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Reichwein: "Decke fliegt uns um die Ohren"

B62 Ortsumgehung Eckelshausen Reichwein: "Decke fliegt uns um die Ohren"

Die Bundesstraße 62 im Bereich der Eckelshäuser Ortsdurchfahrt muss ­saniert werden. Die ­Hoffnung der Biedenkopfer, wenigstens die Vollsperrung abzuwenden, hat sich zerschlagen.

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An der Sanierung der B 62 in Eckelshausen führt laut Hessen Mobil kein Weg vorbei. Ab Mai wird ­zunächst fünf Wochen lang unter halbseitiger Sperrung gebaut, dann folgen fünf Wochen unter ­Vollsperrung, dann noch einmal fünf Wochen unter halbseitiger Sperrung.

Quelle: Hartmut Bünger

Eckelshausen. Von außen betrachtet, sieht die Eckelshäuser Ortsdurchfahrt gar nicht so schlecht aus. Deshalb haben viele Bürger und auch Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) in den vergangenen Wochen noch gehofft, dass Hessen Mobil die angekündigte Sanierung der Straße doch noch verschieben könnte – wenigstens für ein paar Jahre.

Dieser Hoffnung hat Eugen Reichwein, der bei Hessen Mobil als Regionaler Bevollmächtigter für Westhessen zuständig ist, am Montag bei einem Pressegespräch im Biedenkopfer Rathaus eine wohl endgültige Absage erteilt. „Wir müssen diese Straße machen“, sagt Reichwein, „die Decke fliegt uns hier bald um die Ohren“.

Marcus Schwarz, Fachbereichsleiter Bau bei Hessen Mobil Westhessen, erläutert, warum die Arbeiten so dringend sind. Hessen Mobil hat demnach Bohrkernuntersuchungen am Asphalt der Ortsdurchfahrt vorgenommen. An den Bohrkernen sind die verschiedenen Schichten des Asphalts erkennbar: Oben die vier Zentimeter dicke Deckschicht, darunter die Binderschicht und dann die Tragschicht. Normalerweise müssten die Schichten miteinander verbunden sein. Bei den Bohrkernen aus Eckelshausen ist das aber nicht der Fall: Deutliche Risse sind sichtbar. „Die Schichten haben keinen Verbund“, erklärt Schwarz.

Oberste Schicht ist locker: Sanierung kann nicht warten

Die oberste Schicht ist somit locker. Wenn dann noch Frost hinzukommt, könnten sich Asphaltstücke lösen. „Dann können wir die Stücke rausholen wie Pflastersteine“, so Schwarz. Genau aus diesem Grund könne die Sanierung der Straße nicht warten – nicht einmal drei oder vier Jahre, ergänzt Eugen Reichwein.

Doch damit nicht genug. Im Streckenabschnitt zwischen Eckelshausen und Biedenkopf sind die Planer von Hessen Mobil noch auf ein weiteres Problem gestoßen: Die Rohre für die Straßenentwässerung sind marode. Fotos aus dem Inneren zeigen Risse, Löcher und Baumwurzeln, die durch die Rohre hindurch gewachsen sind. Auch hier besteht laut Schwarz Handlungsbedarf.

Im Ergebnis bedeutet das alles für Hessen Mobil: 2018 muss die B 62 saniert werden, und zwar im gesamten Bereich zwischen der Biedenkopfer Bäckerei Schäfer und dem Eckelshäuser Ortsausgang Richtung Buchenau. Gut 1,9 Kilometer ist die ganze Strecke lang.

An Riesen-Umleitung führt kein Weg vorbei

Besonders bitter ist dabei für Biedenkopf, dass laut Hessen Mobil an der Vollsperrung und damit auch an der gefürchteten Riesen-Umleitung kein Weg vorbeiführt. Um die Bauarbeiten unter halbseitiger Sperrung zu erledigen, sei eine Mindestbreite der Straße von 8,50 Metern vorgeschrieben, erklärt Bau-Fachbereichsleiter Schwarz.

