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Bei erster Mahd sterben viele Wildtiere

Tipps von Fachleuten Bei erster Mahd sterben viele Wildtiere

In diesen Wochen verwandeln zahlreiche Wildtiere die Wiesen in eine große Kinderstube. Beim Mähen des Grases sterben alleine in Hessen viele Tausend dieser Tiere einen grausamen Tod.

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Rehkitze sollte man auf keinen Fall mit bloßen Händen anfassen. Ihre Mütter könnten sie verstoßen.

Quelle: Ralf Huckriede

Gladenbach. Im dichten und hohen Gras tummelt sich der Nachwuchs von Rot- und Rehwild, aber auch von Feldhasen, Fasanen und Rebhühnern. „Im schnell wachsenden Gras lassen sie die Eltern gerne zurück, weil sie dort geschützt sind“, erklärt Volker Klingelhöfer, Pressesprecher der Jägervereinigung Hinterland.

Mit der ersten Mahd geht nicht nur dieser Schutzraum verloren: Viele Jungtiere fallen den scharfen Messern der Mähwerke zum Opfer.

Die Traktoren werden immer schneller, manche sind teilweise mit zwei, ja sogar drei Kreiselmähern ausgestattet. Mehrere tausend Opfer seien es alleine jedes Jahr in Hessen, weiß Klingelhöfer. Die Deutsche Wildtierstiftung geht von bundesweit 500 000 Tieren aus, die jährlich den Mähtod sterben.

„Die Natur hat die Jungtiere darauf programmiert, bei Störungen zu verharren, was eigentlich auch richtig ist.“ Tarnfarbe und Geruchlosigkeit machten sie weitgehend unsichtbar. Wenn aber der Kreiselmäher darüber hinweggehe, werde das eigentlich richtige Verhalten zur Gefahr, berichtet der Pressesprecher.

Um möglichst viele Jungtiere vor dem Mäh-Tod oder grausamen Verletzungen zu bewahren, machen Jäger und Landwirte gemeinsame Sache: „Wir bitten die ortsansässigen Bauern, frühzeitig über Mähtermine zu informieren“, erläutert Klingelhöfer. Die Jäger haben dann Gelegenheit, am Abend vor der Mahd Wildscheuchen aufzustellen oder frühmorgens die Wiesen mit so genannten Infradetektoren oder ihren Jagdhunden abzusuchen und die Jungtiere fachgerecht in Sicherheit zu bringen.

Der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) gibt weitere Tipps: So können laute Geräusche aus dem Kofferradio blinkende Lichter oder ein Wecker die Tiere vertreiben. Wildscheuchen, die im Wind rascheln und das Sonnenlicht reflektieren, haben den gleichen Effekt.

Mäh-Technik eröffnet Fluchtmöglichkeiten

Wenn Spaziergänger auf solche Jungtiere stoßen würden, dann sollten sie diese auf keinen Fall anfassen oder gar mitnehmen, warnt Klingelhöfer. Der den Händen anhaftende Schweiß kann dazu führen, dass die Mutter ihr Kind verstößt. Mit der Zuhilfenahme von Grasbüscheln lässt sich die Geruchsübertragung vermeiden. Im Zweifelsfall sollte immer ein Jäger informiert werden.

Klingelhöfer rät den Landwirten, beim Mähen so genante Wildretter einzusetzen. Diese rechenartigen Gebilde sollen das Jungwild veranlassen, rechtzeitig vor dem Mähwerk zu flüchten.

Karl Leinbach, Vorsitzender der Jägervereinigung Hinterland, weist darauf hin, dass Landwirte dem Wild ohne großen Aufwand mithilfe einer anderen Mähtechnik Fluchtmöglichkeiten ermöglichen können: Die Wiesen sollten von innen nach außen gemäht werden. Volker Klingelhöfer ergänzt, auf diese Weise würden die Tiere nicht eingekreist. Sie bevorzugten es, durch das hohe Gras zu flüchten.

„Sie scheuen sich nämlich, frisch gemähte, freie Flächen zu betreten“, erklärt der Pressesprecher.

Die Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten sei komplizierter geworden, bedauert Leinbach. Denn viele Wiesen seien verpachtet und die sie bewirtschaftenden Bauern lebten oft nicht im Dorf. Gleichwohl sollte dies kein Hindernis sein, die Hilfe von Jägern in Anspruch zu nehmen, sagt er.

Mahd-Termine spielen für Landwirte wichtige Rolle

Die Wiesen erst dann zu mähen, wenn die Jungtiere in ihnen keinen Unterschlupf mehr suchen, wie es die Wildtierstiftung wünscht, ist für die meisten Landwirte nicht praktikabel. Das bestätigt Paul Neubauer Fachdienstleiter für Landwirtschaft in der Abteilung Ländlicher Raum bei der Kreisverwaltung in Marburg.

Vor allem der Energiegehalt des Futters und auch das Wetter spielten für den richtigen Mahd-Termin die entscheidende Rolle.

Werde etwa das Heu zu spät gemäht und sei schon holzig, dann sei es für Milchkühe nicht mehr geeignet und könne allenfalls etwa noch bei der Mutterkuh- oder bei noch späterem Schnitt bei Pferdehaltung verfüttert werden. Programme und Zuschüsse, bei denen auch Mahd-Termine eine Rolle spielten, gebe es lediglich für extensive Nutzung von Grasland. Dann würden Termine vorgegeben, die aber auf die Pflanzenwelt abgestimmt seien, erklärt der Experte.

Für solche Förderprogramme kämen im Regelfall nur ausgesuchte Standorte in Frage.

von Hartmut Berge

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