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Betriebsrat und Gewerkschaft: „Der Druck muss raus“

Widerstand am Klinikum Betriebsrat und Gewerkschaft: „Der Druck muss raus“

Die Diskussion um die Zukunft des Uniklinikums nutzen Betriebsrat und Gewerkschaft, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Marburg. Die Verunsicherung am Klinikum ist groß. Kauft das Land Hessen das privatisierte Uniklinikum von der Rhön AG zurück? Geht der Betrieb an die Fresenius-Tochter Helios über? Bleibt alles beim Alten? Antworten kann aktuell niemand geben. Ein Grund, warum die Arbeitnehmervertretungen ihren Kampf um den Erhalt der Stellen am UKGM noch einmal intensivieren. In Rundschreiben und Flugblättern fordern sie: „Der Druck muss raus!“.

Überstunden und Rufbereitschaften würden einfach in Stellen umgerechnet, heißt einer der Hauptvorwürfe an die Geschäftsführung. Soll heißen: Leistet ein Angestellter zusätzlich zu seinem Acht-Stunden-Dienst vier Überstunden, dann werden diese als halbe Stelle in der Bilanz gekennzeichnet.

„Bei den etlichen Überstunden, die hier alle leisten müssen, ist es dann klar, dass ein Überhang an Stellen entsteht. Aber so kann man doch nicht rechnen“, sagt Bettina Böttcher, Betriebsratschefin in Marburg.

Ihr Gießener Kollege Klaus Hanschur fordert, die Landesregierung müsse den Verhandlungsspielraum, der sich durch die Rückkaufoption im Falle der Übernahme Rhöns durch Fresenius nutzen, um zumindest ein Maximum an Sicherheit für die Beschäftigten herauszuschlagen. Der Gießener Betriebsrat schlägt als „Denkanstoß“ ein „Wiederverkaufsverbot“ vor.

Die Verdi-Vertrauensleute haben derweil einen Forderungskatalog veröffentlicht. Sie plädieren unter anderem für:

nden Verzicht auf Ausgliederung

- eine Eigenständigkeit des UKGM auf Basis eines nachhaltigen Finanzierungskonzepts ohne Orientierung an Rendite­erwartung,

- eine am Allgemeinwohl orientierte Gesellschaftsform

- Garantien für die Freiheit von Forschung und Lehre.

Für Verdi-Sekretärin Marita Kruckewitt steht fest: „Egal, wie die ganze Sache ausgehen wird, die Bedingungen üssen stimmen.“

Da wäre ihr es auch egal, ob es nun zur Fresenius-Übernahme oder zum Rückkauf käme. „Es müssen aber endlich Verhandlungen stattfinden.“

Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) forderte vor dem Bezirksparteitag der SPD Hessen Nord Regierung und Opposition auf, „sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam dafür zu sorgen, wie das UKGM auf andere Füße gestellt werden kann.“ „Wir haben nur einen Versuch!“, mahnte Vaupel mit Blick auf die eventuell sich ergebende Rückkaufoption und den daraus folgenden Verhandlungsspielraum. Die Einigkeit der politischen Lager in Marburg bezüglich des UKGM nannte Vaupel „beispielgebend“ für das Land.

von Carsten Bergmann und Till Conrad

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