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Hinterland Beim Spinnen Schnurren erzählt
Landkreis Hinterland Beim Spinnen Schnurren erzählt
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20:55 02.03.2015
Für einen gelungenen Abend sorgten die Mitglieder der Volkskunstgilde im Regionalmuseum „Hinz Hoob“.Fotos: Peter
Weidenhausen

„Dreh dich, dreh dich Rädchen“, so stellten sich die Mitglieder der Hessischen Volkskunstgilde am vergangenen Freitag den Gästen im Regionalmuseum „Hinz Hoob“ vor und ließen dabei in schmucken Trachten Spinnräder schnurren und Stricknadeln klappern. Fast schien es so, als sei die gute alte Zeit zurückgekommen.

Die „Spinnstube“ stellte sich vor und dies nicht nur als abendlicher Zeitvertreib, sondern auch als Arbeitsstätte für Mägde, die bis 22 Uhr in den Wintermonaten zu spinnen hatten, um danach ihre Freizeit zu genießen. So berichteten Jürgen Homberger und Eckhard Hofmann, die als Sitte und Brauch die „lange Nacht“ des 21. Dezember vorstellten, in der besonders ausgiebig in der Spinnstube bei Kuchen, Wurst, Branntwein und Bier getafelt und gefeiert wurde.

Zu den Mädchen gesellten sich zu später Stunde die jungen Männer, und so manche Beziehung wurde in den „Spinnstuben“ geknüpft. Das Stricken von ein paar Strümpfen erbrachte um 1890 sieben Pfennige. Im Vergleich dazu: Ein Pfund Kaffee kostete damals 70 Pfennige.

Unterlegt mit detailliertem Bildmaterial aus ihrem Fundus spannten Homberger und Hofmann einen Bogen im Jahresverlauf und berichteten auch über die „Foasenoacht“. Dieses fröhliche Treiben ging einher mit dem Einsammeln von Eiern, Kräppeln, Speck und Wurst im Dorf, um diese später gemeinsam in der Wirtschaft zu verspeisen. In vielen Orten wurde der Stroh- oder Erbsbär gebunden. Dieser Brauch werde oft in Zusammenhang mit der Vertreibung des Winters gebracht. Die beiden Referenten stellten diesen Brauch jedoch in Verbindung mit dem „wilden Mann“ vor, der für Unheil, Gottesferne und Teufel stand. Sobald sich der Schnee im Frühling verzog, gingen die jungen Frauen in den „Planzegoarte“. Als bildlicher Hintergrund diente ein Foto junger Frauen, in deren Mitte sich der bärtige „Wozzebacher (Warzenbacher) Förster“ postiert hatte. Auch diese Arbeit diente als Zuverdienst.

Viel Brauchtum rankte um das Osterfest. Angefangen mit dem Abendmahlsgang an Gründonnerstag ganz speziell für ältere Bürger. An Karfreitag trugen die Frauen ihre Tracht stolz Schwarz. Zu den Osterbräuchen gehörten das Vorbereiten des Ostergartens oder Osternestes sowie das Gestalten von Binsen- und Wachs-eiern. In irdenen Gefäßen, ohne ein Wort zu sprechen, wurde am Ostermorgen das Osterwasser geholt, dem heilende Kräfte zugesprochen wurden. Dieses Wasser blieb das Jahr über frisch und faulte nicht. An Palmsonntag erfolgte die Vorstellung der Konfirmanden.

Die Konfirmation am „Weißen Sonntag“ bedeutete einen großen Einschnitt im Leben der jungen Menschen, endete doch deren Schulzeit. Die Mädchen bekamen die „erste komplette stolze Tracht“ und die Jungen ihren Anzug. Zum Pfingstfest wurden die Kirche und Gehöfte mit Maien (Mailaub) geschmückt. Nicht nur einen Einblick in die Jahres- sondern auch die Tagesabläufe erhielten die Zuhörer. Es wurden anhand historischer Fotos der Waschtag, das Bleichen der Wäsche, das Backen im Backhaus und das Heumähen um den Johannistag vorgestellt. Zur Heuernte sollte kleidungsmäßig etwas Neues getragen werden.

Trauer und Abtrauer wurden auch in der schweißtreibenden Jahreszeit in Bezug auf Kleidung eingehalten. Als seltenes Relikt wurde der Ernte-Strohhut, auch „Gaulskopf“ genannt, vorgestellt. Am Michaelistag, dem 29. September ging die ältere Generation zum Abendmahl. Nach der Ernte wurde Kirmes gefeiert, bei der sich oftmals Paare fürs Leben fanden. Zu den Bräuchen der Kirmes gehörte auch das Versteigern der ledigen Mädchen und Frauen. Die ledigen Männer präsentierten sich stolz als Kirmesburschen. Einen Höhepunkt im Jahresverlauf bildete das Weihnachtsfest.

Dazu gehörte der „Chressbaum“ (Besonderheit der Kaiserzeit) und das „Chresskinnche“, das vielerorts „bestellt“ wurde. Am dritten Weihnachtsfeiertag gingen die Mägde und Knechte vom Hof und bekamen ihr „Werk“ (ihren Lohn). Danach folgten die Laustage, auch Raunächte genannt, wiederum verbunden mit Aberglauben und Bräuchen, wozu auch das Schütteln der Obstbäume gehörte. Auf keinen Fall durfte während dieser Tage gewaschen oder genäht werden, bedeutete dies doch den Tod eines Angehörigen.

von Helga Peter

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