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Hinterland Beim praktischen Test fliegen die Späne
Landkreis Hinterland Beim praktischen Test fliegen die Späne
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18:24 05.10.2015
Mit Konzentration stellten sich die jungen Leute dem freiwilligen Eignungstest. Quelle: Klaus Böttcher
Kirchhain

Erst rauchten die Köpfe beim Theorieteil – dann flogen die Späne bei der praktischen Arbeit. So kann der Eignungstest in den Beruflichen Schulen Kirchhain (BSK) überschrieben werden, dem sich drei Mädchen und sieben Jungen stellten.

Veranstalter war die Tischler-Innung Marburg, die neben dem vom Landesfachverband vorgegebenen Theorietest auch einen praktischen Test eingebaut hat. Diese Kombination habe sich in den vergangenen Jahren bewährt, denn aus dem Zertifikat, das die jungen Leute zum Abschluss bekommen, kann der Handwerksmeister bei der Bewerbung einiges ersehen.

Der bereits im dreizehnten Jahr in Folge angebotene Test beinhaltet im theoretischen Teil Rechenaufgaben, die Grundlagenwissen voraussetzen. Aber auch spezielle Aufgaben gehören dazu. Aus einem Wohnungsgrundriss resultierten beispielsweise Textaufgaben zu Flächen- und Längenberechnungen. Aber auch Allgemeinbildung, Rechtschreibung, logisches Denken oder Konzentrationsfähigkeit wurden abgefragt.

„Der Theorietest geht über das rein Schulische heraus und testet die Fähigkeiten, die in der Tischlerei enorm wichtig sind“, sagt Fritz Wolf von der Tischler-Innung. Die bisherige Schulbildung der Teilnehmer war sehr unterschiedlich – sie reichte vom Hauptschüler bis zum Abiturienten.

Sina will nach Studium noch eine Ausbildung machen

Kim Renz aus Gladenbach hat den Hauptschulabschluss und ist schon bei einem Tischlermeister in der Lehre. „Mein Chef wollte sehen, wo ich Schwächen habe, damit ich gefördert werden kann“, erzählt er von seiner Motivation, am Eignungstest teilzunehmen.

Anders dagegen Sina Keul aus Dillenburg. Sie hat sich im Landkreis bei einem Betrieb für eine Tischlerlehre beworben und möchte dazu das Zertifikat des Eignungstests haben. Sie hat bereits die Fachhochschulreife und studierte anfangs Kunstgeschichte, jetzt Agrarwissenschaften. Das Studium möchte sie beenden. „Landwirtschaft und Biologie interessieren mich, aber ich möchte nach dem Studium auch eine handwerkliche Ausbildung absolvieren“, erzählt sie.

Der praktische Teil bestand aus der Anfertigung einer Kreuzüberplattung. Zwei gleich starke und gleich lange Holzteile werden dabei zu einem Kreuz überlappt, wozu von beiden Seiten die halbe Holzdicke weggenommen werden muss. Das geschieht mit Säge, Stechbeitel und Holzhammer.

Beide Seiten sollten nachher glatt und alle Schenkel gleich lang sein sowie im rechten Winkel zueinander stehen. „Die passende Verbindung ist wichtig, die Fugen dürfen nicht zu viel Luft haben“, erklärte Berufsschullehrer Lothar Böttner.

von Klaus Böttcher