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„Es geht hier um die Existenz“

Sperrung in Eckelshausen „Es geht hier um die Existenz“

Der Weg durch Eckelshausen ist seit zwei Wochen versperrt, Kunden sind von den Geschäften in Biedenkopf abgeschnitten. Jürgen Reh, Vor­sitzender des Gewerbevereins Treffpunkt, weist auf die Probleme für Geschäftsleute hin. Mancher Firmenchef in Biedenkopf befürchtet bis zu sechsstellige Einbußen.

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Wie ist der Stand der Dinge auf der Baustelle in der Ortsdurchfahrt Eckelshausen? Darüber haben vor Ort IHK-Präsident Eberhard Flammer (von links), Werner Spies (Fritz Herzog AG), Saskia Kuhl (IHK), Bernd Weber und Eugen Reichwein von Hessen Mobil gesprochen.

Quelle: Privatfoto

Biedenkopf. Jürgen Reh, der Vorsitzende des Biedenkopfer­ Gewerbevereins Treffpunkt, sieht sogar die Existenz von Einzelhändlern bedroht. Fast zwei Wochen dauert die Vollsperrung der Ortsdurchfahrt Eckelshausen nun schon an.

Der Verkehr in beiden Richtungen fließt über die gut 30 Kilometer lange Umleitung über Breidenbach, Steffenberg und Dautphetal. Bis Ende des Monats müssen Anwohner, Pendler und Unternehmen noch durchhalten. Sofern auf der Baustelle alles gut läuft, soll am 26. Juli das Schlimmste überstanden und die Vollsperrung beendet sein.

Angst, dass Kunden nicht wiederkommen

Für heimische Unternehmen ist es bis dahin noch eine lange Zeit: Jeder einzelne Tag koste die Firmen und Einzelhändler Geld, erklärt Treffpunkt-Chef Jürgen Reh. Auch Eberhard Flammer, Präsident der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill (IHK) sagt: „Die Unternehmen in Biedenkopf sind durch die Vollsperrung stark betroffen.“

Insbesondere der stationäre Einzelhandel und die Dienstleister litten empfindlich unter der Vollsperrung und den damit verbundenen Umsatzeinbußen. „Konsumenten, die sich in dieser Zeit umorientiert haben, können oft nicht zurückgeholt werden“, befürchtet Flammer. Dadurch verliere Biedenkopf auf Dauer Kaufkraft.

Zwangsurlaub für Mitarbeiter

Genau diese Angst vor Langzeitfolgen der Sperrung treibe viele Geschäftsleute in Biedenkopf um, bestätigt der Treffpunkt-Vorsitzende Reh. Doch selbst wenn die Kundschaft nach Ende der Vollsperrung nach Biedenkopf zurückkehre – die Einbußen bis dahin seien enorm. Mit bis zu sechsstelligen Verlusten rechne mancher Firmenchef in Biedenkopf, weiß Reh aus Gesprächen mit betroffenen Unternehmern. Mit Blick auf die Situation des Einzelhandels berichtet der Gewerbevereinsvorsitzende: „Es gibt Geschäfte, die ihre Mitarbeiter schon in Zwangsurlaub geschickt haben.“

Das Hauptproblem: In Richtung Eckelshausen seien die Kernstadt, aber auch Stadtteile wie Weifenbach und Breidenstein, komplett von der Kundschaft abgeschnitten. Die Umsatzeinbrüche in den Geschäften seien enorm, laufende Kosten für Miete und Personal müssten die Geschäftsleute aber logischerweise weiter in unveränderter Höhe stemmen. Auch Gaststätten seien stark betroffen. „Das ist im Moment eine ganz tragische Situation. Es geht hier wirklich um die Existenz von Einzelhändlern“, sagt Reh.

Aktionen könnten Schaden nur abmildern

Die Händler versuchten, durch eigenes Engagement gegenzusteuern. So hätten sich beispielsweise einige Geschäfte zusammengeschlossen, um einen Lieferdienst für ihre Kunden jenseits der Baustelle anzubieten. Andere hätten ihre Öffnungszeiten verlängert. Reh weist darauf hin, dass der Gewerbeverein Treffpunkt auf seiner Facebook-Seite über alle Aktionen, die die Geschäfte melden, informiert.

Insgesamt könnten solche Aktionen der Geschäftsleute den Schaden aber nicht kompensieren – höchstens ein wenig abmildern, sagt Reh. Der Treffpunkt-Vorsitzende appelliert deshalb an die Biedenkopfer Kunden, ihre Einkäufe während der Vollsperrung ganz bewusst in Geschäften der Kernstadt und der Stadtteile zu erledigen und auf den Einkauf im Internet möglichst zu verzichten.

"Wir müssen jetzt zusammenhalten"

„Ich bitte die Biedenkopfer, wirklich mal an Biedenkopf zu denken und die Händler in dieser kritischen Situation zu unterstützen“, sagt Reh und verweist darauf, dass es alles, was man zum Leben brauche, vor Ort zu kaufen gebe. „Vom Optiker über das Schuhgeschäft, Lebensmittel und Bekleidung bis zur Buchhandlung gibt es hier alles.“ Wenn die Bevölkerung aber nicht bei den heimischen Einzelhändlern einkaufe bestehe die Gefahr, dass es im kommenden Jahr das eine oder andere Geschäft eben nicht mehr geben werde. „Wenn wir das verhindern wollen, müssen wir jetzt zusammenhalten“, so Reh.

Die größte Sorge des Treffpunkt-Vorsitzenden ist dabei, dass die Baustelle womöglich länger dauern könnte, als geplant. „Wir hoffen alle, dass es am 26. Juli nicht auch noch in die Verlängerung geht – das wäre dann nochmals schlimmer“, sagt Reh.

Er denkt dabei auch an das Biedenkopfer Stadtfest, das am 27. Juli (Freitag) beginnen und am 29. Juli einen verkaufsoffenen Sonntag beinhalten soll. Das Stadtfest wäre somit für die Biedenkopfer Einzelhändler – nach der langen Durststrecke – eine gute Gelegenheit, sich wieder vielen Kunden aus der gesamten Region zu präsentieren. Wenn die Vollsperrung bis dahin wirklich Geschichte ist.

Personal wurde aufgestockt

Wie ist der Stand der Dinge auf der Baustelle in der Eckelshäuser Ortsdurchfahrt? Darüber hat sich Eberhard Flammer im Gespräch mit Vertretern von Hessen Mobil – darunter Eugen Reichwein als Regionaler Bevollmächtigter Westhessen – und der Fritz Herzog AG (Erndte­brück) als ausführendem Bauunternehmen informiert.

Bauleiter Werner Spies gab laut Pressemitteilung der IHK einen Überblick über die Baustelle und die noch anstehenden Arbeiten. Er erklärte demnach, dass zusätzlich Arbeiten durchgeführt würden, die so nicht hätten eingeplant werden können. Das betreffe beispielsweise den Geh- und Radweg sowie die Abtragung der umfangreicheren Asphaltdecke.

Auf der Baustelle soll auch samstags gearbeitet werden

So weit dies möglich sei, würden diese Arbeiten nun teilweise parallel durchgeführt. Laut IHK sagte Spies darüber hinaus, dass die Einschränkung der Zufahrtsstraße zum Steinbruch Steinperf in Steffenberg zu Verzögerungen beim Transport von Baumaterial geführt habe. Ab dieser Woche sei daher das Personal der Firma Herzog aufgestockt worden, um die Termine für die Vollsperrung einhalten zu können. Auch an den letzten Samstagen sei gearbeitet worden.

Die IHK berichtet, dass das Bauunternehmen zugesagt habe, diesen erhöhten Personaleinsatz bis zum Ende der Vollsperrung fortzuführen.
IHK-Präsident Eberhard ­Flammer betonte unterdessen, wichtig sei, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft würden, um die ­Vollsperrungsphase zu verkürzen, zumindest aber den als Ende der Vollsperrung ­geplanten Termin am 26. Juli zu halten.

von Susan Abbe

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