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Hinterland Baumann bereut seine Äußerungen
Landkreis Hinterland Baumann bereut seine Äußerungen
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13:40 13.04.2017
In Gladenbach demonstrierten Ende März 300 Menschen gegen einen Auftritt von AfD-Chefin Frauke Petry im „Haus des Gastes“ – und gegen Ausländerfeindlichkeit. Im Gespräch mit einer Demonstrantin traf Rolf Baumann (CDU) ausländerfeindliche Aussagen. Quelle: Nadine Weigel
Gladenbach

Rolf Baumann (CDU) hat gestern in einem Pressegespräch Stellung zu den ausländerfeindlichen Aussagen bezogen, die er im Umfeld der AfD-Wahlkampfveranstaltung Ende März gegenüber einem Videojournalisten getätigt hatte. Seit einigen Tagen ist das Video im Internet zu sehen. „Ich war entsetzt über mich selbst“, sagte Baumann und entschuldigte sich für seine Aussagen.

Das Video

Baumann ist Mitglied im Magistrat und Geschäftsführer der Stadtmarketing-Gesellschaft SEB. In letzterer Funktion sei er auch vor Ort gewesen, um nach dem Rechten zu schauen. Im Video ist zu sehen, wie der 81-Jährige mit einer jungen Frau spricht, die vor dem Haus des Gastes gegen die Veranstaltung demonstriert. „Ich brauch’ keine Ausländer hier“, sagt Baumann. Der Videojournalist stellt ihn zur Rede und fragt nach, warum er das gesagt hat. „Weil ich wirklich keine Ausländer mag“, antwortet Baumann und ergänzt, „keine, ob das Türken sind oder alles, wir brauchen die hier alle nicht“.

Rolf Baumann (CDU). Foto: Philipp Lauer

Anderthalb Wochen nach der Veranstaltung erklärt Baumann, er habe sich in der Situation von den Fragen der Demonstrantin und des Journalisten „überrumpelt“ und „überfallen“ gefühlt. Sich so zu äußern sei eigentlich nicht seine Art, er habe „ewig mit Ausländern zusammen gearbeitet“ und sei „mit Ausländern groß geworden“.

Zu seiner Haltung erklärte er, „wir brauchen wieder Leute hier“ und er komme „mit vielen sehr gut zurecht“. Dass er mit seinen Aussagen einen Fehler gemacht hat, sei ihm sofort bewusst gewesen. Anderthalb Wochen nach der Veranstaltung - bei seiner Entschuldigung - ist Baumann die Situation sichtlich unangenehm. Er weicht in rhetorische Fragen aus. „Wer sagt nicht mal irgendwie Blödsinn?“

Außerdem sei ihm nicht bewusst gewesen, dass das Video überall zu sehen und seine Äußerungen nachzulesen sein würden. Im Stadtparlament wolle er sich nicht für seine Aussagen erklären, für den Magistrat spreche der Bürgermeister. Peter Kremer (parteilos) ergänzte, wenn die Stadtverordneten etwas fragen, würden sie auch eine Antwort bekommen. Kremer hatte auf Bitte von Baumann zum Gespräch eingeladen und sich weitgehend im Hintergrund gehalten. Zur Sache selbst wollte Kremer nichts sagen.

von Philipp Lauer