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Hinterland Bad Endbach bejaht den Kompromiss
Landkreis Hinterland Bad Endbach bejaht den Kompromiss
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Rund 80 Zuhörer verfolgten am Montagabend die Beschlussfassung der Bad Endbacher Gemeindevertreter zum Mediations-­Kompromiss über den Bau der Windkraftanlagen auf dem Hilsberg.Foto: Gianfranco Fain Quelle: Gianfranco Fain
Bad Endbach

Ohne Abstimmung nahmen die Parlamentarier der Gemeinde Bad Endbach am Montagabend den Kompromiss aus der fünften und letzten Mediationsrunde am Samstagnachmittag zustimmend zur Kenntnis. Somit wird der Gemeindevorstand den erarbeiteten Kompromiss weiter verfolgen. Es müssen allerdings noch die an der Mediation beteiligten Parteien, die Bürgerinitia­tive (BI) Holzhausen (Dautphetal) und die Interessengemeinschaft (IG) Pro Natur Steinperf (Steffenberg) bis zum 2. April erklären, ob sie ebenfalls zustimmen.

Der unter der Führung von Mediator Friedrich Bohl erarbeitete Vorschlag sieht zwei Varianten vor: In beiden Fällen würde die Gemeinde Bad Endbach auf die Aufstellung eines der zuletzt fünf geplanten Windräder verzichten. Somit entfällt der Standort 3 – das ist dort, wo die alten Buchen stehen. Die möglichen Standort-Varianten lauten somit 2 + 4 + 5 + 6 und falls 4 nicht realisiert werden kann1 + 2 + 5 + 6.

Die Gemeindevertreter hatten bereits im vergangenen Jahr einstimmig beschlossen, auf dem Hilsberg im Grenzgebiet zu den Gemeinden Dautphetal und Steffenberg bis zu 7 Windkraftanlagen zu errichten. Gegen die Pläne regte sich Anfang Januar der erste ernsthafte Widerstand, der zur Gründung der BI Holzhausen führte. Später schloss sich die IG Steinperf dem Protest an.

Direkt im Anschluss an die Sitzung kündigte Wulf Hahn, Berater der BI Holzhausen, an, dass nach ihren Informationen noch in dieser Woche, wenn nicht gar heute, mit den Rodungsarbeiten am Hilsberg begonnen werden soll. Das sieht die BI als Bruch der Vereinbarung an und würde dann sofort mit einer Einstweiligen Verfügung versuchen, die Rodung zu stoppen.

Hintergrund: Nach Ansicht des Nabu gibt es im Waldgebiet auf dem Hilsberg nicht nur die Brutstätte eines Rotmilans, bei dem schon Balzflüge festgestellt worden sind, sondern es sei auch ein Haselhuhn gesichtet worden, was das gesamte Gebiet laut Hahn zum Vogelschutzgebiet machen würde.

Hahn spekuliert, dass noch vor dem 2. April mit der Rodung der Bäume am Hilsberg begonnen werden soll, weil man der BI nicht umfänglich Akteneinsicht gewährt hat. Die BI Holzhausen will am Mittwoch ihre Position zum Kompromiss bekanntgeben und bis Samstag eine Versammlung der 1300 Mitglieder einberufen, um über das weitere Vorgehen abstimmen zu lassen.

Dieter Domke, Erster Beigeordneter, bezeichnete den Verzicht auf ein Windrad zwar als „bittere Pille“, warnte aber bei einem Abweichen von dem Vorschlag vor einem Klageverfahren, dessen Ausgang ungewiss ist. „Der Kompromiss verlangt uns und der BI einiges ab, aber die Annahme könnte die Lösung des Konfliktes bedeuten“, sagte Domke. Somit würde das nachbarschaftliche Verhältnis nicht jahrelang belastet werden. Er geht davon aus, dass bei einer Ablehnung des Kompromisses die BI mit Sicherheit klagen würde.

Der Verzicht auf ein Windrad bedeutet für die Gemeinde einen Verlust von jährlich 150000 Euro über die gesamte Betriebsdauer von 20 Jahren des Windparks. Ein alternativer Standort 8a am Scheid in Bottenhorn ist nach Auffassung von Bauamtsleiter Thomas Reuter nicht zu empfehlen, da die Anlage im Windschatten der bestehenden beiden Anlagen stehen würde.

Die Vertragsunterzeichnung für den Kauf der fünf Windräder erfolgte am 7. Januar 2012. Aufgestellt werden sollen nur vier Enercon E 101-Windräder mit einer Nabenhöhe von 134 Metern. Der erwartete Ertrag von knapp 15 Millionen Euro würde sich innerhalb von 20 Jahren um 3 Millionen Euro reduzieren.

von Gianfranco Fain und Silke Pfeifer-Sternke