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Bewährungsstrafe für Ritt auf Motorhaube

Leichtsinniger Spaß Bewährungsstrafe für Ritt auf Motorhaube

Straßenverkehrsgefährdung mit fahrlässiger Körperverletzung lautete die Anklage für einen Vorfall an einem Festabend in Herzhausen.

Biedenkopf. In einer etwa dreistündigen Verhandlung vor dem Biedenkopfer Amtsgericht und der Anhörung von sechs Zeugen ging Richter Mirko Schulte am Dienstag den Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft gegen einen 21-jährigen Hinterländer nach. Vorgeworfen wurde diesem, am 17. April angetrunken mit einem Fahrzeug einen Menschen verletzt zu haben.

Der Angeklagte sei gegen 3.45 Uhr mit seinem Auto in Herzhausen vom Festgelände in Richtung Sportplatz unterwegs gewesen und dabei einem auf der Fahrbahnmitte gehenden 24-Jährigen mit der Stoßstange bis an die Waden gefahren. Dieser wurde auf die Motorhaube katapultiert und durch beschleunigen und bremsen auf die Fahrbahn befördert: Dabei erlitt das Opfer Schürfwunden und Prellungen. Der später festgestellte Blutalkoholgehalt des Angeklagten habe 0,85 Promille betragen.

Der Angeklagte berichtete von einem Treffen mit Freunden und Arbeitskollegen, bei dem er lediglich einen Whisky-Cola und ansonsten nur Cola getrunken habe. Gegen 3.45 Uhr habe er mit drei Bekannten die Feier verlassen. Sein Freund und dessen Freundin seien neben seinem Auto hergelaufen. Der Freund sei alkoholisiert gewesen, habe zu ihm „Warte mal“ gesagt, sich auf die Motorhaube gesetzt und „gib Gas“ gerufen.

Er habe kein Spielverderber sein wollen. Als ihm von links jemand vor das Auto lief, habe er bremsen müssen, dabei sei sein Freund von der Motorhaube gefallen. Dies alles sei keine Absicht gewesen. Auf den Blutalkoholwert angesprochen antwortete der Angeklagte Richter Schulte, dass er danach zu Hause noch drei Flaschen Bier getrunken habe.

Dagegen erklärte der 24-jährige Geschädigte, dass ein Auto schnell an ihn herangefahren sei, ihn an der Wade getroffen habe und er auf der Motorhaube gelandet sei. Das Auto sei mit durchdrehenden Reifen und Vollgas losgefahren. Als das Auto nach etwa 30 Metern abbremste sei er nach vorne etwa fünf bis sechs Meter weit auf eine Bordsteinkante geflogen. Dabei habe er sich Abschürfungen an Händen, Knien, Ellenbogen sowie am Bauch zugezogen. Gefolgt seien ein dreitägiger Krankenhausaufenthalt und eine dreimonatige Arbeitsunfähigkeit. Auf Nachfrage verneinte er, zu einem Teil mit diesem „Motorhauben-Ritt“ einverstanden gewesen zu sein.

Die damalige Freundin des Angeklagten gab an, dass sich der 24-Jährige seitlich auf die Motorhaube geschwungen habe. Sie bestätigte, dass ihr Freund erst nach dem Vorfall Bier getrunken habe. Ein anderer Zeuge gab an, dass der 24-Jährige auf die Motorhaube geklettert sei. Aus der Zeugenaussage der Freundin des Geschädigten war jedoch zu entnehmen, dass der Angeklagte ihrem Freund in die Hacken gefahren sei.

Der Verteidiger des Angeklagten sah in den Aussagen eine so genannte „Lagergeschichte“. Es erfolgte eine Sitzungsunterbrechung und ein Rechtsgespräch. Richter Schulte ging auf die Vorstrafen des Angeklagten ein. Christian Frömming, Referendar der Staatsanwaltschaft Marburg, beantragte eine Gesamtfreiheitsstrafe von 14 Monaten zur Bewährung, die Zahlung eines Schmerzensgeldes von 400 Euro sowie ein weiteres Fahrverbot von drei Monaten.

Richter Schulte verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 14 Monaten zur Bewährung auf drei Jahre und zu einem dreimonatigen Fahrverbot – da der Führerschein bereits sechs Monate einbehalten wurde, werden zwei Monate angerechnet. Außerdem muss der Angeklagte ein Schmerzensgeld von 400 Euro an den Geschädigten zahlen und für die Dauer eines Jahres eine Bewährungshilfe in Anspruch nehmen.

von Helga Peter

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