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Hinterland Bausteine gegen den Fachkräftemangel
Landkreis Hinterland Bausteine gegen den Fachkräftemangel
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20:08 05.08.2012
Marburg

Weniger Ausbildungsbetriebe, mehr Ausbildungsstellen und eine Weiterbildungsquote in Hessen von 27,4 Prozent - das sind die Ergebnisse des IAB-Betriebspanels Hessen zur Aus- und Weiterbildungssituation im Land.

Die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen hat sich demnach trotz sinkender Ausbildungsbeteiligung der Betriebe und einer rückläufigen Ausbildungsquote deutlich erhöht. Der Zuwachs binnen Jahresfrist betrug rund 9000 angebotene Lehrstellen. Gleichzeitig ging die Zahl der in Hessen beschäftigten Auszubildenden im zweiten Jahr in Folge zurück - und zwar um 2,6 Prozent. Die Zahl der unbesetzten Stellen blieb mit 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr konstant.

Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, sieht in der gestiegenen Übernahmebereitschaft bestätigt, dass immer mehr Betriebe den eigenen Nachwuchs als wichtigen Schlüssel zur zukünftigen Fachkräftesicherung erkennen und sich für die eigene Ausbildung im Betrieb entscheiden. Probleme, Auszubildende zu finden, hatten laut den Ergebnissen des Betriebspanels Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern. Dort blieb etwa ein Viertel der Stellen unbesetzt.

Dennoch bieten sich aktuell den frisch Ausgelernten beste Möglichkeiten für eine Übernahme nach der Lehre: Noch nie waren in der zehnjährigen Panelbeobachtung die Chancen für junge Menschen besser, nach einer erfolgreichen Ausbildung im eigenen Ausbildungsbetrieb weiterbeschäftigt zu werden. Die Übernahmequote erhöhte sich sprunghaft auf 67 Prozent, was einem Zuwachs von neun Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Einen höheren Stellenwert als die betriebliche Ausbildung hat bei der Fachkräftesicherung für die hessischen Unternehmen nur die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter. Mehr als 47 Prozent, und damit fast die Hälfte der befragten Betriebe, die Probleme bei der zukünftigen Stellenbesetzung erwarten, setzt auf die Förderung und Schulung des eigenen Personals. Weiterbildung ist damit laut IAB-Betriebspanel die bedeutsamste betriebliche Strategie zur Fachkräftesicherung.

Rund 59 Prozent aller hessischen Unternehmen förderten demnach Weiterbildungen, indem sie die Beschäftigten dafür freistellten oder die Schulung finanzierten. Das ist ein Plus von zwölf Prozentpunkten innerhalb der vergangenen beiden Jahre. Legt man die Entwicklung seit Beginn des Jahrzehnts zugrunde, ist der Anteil der weiterbildenden Betriebe in Hessen sogar um 20 Prozentpunkte gewachsen.

Auch die Weiterbildungsquote hat sich damit erneut erhöht. Sie liegt jetzt bei 27,4 Prozent und damit rund drei Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Damit wurde außerdem die höchste Weiterbildungsquote seit Beginn der Panelbeobachtung in Hessen vor zehn Jahren erreicht.

„Die Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter ist einer der wirksamsten Beiträge zur Sicherung des Fachkräftebedarfs. Das hessische Wirtschaftsministerium unterstützt dies mit passgenauen Programmen“, sagte Wirtschaftsminister Florian Rentsch bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen.

von Katharina Kaufmann