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Betriebsrat: „Können es kaum ertragen“

Marburg Betriebsrat: „Können es kaum ertragen“

Ein Hinweis vor der Augenklinik auf Personalengpass und unzumutbar lange Wartezeiten  symbolisiert das ganze Dilemma am Universitätsklinikum.

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In der Augenklinik im Uniklinikum Marburg weist ein Hinweisblatt auf massive Personalengpässe hin.

Quelle: Achivfoto

Marburg. Es mag ja tatsächlich so sein, dass der gegenwärtige Personalengpass bei den Augenärzten am Universitätsklinikum auf den Lahnbergen nichts ist als der pure Zufall, das zufällige Aufeinandertreffen vieler nicht beeinflussbarer Faktoren.

Dass das Klinikum Patienten aber öffentlich bittet,  lieber niedergelassene Ärzte aufzusuchen, ist „symptomatisch für die katastrophale Stimmung am Klinikum“. So formuliert es jedenfalls die Marburger Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher auf Nachfrage der OP. Der Direktor der Augenklinik, Professor Dr. Walter Sekundo, ließ lediglich auf den Klinikssprecher verweisen.

Selbst altgediente Beschäftigte, mit denen die OP sprach, können sich nicht an einen öffentlichen Aushang von ähnlicher Dramatik erinnern. Gestern machte in diesem Zusammenhang das böse Wort von der „Bankrotterklärung“ die Runde.

Am Vormittag hatten sich UKGM-Betriebsräte und Gewerkschaft verdi noch einmal zum gegenwärtigen Stand der Auseinandersetzung nach dem Wechsel in der UKGM-Geschäftsleitung und den ersten Äußerungen des neuen Klinikschefs Martin Menger geäußert. Am deutlichsten wurde der Vorsitzende des UKGM-Gesamtbetriebsrats. Dr. Dirk Gehrke: Er sprach von einem Vertrauensverlust der Beschäftigten in die Kliniksleitung, der „einmalig ist in der über 400jährigen Geschichte der medizinischen Fachbereiche“. „Unsere Geduld ist am Ende“, fügte er hinzu, und: „Wir Betriebsräte können kaum noch ertragen, was wir an Reaktionen von verzweifelten Kollegen erleben.“

Konkret erwarten Betriebsräte und Gewerkschaft von der Kliniksleitung ein Moratorium für den „kalten“ Stellenabbau als Voraussetzung für weitere Gespräche im Rahmen des Mediationsverfahrens und konkrete Informationen in den einzelnen Abteilungen.

Wiewohl der Betriebsrat kein Mitspracherecht hat, wenn auslaufende Stellen nicht verlängert werden, wird er dennoch seine Mitbestimmungsrechte nutzen, um die Kliniksleitung zu Verhandlungen zu bewegen. Der Gießener Betriebsratsvorsitzende Klaus Hanschur nannte als Beispiele das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats bei der Abwehr gesundheitlicher Gefahren und die Haltung zu Überstundenanträgen und Vertretungen.

Medizin-Dekan Rothmund: Experiment gescheitert

Der Dekan des Fachbereichs Medizin, Professor Matthias Rothmund, spricht in einem Zeitungsaufsatz offen davon, dass die Privatisierung gescheitert ist – im Wesentlichen wegen der Renditeerwartungen in Höhe von sechs Prozent. „Ein Bekenntnis, dass das Experiment Privatisierung gescheitert ist,  würde der Landesregierung keinesfalls politische schaden“, schreibt Rothmund.

Uni-Präsidentin Krause:Rückkehr zu Gemeinnützigkeit

Auch Uni-Präsidentin Katharina Krause  findet deutliche Worte: In einem Brief an alle Mitglieder der Universität schreibt sie: „Die Erwartung, dass sich in einem Universitätsklinikum Betriebsergebnisse realisieren lassen, die sowohl die erheblichen Investitionen refinanzieren wie auch Gewinne in gewünschtem Ausmaß realisieren, bedarf der Korrektur“, schreibt Krause und weiter: „Ohne ein stärkeres Engagement des Landes bis hin zur Rückkehr zur Gemeinnützigkeit des Klinikums werden sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen des Konzerns Schäden für Forschung und Lehre einstellen.“

Vergleichsweise zurückhaltend äußert sich Verdi zur Betriebsform. Auf eine entsprechende Frage der OP formulierte Georg Schulze-Ziehaus, Fachbereichsleiter Gesundheit bei Verdi Hessen: „Wir verfolgen die Forderung nach Abkehr von der Privatisierung mit Sympathie.“ Entscheidend für die Frage der Betriebsform müsse aber sein, wie das Klinikum ausreichend finanziert werden  kann.“  

von Till Conrad

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Uniklinikum Marburg

Wer sich derzeit in der Augenklinik des Universitätsklinikums behandeln lassen muss, muss Wartezeiten von sieben Stunden einkalkulieren.

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