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Bewährung mit strengen Auflagen für Randalierer

Amtsgericht Bewährung mit strengen Auflagen für Randalierer

Zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung und zahlreichen Auflagen wurde ein 31-jähriger Hinterländer verurteilt, der im Juli alkoholisiert in Gladenbach und auf der Marburger Intensivstation randalierte.

Biedenkopf. „An nichts mehr“ erinnerte sich ein 31-jähriger Hinterländer am Dienstag vor dem Amtsgericht Biedenkopf. Dort warf ihm Oberamtsanwalt Reinhard Hormel eine Serie von Taten vor: Am Abend des 29. Juli 2011 habe der Mann zunächst in einer Gaststätte Mobiliar zertrümmert. Dabei einen Zeugen obszön beleidigt und diesem einen Faustschlag ins Gesicht verpasst. Dabei ging nicht nur eine 525-Euro-Brille zu Bruch, das Opfer erlitt auch ein mehrstündiges Taubheitsgefühl.

Drei Polizisten überwältigten den sich heftig wehrenden Mann, der auch diese auf obszöne Art beschimpfte. Zu einem weiteren Polizeieinsatz kam es am nächsten Tag auf der Intensivstation des Uni-Klinikum Marburg, wohin der verletzte Mann gebracht worden war. Vier Polizisten und drei Krankenpfleger überwältigten den Angeklagten, erneut unter üblen Beschimpfungen und diesmal auch unter Drohungen wie: „Ich töte euch alle.“ „Ich steche dich ab.“ Blut und Urin des Angeklagten sprachen eine „deutliche Sprache“: Blutalkoholgehalt 2,43 Promille sowie Spuren von Beruhigungs- und Rauschmitteln. Gegenüber Richter Mirko Schulte sagte der Angeklagte, dies sei alles dumm gelaufen und er habe sich bei einem der Polizisten auch dafür entschuldigt. Schulte verlas Zeugenaussagen, denen zufolge der Angeklagte sich auf der Intensivstation die Braunülen herausgerissen habe und dermaßen randalierte, dass Teile des Krankenbettes auseinanderflogen. Der sich heftig wehrende Angeklagte sei „fixiert“ und in die Psychiatrie gebracht worden.

Verurteilter soll Haare auf 4 Zentimeter wachsen lassen

„Ich bin clean und mir geht es besser“, wich der Mann zunächst aus, doch Schulte hakte nach. Er habe Wodka an diesem Abend getrunken. An den Konsum von Beruhigungs- oder Rauschmitteln könne er sich nicht erinnern, so der Angeklagte. Das Messer trug er zur Selbstverteidigung bei sich und nicht zuletzt wegen seines früheren Freundeskreises. Später legte der Angeklagte seine Lebensumstände dar, die von Kindheit an mit Heim- und Psychiatrieaufenthalten, Drogenabhängigkeit, Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit durchwirkt sind. Sein Vater habe ihn abgelehnt, berichtetet der Angeklagte, der auch eine laufende Bewährung aufzuweisen hatte.

Hormel sah den Tatvorwurf als erwiesen an, wobei es nicht auszuschließen sei, dass die Taten unter verminderter Schuldfähigkeit geschehen seien. Er beantragte 30 Tagessätze für Sachbeschädigungen, 60 Tagessätze für Beleidigungen, für den Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und deren Beleidigung 4 Monate und für die Bedrohung und den Widerstand weitere 5 Monate was eine Gesamtstrafe von neun Monaten ausgesetzt zur Bewährung auf vier Jahre ergab einschließlich einer Alkohol- und Drogentherapie sowie die Ableistung von 200 Arbeitsstunden.

Schultes Urteil lautete: Freiheitsstrafe von sieben Monaten ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre unter strengen Richtlinien, deren Bruch zu einer sofortigen stationären Drogentherapie oder Gefängnisstrafe führen. Des Weiteren muss der Angeklagte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, eine Berufsberatung sowie eine ambulante Drogentherapie in Anspruch nehmen. Zudem soll der Angeklagte sein Haupthaar von zwei auf vier Zentimeter wachsen lassen und zum Stichtag 1. September auf Drogenrückstände untersuchen lassen.

von Helga Peter

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