Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
BI ist bestürzt, Nabu gelassen

Windpark Hilsberg BI ist bestürzt, Nabu gelassen

Die Partnerschaft ist zerbrochen: Während der Vorstand der BI Holzhausen sich vom Nabu getäuscht fühlt, sieht der Naturschutzbund keingemeinsames Ziel mehr.

Holzhausen . Noch am 26. September habe es Gespräche gegeben, bei denen die rechtlichen Möglichkeiten gegen den Windpark Hilsberg vorzugehen, besprochen wurden. Die BI habe dem Nabu nicht nur das Vertrauen entgegengebracht, sondern auch viel Geld der Mitglieder eingesetzt. Durch das bisherige Verhalten habe man den Status eines Abkommens zwischen BI und Nabu gesehen und deshalb erwartet, vom Nabu früher in sich anbahnende Veränderungen eingebunden zu werden, und nicht erst bei vollendeten Tatsachen. Deshalb fühlt sich die BI getäuscht.

Nicht nur dies, geht aus einer vom Montag datierten Mitgliederinformation des BI-Vorstandes als Reaktion auf den Klageverzicht des Nabu gegen den Windpark hervor. Darin wirft man dem Naturschutzbund auch vor, den „rein wirtschaftlichen Interessen einer Kommune Beihilfe“ zu leisten. Während der Nabu im Falle der B-252-Ortsumgehung (die OP berichtete) sich für das Schutzgut Menschen entschieden hat, spreche sich der Naturschutzbund beim Hilsberg sowohl gegen „naturschutzrelevante Aspekte als auch gegen die berechtigten Ansprüche der besorgten Menschen“ aus.

Dabei hätte der Nabu „als politisch unabhängiger Sachwalter der Interessen von Natur und Mensch agieren müssen, sei aber offensichtlich hohem politischem Druck ausgesetzt gewesen“. Der Nabu gebe das von ihm als hoch sensibel und schützenswert eingestufte Areal am Hilsberg der Industrialisierung preis. Weitreichende Folgen sieht der BI-Vorstand: Die Hemmschwelle für weitere Projekte dieser Art werde herabgesetzt und signalisiere: der Schutz wertvoller Lebensräume sei verhandelbar. „Das ist ein fatales Signal, dass die Glaubwürdigkeit des Nabu beschädigt.“

Die Vorwürfe erwidert Hartmut Mai, Landesgeschäftsführer des Nabu. Er könne die Enttäuschung der BI-Mitglieder verstehen, sie seien vom Nabu aber nicht getäuscht worden. Dieser habe die Holzhäuser vor gut einer Woche über die Absicht informiert, nachdem eine Woche zuvor auf Wunsch der Gemeinde Bad Endbach die Gespräche begannen. Eine frühere Beteiligung der BI sei nicht möglich gewesen. Man habe mit der BI eine Schnittmenge beim Artenschutz gehabt. „Jetzt haben wir ein Konzept, das Verbesserungen für den Rotmilan bringt. Damit sind unserer Fragen abgearbeitet“, sagt Mai. Die Fragen der BI müssten vor Ort geklärt werden, sagt Mai. Schließlich habe die BI ein anderes Interesse als der Nabu, nämlich „gar keine Windräder“. Der Nabu wolle dagegen die Eingriffe in die Natur minimieren, die durch die Energiewende entstehen.

Zum B-252-Vorwurf sagt Mai: Man könne die Umgehungsstraße nicht mit dem Hilsberg vergleichen. An der B 252 gebe es eine „extrem unerträgliche Belastung“ für die Menschen im Wetschaftstal. „Die Beeinträchtigungen durch Windkraftanlagen sind für die Holzhäuser dagegen nicht gesundheitsgefährdend. Wenn die BI anderer Meinung ist, so muss sie allein dagegen vorgehen.“

„Wir machen weiter“, sagt dazu BI-Vorstandsmitglied Dieter Jurkat. Es sehe zwar so aus, als ob Holzhausen das erste Opfer der Energiewende werde, aber man wolle alle Möglichkeiten ausloten, um weiter gegen den Windpark vorzugehen.

Auf Anfrage der OP bestätigt Ina Velte, das die Gemeinde Bad Endbach am Montag Unterlagen beim Regierungspräsidium in Gießen (RP) eingereicht hat. Die vorliegenden Dokumente - „zwei dicke Aktenordner“ - würden nun von den Fachabteilungen auf Vollständigkeit geprüft. Treffe diese zu, so habe am Montag die dreimonatige Prüfungsfrist begonnen. Der erklärte Klageverzicht des Nabu habe keinen Einfluss auf das Genehmigungsverfahren, ergänzt die Sprecherin des RP.

von Gianfranco Fain

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland