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Hinterland Biedenkopf setzt auf Strom aus Wasserkraft
Landkreis Hinterland Biedenkopf setzt auf Strom aus Wasserkraft
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18:21 29.05.2012
Eine Delegation begutachtete bei der offiziellen Inbetriebnahme die Turbine am Perfstausee, mit der die Stadtwerke Biedenkopf Strom produzieren. Quelle: Björn-Uwe Klein
Breidenstein

Bis 2040 will der Landkreis Marburg-Biedenkopf ausschließlich regional produzierte Energie aus erneuerbaren Quellen nutzen. Als einen „kleinen aber wichtigen Beitrag“ zum Erreichen dieses Ziels bezeichnete Landrat Robert Fischbach am Freitag die Inbetriebnahme einer Wasserkraftanlage am Perfstausee. Fischbach ist zugleich Vorsteher des Wasserverbandes Oberes Lahngebiet, dem Betreiber des Hochwasserrückhaltebeckens Perfstausee.

Ihren Dienst erfüllt die Wasserturbine seit dem 15. Dezember 2011. Die Wasserturbine vom Typ „Kaplan“, hergestellt von der HSI Hydro Engineering aus Morbach-Gonzerath, eröffnet den Biedenkopfer Stadtwerken neue Möglichkeiten in der Stromerzeugung. Die Kosten der Turbine belaufen sich auf 124900 Euro. Unter Berücksichtigung der Zusatzkosten bis zum betriebsfertigen Einbau ergeben sich Gesamtkosten in Höhe von 210630 Euro.

„Die Ermittlung der zu erwartenden Jahreserträge aus dieser Wasserturbine hängt natürlich von einer ganzen Reihe von Rahmenbedingungen ab, die wir vor der Investitionsentscheidung nur grob abschätzen konnten“, sagte Bürgermeister Joachim Thiemig. Wichtig sei, dass die Einspeisevergütung für den Betrieb von Wasserkraftanlagen im Oktober 2008 per Gesetz deutlich angehoben wurde, für diese Turbinengröße auf 12,67 Cent pro Kilowattstunde. Thiemig unterstrich, dass der Hochwasserschutz oberste Priorität und im Zweifelsfall Vorrang gegenüber der Energieerzeugung habe. Der Rathauschef erklärte, dass beim Bau des Perf­stausees im Jahr 1993 die Möglichkeit einer energetischen Nutzung bedacht worden sei. Nach dem Beschluss zur Einspeisevergütung für Wasserkraft im Jahr 2008 hätten sich die Stadtwerke mit der Planung eines Kraftwerks am Perfstausee beschäftigt. Noch im selben Jahr erteilte die Genehmigungsbehörde des Regierungspräsidiums Gießen den Stadtwerken die wasserrechtliche Erlaubnis zum Betrieb einer Turbine.

Von Anfang an, so der Bürgermeister, sei den Entscheidungsträgern bewusst gewesen, „dass wir bei dieser Investition nicht ausschließlich nach rein wirtschaftlichen Maßstäben rechnen dürfen.“ Bei einer bloßen Kosten- und Ertragsrechnung ergebe sich eine Amortisierung nach rund elf Jahren. „Hier geht es aber um viel mehr: um 100 Prozent regenerative Energie, direkt vor Ort erwirtschaftet.“ Rein rechnerisch sei diese ausreichend für 40 bis 50 Durchschnittshaushalte - dies sei zwar nur ein „kleiner Schritt, aber auf dem Weg zur viel beschriebenen Energiewende sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.“

Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Buder ist überzeugt, mit der Kaplan-Turbine „eineoptimale Lösung“ gefunden zu haben. Die fast vier Jahre vom Entschluss bis zur offiziellen Einweihung verdeutliche, „dass es einige Aufgaben zu erledigen gab“. Die Vorstellung von der technischen Ausführung des Vorhabens habe sich im Laufe der vier Jahre geändert, „da wir anfangs eine andere Idee hatten, die aber technisch nicht umsetzbar war.“

von Björn-Uwe Klein

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