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Frohnhäuser wollen Tradition bewahren

Backhaus reaktiviert Frohnhäuser wollen Tradition bewahren

Das Frohnhäuser Backhausfest und die dort servierten Leckereien sind – im wahrsten Sinne des Worts – in aller Munde. Weniger bekannt sind die anderen Aktivitäten der Gymnastikdamen.

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Beim jüngsten Brotbacken führten Annelie Preisig, Elisabeth Burk und Susanne Ritter-Ronzheimer Regie. Hier holen sie die fertig ­gebackenen Brote für den Basar in der Kinderklinik aus dem Ofen.

Quelle: Ingrid Lang

Frohnhausen. 1993 war das Frohnhäuser Backhaus zum damaligen Dorffest wieder hergerichtet worden und es konnte dort wieder Brot gebacken werden. Seither veranstaltet die Damengymnastik-Gruppe das traditionelle Backhausfest, das weit über die Grenzen Frohnhausens bekannt ist. Einmal im Jahr backen einige Frauen der Gymnastikgruppe Brot für den Basar in der Kinderklinik in Marburg, während andere Handarbeiten anfertigen.

Sieht gut aus und schmeckt gut: das Frohnhäuser Backhausbrot.

Quelle: Ingrid Lang

Auf die Idee, den Basar zu ­unterstützen, kam eine Frau, die damals in Frohnhausen wohnte und von einem an Krebs erkrankten Kind aus ihrem Heimatdorf berichtete. Die Frauen erklärten sich sofort bereit, einen Beitrag zu leisten. Mittlerweile gibt es 19 fleißige Helferinnen, die für den Basar auch Strümpfe und Mützen stricken, Weihnachts­glocken als Baumschmuck fertigen und Gelee kochen, sowie das Brotbackteam.

Elisabeth Burk wiegt den Brotteig ab.

Quelle: Ingrid Lang

Das erste große Backen fand während des Dorffestes statt, das im Zuge der Dorferneuerung 1991 gefeiert wurde. Damals habe das Gebäude einen neuen Anstrich erhalten, berichtet Ortsvorsteher ­Reinhold Koch. In dem Haus hatten die Frohnhäuser 1949 in Eigen­leistung einen Backofen eingerichtet. Seit dem Dorffest wurde immer an besonderen Tagen Brot, aber auch Kuchen, unter der Leitung der Landfrauen um Christa Benner gebacken.

Vor dem jüngsten Backtermin waren die Frauen der Gymnastikgruppe im Wald unterwegs, um Reisig zu sammeln sowie ­dickere Stangen, die zum Anheizen des Backofens benötigt werden.

Teigmaschine ist eine große Erleichterung

Unterstützt wurden sie dabei von einigen Männern, zu denen Armin Burk zählt. Beim Brotbacken führten Elisabeth Burk, Annelie Preisig und Susanne Ritter-Ronz­heimer ­Regie. Zunächst mit Reisig, dann mit größeren Holzstücken ­wurde der Backofen auf die nötige Temperatur gebracht. Während Susanne das Feuer genauestens beobachtete und weiteres Holz hineingab, setzte Annelie in der Brotmaschine den Teig für die Backhausbrote an. Dazu wurden etwa 20 Kilogramm Roggen­mehl sowie ein Kilogramm Sauerteig, den sich die Helfer immer vom letzten Brotbacken einfrieren, in die Brotmaschine gegeben und leicht durchgeknetet.

Dann gab Annelie Wasser, Salz und etwas Hefe hinzu und die Maschine knetete den schweren Roggenteig durch. Eine große Erleichterung ist die Anschaffung der Teigmaschine, die aus der früheren Bäckerei Heinz in Gladenbach stammt. Das Kneten des Teiges mit der Hand sei anstrengend, berichten die ­Bäckerinnen. Nachdem der Backofen gut angeheizt war, wurde noch einmal Holz aufgelegt, um die Wärme im Ofen über Nacht zu halten.

Susanne Ritter-Ronzheimer formt runde Laibe.

Quelle: Ingrid Lang

Der in der großen Rührschüssel gut durchgeknetete Teig wurde mithilfe eines kleinen Heizgerätes leicht warm gehalten, sodass er zwölf Stunden bis zum nächsten Morgen gehen konnte. Über Nacht vermehren sich die Milchsäurebakterien so stark, dass sie den Brotteig durchsäuern und der Teig um das Doppelte und mehr aufgeht.

Bereits am frühen Morgen des folgenden Tages waren die Frauen wieder im Einsatz, heizten den Backofen auf 320 Grad an und kneteten den Teig mit den restlichen zehn Kilogramm Mehl nochmals durch.

Teig reicht für 47 runde Brote

Danach muss er erneut für eine Stunde ruhen. Oft kommen in der Zwischenzeit Freunde oder Bekannte vorbei, die Kaffee, Tee und auch etwas zum Essen mitbringen. Dann wird in der Backstube geklönt und immer wieder wird gelacht.

Das Brotbacken macht allen sichtlich Spaß. Wenn die nötige Temperatur erreicht ist, wird die Glut entfernt. Am Vormittag hatten die Bäckerinnen den Kratzer, auch im Dialekt „Kiss“ genannt, und den Brotschießer, genannt „Heller“, gewässert, damit die hölzernen Hilfsmittel kein Feuer fangen. Elisabeth nahm den Teig aus der Maschine und wog 1300-Gramm-Teiglinge ab. Daraus kneteten und formten Susanne und Annelie runde Formen, die sie oben zweimal mit einem Messer einritzten. Auf bemehlten Brettern musste der Teig eine weitere Stunde gehen. Inzwischen wurde der Backofen mit nassen Kartoffelsäcken ausgewaschen. Die Teige wurden in den etwa 280 Grad heißen Ofen geschossen.

Annelie Preisig legt die geformten Brotteiglinge ins Regal.

Annelie Preisig legt die geformten Brotteiglinge ins Regal.

Quelle: Ingrid Lang

Auch Susanne macht das Brotbacken viel Spaß, sie möchte diese alte Tradition bewahren und sie auch Kindern näher bringen. Jedes Brot schoss sie mit dem Heller schnell in den Ofen hinein. Neben den 47 Broten war noch Platz für einige Brötchen.

Wieder mussten die Frauen warten, sie kontrollierten zwischenzeitlich die Farbe der Brote. Dann wurden die fertig gebackenen Brote mit dem Heller herausgeholt und mit Salzwasser bestrichen.
Für weitere fünf Minuten kamen sie dann noch einmal in den Backofen. Die fertigen Brote wurden herausgeholt und kühlten auf einem Regal ab, bevor sie in einen Behälter kamen und Karl-Heinz Weber sie auf die Lahnberge ­transportierte, wo sie beim Basar wieder reißenden Absatz fanden.

Der Kiss und auch der Heller wurden von der Schreinerei Reinhold Merte vor einigen Jahren angefertigt und werden dort immer wieder nachgearbeitet. Im Sommer wurde mit Ferienpassteilnehmern Brot gebacken und dabei hatten die Kinder mit ihren Betreuern sehr viel Spaß. Neben den Broten werden in dem Backhaus auch Pizzen und Haxen gebacken. Nicht nur die Frohnhäuser freuen sich jetzt schon auf das nächste Backhausfest.

von Ingrid Lang

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