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"BID"-Kennzeichen soll schnell kommen

Kennzeichen "BID"-Kennzeichen soll schnell kommen

Professor Ralf Bochert, der Kopf hinter der "Initiative Kennzeichenliberalisierung", war gestern zu Gast in Biedenkopf. Im Rathaus musste er für das Kürzel "BID" wenig Überzeugungsarbeit leisten.

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Der Fachbereichsleiter Erhard Schmidt (Zentrale Dienste), Ralf Bochert und Joachim Thiemig testen schon einmal, wie sich das neue Kennzeichen am Dienstwagen des Bürgermeisters machen würde. Foto: Carsten Müller

Biedenkopf . Der Wissenschaftler Ralf Bochert aus Heilbronn sagt selbst, dass es ein „kleines Thema“ sei - aber er betont, es sei eines mit Charme. Dass er in Biedenkopf auf offene Ohren stieß liegt daran, dass Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) auf einen entsprechenden Antrag der Stadtverordneten verweisen konnte, der bereits 2011 den Magistrat beauftragte, alle nötigen Schritte einzuleiten.

Und auch Thiemig selbst schwärmte von einem Stück „regionaler Identifikation“, von hohem Wiedererkennungswert und von einem „gestärkten Zusammengehörigkeitsgefühl“. Das alles brächte das neue Nummernschild mit, das auch als ein für die Stadt „kostenloses Marketingsymbol“ gesehen werden könne.

Ralf Bochert, der einen Lehrstuhl für Volkswirtschaft und Tourismusmanagement innehat, stellte in Biedenkopf noch einmal seine Zahlen vor. Über 40000 Menschen in 176 deutschen Städten seien in den vergangenen zwei Jahren befragt worden. Die Idee, zu ihrem jeweiligen Altkennzeichen zurückzukehren, hätten etwa zwei Drittel der in Westdeutschland Befragten begrüßt - und zwar auch und gerade die Jüngeren.

In Biedenkopf selbst wurde keine Umfrage gemacht, doch Bochert verweist auf die Erfahrungen beispielsweise in Wetzlar, die den Trend seiner Erhebungen bestätigten. In Wetzlar gibt es seit Juli die Möglichkeit, wieder das alte WZ-Kennzeichen zu benutzen.

Schon mehr als 4000-mal wurde es seitdem ausgegeben - nicht nur für neue Autos, sondern auch, weil viele Wetzlarer von LDK auf WZ umsteigen wollten.

Professor Bochert sieht die Kennzeichen-Frage auch als „regionales Marketingthema“. Er argumentiert, dass beispielsweise die Stadt Biedenkopf als Marke gesehen werden könne. Die drei Buchstaben „BID“ seien ein Symbol für diese Marke. In der Wahrnehmung der Menschen stehe ein Stadt-Kürzel auf einem Nummernschild auch für eine gewisse Größe dieser Stadt. „Und Größe bedeutet Anziehungskraft“, sagt Bochert.

Deshalb ist das ganze Thema für ihn eines, bei dem es um äußere und innere Wahrnehmung geht. Er will die Identität der Einwohner einer Stadt stärken und gleichzeitig die Bekanntheit dieser Stadt steigern. Das sei die touristische Komponente bei den Überlegungen.

Politisch ist Ralf Bochert mit seiner Idee schon weit gekommen. Die Verkehrsminister der Länder haben sich inzwischen für eine neue Verordnung ausgesprochen, die es den Landkreisen erlaubt, künftig verschiedene Kennzeichen auszugeben. Nun muss am 21. September der Bundesrat entscheiden.

Daran ist auch der Erfolg der Sache in Biedenkopf geknüpft. „Wir hoffen und setzen auf den Bundesrat“, sagt Joachim Thiemig. Zwar werde die Stadt immer wieder auf den Stand der Dinge angesprochen, man selbst könne aber nun vorerst nichts mehr tun. „Hoffentlich geht es jetzt ganz schnell.“

Viele Fragen sind derweil noch offen. Zum Beispiel die, ob das BID als Wunschkennzeichen teurer würde als ein MR-Kennzeichen. Er wünsche sich, dass es keinen Mehrpreis gebe, um das Angebot niedrigschwellig zu halten, erklärt der Bürgermeister.

Wahrscheinlich ist, dass das neue Kennzeichen - so es denn kommt - dann aber auf Wunsch im ganzen Landkreis verfügbar ist. Orte, die früher zum Altkreis Biedenkopf gehörten, nun aber dem Lahn-Dill-Kreis zugeordnet sind, können wohl nicht darauf zurückgreifen. So viel Nostalgie erlauben die Behörden nicht.

von Carsten Müller

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