die Frau vor dem Gartentor abgepasst.

Nach der Aussage des Opfers, dem das Gericht auch aufgrund der festgestellten Verletzungen uneingeschränkt glaubte, schlug er die Frau mehrmals auf den Kopf und auf den Unterarm, damit sie den Autoschlüssel fallen ließ. Er riss Handtasche und Autoschlüssel an sich und flüchtete mit dem Auto des Opfers. Später stahl er in Rosenthal Autokennzeichen und „entsorgte“ die richtigen Nummernschilder, fuhr dann zum Edersee, nach Wetter und schließlich nach Dresden und Berlin. Nachdem er die Freunde, die er besuchen wollte, nicht antraf, kehrte er nach Biedenkopf zurück. Dort gestand er seinen Mitbewohnern den Überfall, die daraufhin die Polizei verständigten. Seither ist der Mann in Haft.

Alkoholisierung hält Gericht für unglaubwürdig

Richter Dr. Marco Herzog sprach von einem „mit Hängen und Würgen gerade noch minderschweren Fall“, der es erlaube, unter dem üblichen Strafmaß von 5 bis 15 Jahren Haft zu bleiben. Für den Angeklagten sprächen sein Geständnis und der Umstand, dass er die Tat offensichtlich nicht geplant habe.

Seine angeblich starke Alkoholisierung glaubte ihm das Gericht allerdings nicht. „Für die Mitnahme des Fahrzeugs, das Besorgen von anderen Kennzeichen und die über 1.000 Kilometer langen Fahrten einschließlich dem Auffinden von innerstädtischen Zielen in Großstädten muss der Angeklagte gut bei Sinnen gewesen sein. Dafür waren hohe koordinative Fähigkeiten erforderlich“, sagte Herzog in der Urteilsbegründung.

Die Staatsanwältin forderte zuvor sieben Jahre und sechs Monate Haft. Sie betonte vor allem die schwerwiegenden Folgen für die überfallene Frau, die seither unter Panik und Depressionen leide und nicht mehr in der Lage sei, in ihrem Haus zu leben. Das Opfer fürchtete, der Mann wolle sie töten. Auch sei sie seit der Tat arbeitsunfähig, lebe in einer Mietwohnung und habe dadurch erhebliche finanzielle Lasten zu tragen.

Gericht ordnet zweijährige stationäre Therapie an

Der Verteidiger plädierte auf einen minderschweren Fall und regte die Unterbringung in einer Entzugsklinik an, da sein Mandant offensichtlich einen Hang zu multitoxischem Drogenkonsum habe. Der Mann hatte angegeben, neben Alkohol auch Marihuana, Aufputschmittel und sogenannte „Legal Highs“, synthetische Cannabioide, regelmäßig zu konsumieren. In seinem Blut fanden sich allerdings nur Hinweise auf die letztgenannte Droge.

Das Gericht ordnete neben der Haft eine zweijährige stationäre Therapie an. „Sie sind noch relativ jung. Nutzen Sie die Chance, Ihrem Leben noch einen Sinn zu geben“, mahnte Herzog den Angeklagten, der im Schlusswort seine Tat bedauerte. Zugute hielt das Gericht dem Mann auch ein funktionierendes soziales Umfeld. So hatte die von ihm getrennt lebende Mutter von zwei seiner vier Kinder zugesagt, sich weiter um ihn zu kümmern.

Soziales Umfeld will sich um Verurteilten kümmern

Auch seine Mitbewohner wollen den Mann unterstützen, seine Probleme in den Griff zu bekommen. Neben den jetzt verhängten knapp fünf Jahren Haft muss der Verurteilte noch zwei weitere Haftstrafen von sechs Monaten und einem Jahr und sechs Monaten verbüßen, die zur Bewährung ausgesetzt waren.

Er bleibt in Haft, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Martina Koelschtzky

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