Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 13 ° heiter

Navigation:
Die Technik-Revolution bleibt wohl aus

Breitband-Camp Mittelhessen Die Technik-Revolution bleibt wohl aus

Schnelle Daten per Funk? Ein Experte hat in Gießen über Chancen der Technik in der Region Mittelhessen gesprochen.

Voriger Artikel
Autofahrer überschlägt sich mit BMW
Nächster Artikel
Verbindlichkeit ist das Zauberwort

Wie werden Daten übermittelt? Klaus David, Professor für Kommunikationstechnik an der Uni Kassel, erklärte es.

Quelle: Schürmann

Gießen. „Es gibt Stimmen, die sagen, wir brauchen gar kein schnelles Internet per Kabel, das funktioniert ja alles drahtlos. Der Mobilfunkkanal ist aber der schlechteste für Signalübertragung, den man sich vorstellen kann.“ Klaus David, Professor für Kommunikationstechnik an der Universität Kassel, hatte den Teilnehmern beim Breitband-Camp Mittelhessen in Gießen zunächst keine allzu großen Hoffnungen auf ­eine Technikrevolution durch den kommenden Mobilfunkstandard 5G gemacht.

Als Impulsredner der Fach-Veranstaltung des Netzwerks Wirtschaft im Verein Mittelhessen machte der Experte dennoch deutlich, wie die Funkübertragung in Kombination mit der Glasfasertechnik beim Internet-Ausbau Sinn ergibt – und welche neuen Möglichkeiten sich dadurch für Kommunen und Unternehmen ergeben. Nach der Begrüßung durch Lars Witteck, Vorstandsmitglied des Gastgebers, hatten zunächst zwei weitere Fachleute über den Stand und Visionen des Breitband-Ausbaus in Hessen und Mittelhessen berichtet.

Verfügbarkeit von Frequenzen ist der Maßstab

In Hessen seien zu diesem Zeitpunkt 90 Prozent der Haushalte mit einer Geschwindigkeit von mindestens 30 MBit versorgt, sagte Wolfram Koch, Leiter des hessischen Breitbandbüros bei der Hessen Trade & Invest GmbH. Nächstes Ziel sei nun die „Gigabit-Allianz“, die beim hessischen Breitbandgipfel am 6. Juni vorgestellt werde.

Bestimmendes Thema der Veranstaltung war aber der kommende Mobilfunkstandard 5G, dessen Einführung Verkehrsminister Alexander Dobrindt, (CSU) für 2020 angekündigt hat. Wie genau dieser Start aussehen werde, sei aber noch unklar, wie David verdeutlichte.

Wichtig für den Ausbau sei die Verfügbarkeit von Frequenzen. Bisher seien diese von der Regulierungsbehörde noch nicht vergeben worden. Der Kommunikationstechnik-Experte machte zudem keinen Hehl daraus, dass er der neuen Technik den revolutionären Charakter abspricht: 5G biete „nicht wirklich etwas Neues“ und schon gar keinen Ersatz für die Glasfasertechnik. Und: „Was für eine Anwendung hat man, die mehr als 10 MBit braucht?“

Funk bietet nur 
schwankende Qualität

Für den Forscher ist die Lichtfasertechnik der „optimale Kanal für Signalübertragungen“, denn das Mobilnetz sei per se nicht stabil: „Funk schwankt aus physikalischen Gründen.“

Dennoch sieht David auch die Chancen des schnellen mobilen Internets: Ein mögliches Anwendungsgebiet sei die Vernetzung im Straßenverkehr, um zum Beispiel Staus umfahren zu können. Ein weiteres Szenario sei das Internet der Dinge. „Das kann ganz banal sein: Ein Mülleimer teilt der Stadt mit, wenn er voll ist und geleert werden muss.“ Dabei „erschlage“ 5G zwar jedes Vernetzungsproblem mit seinen Bandbreiten, bleibe dabei aber eine Funk-gestützte Lösung mit den bekannten Schwächen, deren Geschwindigkeitsversprechen zudem oft mehr vom Marketing als von der Realität getragen werden.

Laut David ermögliche sie aber verschiedene Ideen für Innovationen: So zum Beispiel die Kommunikation mobiler Geräte bis hin zu Autos unter- und miteinander. „Ihr Auto weiß schon, dass es sich staut, wenn Sie das noch gar nicht sehen.“ Die Entwicklung bremsen könne gerade das sich ausbreitende WLAN: Es sorge dafür, dass das Geschäft „an den Providern vorbei“ ginge, zudem solle trotz 5G auch der derzeitige LTE (4G)-Standard weiterentwickelt und auf Gigabit-Geschwindigkeit beschleunigt werden.

Unternehmen bekommen Konkurrenz aus dem Netz

In der Kombination von Glasfaser- und 5G-Technologie sieht der Fachmann das größte Potenzial: David empfiehlt der Region und ihren Kommunen, sich mit Unternehmen und Regulierern zusammenzuschließen, um mithilfe der Funktechnik nicht gut erschlossene Bereiche anzubinden. Das Regionalmanagement als verbindender und vermittelnder Partner stehe dazu bereit, erklärte Geschäftsführer Jens Ihle.

Die zunehmende Digitalisierung müsse aus Sicht von Professor David weitere Auswirkungen haben, Unternehmen rät er, sich gegen Konkurrenz aus dem Netz zu wappnen, indem sie Prozesse und Arbeitsweisen in ihren Betrieben und im Außendienst modernisieren. Für die Gesellschaft forderte der Wissenschaftler, Informatik viel stärker an die Schulen zu bringen. Auch sei es nötig, bei der Entwicklung von neuen Diensten stärker auf die Lebensweise der Menschen einzugehen. Man könne hier von der Denkweise von Startups lernen.

Als Beispiel nannte David den Elektroauto-Hersteller Tesla: Deren Fahrzeuge lernen von ihrem Nutzer und legten, wenn ihr Akku leer ist, automatisch einen Zwischenstopp beim Lieblingsort des Fahrers ein.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr