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Bahnhof bietet Platz für Ausflugslokal und Museen

Investor gesucht Bahnhof bietet Platz für Ausflugslokal und Museen

Gladenbachs Bahnhof erwacht aus dem Dornröschenschlaf. Experten sind sich einig: Das Gebäude eignet sich ideal für einen Gastronomiebetrieb.

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Ein ungewohnter Blick: Mitarbeiter des Bauhofs haben die der Stadt zugewandte Freifläche vor dem Bahngelände von hohen Büschen und dichtem Gestrüpp befreit und das Gebäude vor unbefugtem Betreten gesichert.Fotos: Hartmut Berge

Gladenbach. Das altehrwürdige, denkmalgeschützte Gebäude hat bereits eine gastronomische Vergangenheit: Bis 1984 - hundert Jahre nach der Inbetriebnahme des Streckenabschnitts Niederwalgern-Weidenhausen - gab es darin eine Bahnhofsgaststätte. Doch dann fand sich niemand mehr, der sie betreiben wollte. Der Grund: Neben dem Güterverkehr ging auch die Personenbeförderung sehr stark zurück, vom lange Zeit florierenden Fremden- und Ausflugsverkehr ganz zu schweigen. Fahrgäste blieben aus. Zudem lag die Gaststätte zu weit weg vom Stadtzentrum und wurde auch deshalb immer seltener von Gladenbachern besucht.

Auf dem Abschnitt Hartenrod- Niederwalgern fuhr 1995 der letzte Zug, die Strecke ist längst stillgelegt. Danach gab es eine Reihe von Versuchen, das Gebäude einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, sie scheiterten.

2001 stritten sich Gladenbachs SPD und CDU, wer in der Sache mehr Initiativen ergreife. Die Union lud Landrat Robert Fischbach zu einem Ortstermin an den Bahnhof und trug ihre Idee vor, aus dem Gebäude ein „Haus der Begegnung“ zu machen, das auch von Vereinen genutzt und betrieben werden könnte.

Damals verhandelten die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden an der Bahnstrecke Niederwalgern - Herborn zunächst gemeinsam mit der Bahn, über den Ankauf sämtlichen Bahngeländes, um unter anderem bessere Preise zu erzielen.

Kritisiert wurde damals, dass es unabhängig davon doch möglich sein müsse, über ein Gebäude wie den Bahnhof in Gladenbach separat zu verhandeln. Der Stadtverordnete Helmut Wild, seit Anfang der 1990-er Jahre im Besitz des Weidenhäuser Bahnhofs, berichtete, wie er zu dem Gebäude kam: Die Stadt habe ihr Vorkaufsrecht genutzt, einen guten Preis erzielt und das Gelände an interessierte Unternehmen verkauft. Die Substanz des Rohbaus sei gut. Das treffe vermutlich auch für den Bahnhof in Gladenbach zu, sagte er damals.

Vereine könnten Kostenfür Umbau nicht schultern

Davon konnten sich vor dreieinhalb Jahren Vertreter einer Reihe von Gladenbacher Vereinen überzeugen. Sie vereinte alle das gleiche Unternehmen: die Suche nach geeigneten Übungsräumen. Doch schnell war klar, dass die Vereine nicht alleine in der Lage sein würden, die damit verbundenen enormen Investitionen zu schultern.

„Darüber hinaus wäre es sehr schwer geworden, die vorhandenen Räume so aufzuteilen, dass jeder zufrieden gewesen wäre“, erinnert sich Marion Lange, Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins Amt Blankenstein.

Inzwischen haben alle Anlieger-Kommunen ihr betreffendes Gelände nach direkter Verhandlung mit der Bahn erworben - auch die Stadt Gladenbach. Nun wird das Gladenbacher Bahnhofsgelände neu beplant, ein großer Teil soll in gewerbliche Baufläche umgewandelt werden.

Vorangetrieben wird nun auch ein weiteres Projekt: der Bau einer neuen Zu- und Abfahrt zum Weso-Werksgelände. Die liegt zurzeit in einer unübersichtlichen Kurve an der stark befahrenen Bundesstraße 255. Mit der Weso-Geschäftsleitung hätten Gespräche stattgefunden, bestätigt Bauamtsleiter Ulrich Weber und ergänzt: „Was wir vorgestellt haben, ist auf offene Ohren gestoßen.“ Über die Möglichkeiten, das Werksgelände sicherer an die Bundesstraße anzubinden, wird seit vielen Jahren diskutiert. Seit Fertigstellung der Jakob-Heuser-Straße als „Baustraße“ machten sich Erdhausens Ortsbeirat und Gladenbacher Kommunalpolitiker Gedanken über dieses Thema, das zeitweilig zum Streit-Thema wurde. Alle Anbindungsvorschläge hatten einen Nachteil: Die Zu- und Abfahrt zur Jakob-Heuser-Straße würde mehr oder weniger steil ausfallen und im Winter für Lastwagen zum schwer überwindbaren Hindernis. „Es macht keinen Sinn, eine Zufahrt zu bauen, die nicht genutzt wird“, sagt Ulrich zu den alten Plänen, die inzwischen ad acta gelegt wurden. Auf Interesse stößt bei allen Beteiligten hingegen eine ganz neue Variante: Die Anbindung würde von der Einmündung der Straße „Auf dem Würtenberg“ auf die Jakob-Heuser-Straße in einer großen Rechtskurve auf den Wirtschaftsweg führen, der unterhalb des Bahngeländes auf Weso zuläuft. „So durchschneiden wir uns nicht das Bahngelände und erschließen gleichzeitig das neue Gewerbegebiet. erklärt Weber und ergänzt, dass diese mögliche Zuwegung mit in den neuen Bebauungsplan einfließe.

Wenn es die Witterung wieder zulässt wird der erste Abschnitt der Jakob-Heuser-Straße von der Anbindung an die Bundesstraße 255 bis zur Straße „Auf dem Würtenberg“ fertiggestellt. Der Ausbau des zweiten, kürzeren Abschnitts bis zur Bahnhofstraße soll unmittelbar folgen. Um den Engpass gegenüber dem Bahnhofsgebäude verbreitern zu können, muss ein Teil des dem Bahnhof vorgelagerten Geländes hinzugenommen werden. Gegenüberliegend gibt es eine kleine fast in Vergessenheit geratene Parkfläche, die ebenfalls der Bahn gehörte. „Auch dort werden wir ein kleines Stück wegnehmen um die Kurve mehr abzurunden“, kündigt der Bauamtsleiter an. Der Rest der Grünfläche bleibe erhalten, es sei denn es finde sich dafür eine andere sinnvolle Verwendung, sagt er.

Radwanderweg istnicht weit entfernt

In diesen Tagen beschäftigt sich Ulrich Weber auch mit der Zukunft des Bahnhofgebäudes.

Vor allem der nahe gelegene und stark frequentierte Radwanderweg bringen den Bahnhof wieder als Standort für einen Gastronomiebetrieb ins Gespräch. Ideen gebe es zur Genüge, versichert der Bauamtsleiter. Restaurant, Gaststätte, Ausflugslokal, vieles sei denkbar. Im Gebäude gebe es auch genügend Platz für Museen und Ausstellungen wie etwa zur Eisenbahngeschichte oder den Mühlen im Salzbödetal. Und einen möglichen Gastronomiebetrieb betreffend biete das Gebäude ja auch noch seine dem Süden zugewandte und zur Wohnbebauung abgeschottete „Schokoladenseite“, „ein idealer Platz für einen Biergarten“, betont Ulrich Weber.

von Hartmut Berge

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