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Hinterland Berufe aus erster Hand erleben
Landkreis Hinterland Berufe aus erster Hand erleben
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18:14 02.09.2014
Dr. Gundula Griesel (von links), Andrea Martin, Brigitte Piper, Rolph Limbacher, Bernhard Drude, Walter Horn, Wolfram Adam und Meinhard Moog stellten gestern die Aktionswoche Handwerk vor. Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

Am Dienstag stellte die Kreishandwerkerschaft Marburg, die die Aktionswoche organisiert, das Programm der Aktionstage vor. Sie bietet Jugendlichen am Dienstag, 30. September, und Mittwoch, 1. Oktober, Informationen aus erster Hand über die Ausbildungsberufe im Handwerk.

Die Berufsinformationen werden wieder an beiden Tagen und in diesem Jahr zentral bei der Kreishandwerkerschaft Marburg angeboten. Die Teilnehmer erhalten außerdem Ausbildungs- und Praktikumsbetriebslisten. Alle Innungen, die der Kreishandwerkerschaft Marburg angeschlossen sind, nehmen an der „Aktionswoche Handwerk“ teil, außerdem werden die Marburger Agentur für Arbeit sowie das Kreisjobcenter mit ihren Beratungsangeboten vor Ort sein.

Fachkräftemangel ist im Handwerk großes Thema

„Wir bieten die Aktionswoche nun zum 13. Mal an“, sagte Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher. Bei der ersten Auflage im Jahr 2002 „war das Thema Fachkräftemangel noch kein so großes Thema wie heute“, so Limbacher. Allerdings hätten seine Vorgänger auf das richtige Pferd zur Nachwuchsgewinnung gesetzt. Denn auch in Marburg werde der Nachwuchs weniger. „In den vergangenen Jahren haben wir immer so um die 1000 Schüler informiert. Das werden wir dieses Jahr noch einmal schaffen können - danach wird uns der demografische Wandel einen Strich durch die Rechnung machen“, verdeutlichte er.

Meinhard Moog, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, erläuterte, dass die Aktionswoche erneut auf dem Gelände der Kreishandwerkerschaft und im Gebäude des Berufsbildungszentrums stattfinden werde. Auch auf eine weitere Änderung im Prozedere wies Moog hin: Hätte man früher Interessenten zu bestimmten Uhrzeiten eingeteilt, setze man in diesem Jahr auf Gruppenanmeldungen. „Zu jeder vollen Stunde finden die Berufsvorstellungen statt, das hat einen Messecharakter“, so Moog. „Wir werden mit allem, was wir zu bieten haben, hier an einem Ort vertreten sein“, freut sich Moog. So werde das Angebot optimal gebündelt.

Walter Horn vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur verdeutlichte indes den aktuellen Ausbildungsmarkt: 385 unversorgte Bewerber gebe es, denen stünden 260 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber. „Das ist eine Momentaufnahme, es kommen immer noch kurzfristig auch für 2014 noch Ausbildungsstellen herein - auch aus dem Handwerk“, so Horn. Denn viele Betriebe entschieden anhand der konjunkturellen Lage, ob sie noch einen Azubi einstellen würden.

Er denke, dass viele Ausbildungsverträge erst am 15. Oktober geschlossen würden, da man sich derzeit noch in den Ferien befände - „da passt es ganz gut, dass die Aktionswoche erst Ende September stattfindet“, so Horn. Er verdeutlichte, dass das Handwerk auch für Hauptschüler Karrierechancen biete: Wer seine Ausbildung absolviere „und dann noch Englisch dazu nimmt, hat danach seinen mittleren Bildungsabschluss, der anerkannt wird“.

Karrierechancen sind oft nur wenigen bekannt

Und Andrea Martin, Leiterin des Kreisjobcenters (KJC), ergänzte: „Der Weg kann sogar bis zum Betriebswirt des Handwerks führen, das ist auch nur wenigen bekannt.“ Beim KJC seien derzeit noch 41 Bewerber als unversorgt gemeldet. Und ein Blick in die Bewerberliste für das kommende Ausbildungsjahr zeige, dass bei den Berufswünschen „auf den vorderen Rängen immer noch die Industrie und kaufmännische Berufe dominieren“. Durch Beratung wolle man auch andere Berufszweige aufzeigen. Martin verdeutlichte: „Die Ansprache ist wichtig, damit Jugendliche sich auch Dinge zutrauen, die sie aufgrund einer Broschüre nicht für sich entdeckt hätten.“ Daher leiste die Kreishandwer-kerschaft mit der Aktionswoche einen wichtigen Beitrag.

Bernhard Drude, Leiter des staatlichen Schulamts, sieht die Aktionswoche ebenfalls als „wichtigen Bestandteil der Information“. Er mahnte allerdings, dass es mittlerweile sehr viele Informationsveranstaltungen und Messen gebe - häufig stellten jedoch die Eltern ein Problem dar. Diese wollten „den höchstmöglichen Schulabschluss für ihre Kinder, sie wollen ihren Kindern das Beste anheimgeben“, so Drude. Dies gehe aber an der gesellschaftlichen Entwicklung vorbei, denn: „Die schulischen Abschlüsse haben nicht mehr die Bedeutung, die sie mal hatten - es geht in zunehmendem Maße um Anschlussfähigkeit.“

So führten heutzutage stellenweise Studiengänge „ins absolute Nichts, weil der Arbeitsmarkt nichts für diese hergibt“, so Drude. Und ein weiterer Punkt für Schüler sei es, möglichst lange auf der Schule zu bleiben, um diesen geschützten Raum nicht zu verlassen. Daher Drudes Forderung: „Die Schüler müssen den Mut haben, ins wirkliche Leben einzutreten“ - und das gelinge auch mit einer Ausbildung.

Für Wolfram Adam vom Stadtelternbeirat Marburg steht fest: Die Berufsorientierung findet mittlerweile schon sehr früh statt.

Berufsnachwuchs und Sicherheit im Internet

„Bereits mit sechs oder sieben Jahren wird das Reinschnuppern in Berufe angeboten - aber es kann nicht schaden, das Spektrum der Möglichkeiten kennenzulernen.“ Auch sei es nicht erstrebenswert, einen möglichst hohen Schulabschluss zu erringen, weil es der gesellschaftliche Status verlange.

Eingebettet ist die Aktionswoche in zwei zusätzliche Veranstaltungen: Am Montag, 29. September, findet um 15 Uhr ein Workshop zum Thema Berufsnachwuchs statt. Und am Donnerstag, 2. Oktober, folgt um 16 Uhr ein Informationsangebot für Auszubildende unter dem Titel „Internetsicherheit für junge Leute“ in Zusammenarbeit mit der Polizei.

Weitere Informationen und Anmeldung: Kreishandwerkerschaft Marburg, Telefon 06421/ 95090 oder info@handwerk-mr.de

von Andreas Schmidt

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