Im Straßenabschnitt, der von der Abfahrt Wolfgruben (Kreuzung B 62/B 453) bis zur Biedenkopfer Bäckerei Schäfer führt, ist das ein Problem. Dort ist die Straße laut Schwarz nur um die 7,60 Meter breit. Lediglich die erste Bauphase im Mai und Juni, nämlich die Arbeiten an den Entwässerungsrohren, könne Hessen Mobil in diesem Straßenabschnitt unter halbseitiger Sperrung erledigen, erklärt Schwarz.

Denn die Rohre lägen nicht direkt unter der Straße, sondern unter dem Fußweg, also am Rand. Somit bleibe neben der Baustelle genug Platz für den einspurigen Verkehr. „Aber beim Asphalt geht es nur unter Vollsperrung“, sagt Schwarz mit Blick auf die sich anschließende zweite Bauphase im selben Abschnitt, die im Juni und Juli folgt.

Besser geplant sanieren als kaputte Straße zu riskieren

Vergleichsweise unproblematisch ist dann die dritte Bauphase im August/September: Im Abschnitt zwischen der Abfahrt Wolfgruben und dem Ortsausgang Eckelshausen Richtung Buchenau ist die Straße 10,50 Meter breit. Die halbseitige Sperrung ist also machbar.

Den Ausführungen und Argumenten der Hessen-Mobil-Vertreter hat Biedenkopfs Bürgermeister Thiemig letztlich nichts entgegenzusetzen. „Zähneknirschend“ fügt er sich ins offenbar Unvermeidliche. Weiter für eine Verschiebung der Sanierung zu kämpfen, mache angesichts der massiven Schäden keinen Sinn, so Thiemig. Unter den gegebenen Umständen sei es besser, 2018 geplant zu sanieren als zu riskieren, dass in einem der kommenden Jahre die Straße ganz und gar kaputt sei und ungeplant saniert werden müsse. Im Grenzgangsjahr 2019 beispielsweise könne die Stadt eine Baustelle unter Vollsperrung noch viel weniger gebrauchen als im Sommer 2018.

Wichtig ist Thiemig wie auch den Hessen-Mobil-Vertretern indes, dass es auf jeden Fall noch einen großen Ortstermin mit allen betroffenen Institutionen – Rettungsdiensten, Müllabfuhr, Personennahverkehr, Gewerbetreibenden und anderen geben wird. Dabei soll es um Informationen für die Betroffenen und Abstimmung der Planungen gehen. Dass die Zeit der Bauarbeiten für Bürger und Firmen in Biedenkopf hart wird, könne solch ein Termin indes nicht verhindern. „Die Sorge ist groß. Das wird eine echte Herausforderung“, sagt Bürgermeister Thiemig.

Halbseitige Sperrung während erster Bauphase

Die erste Bauphase soll vom 22. Mai bis 22. Juni – also fünf Wochen – dauern und betrifft den Abschnitt zwischen der Biedenkopfer Bäckerei Schäfer und der Abfahrt Wolfgruben. Dort werden die Entwässerungsrohre erneuert. Die Straße wird dafür halbseitig gesperrt und ist einspurig befahrbar – voraussichtlich in Richtung Biedenkopf. Der Verkehr aus Biedenkopf heraus in Richtung Marburg muss die Umleitung nutzen, die über Wallau, Breidenbach, Wolzhausen, Niedereisenhausen, Hommertshausen und Friedensdorf zurück auf die B 62 führt.

Den Verkehr in beide Richtungen durch Eckelshausen rollen zu lassen und die einspurige Baustellendurchfahrt mit einer Ampel zu regeln, kommt den Hessen-Mobil-Vertretern Schwarz und Reichwein zufolge nicht in Frage. Die Strecke zwischen der Abfahrt Wolfgruben und der Bäckerei Schäfer sei dafür zu lang und die Zahl der Fahrzeuge auf der Strecke zu groß. 16 000 Fahrzeuge seien dort täglich unterwegs. Der Rückstau, der sich an der Baustellenampel bilden würde, wäre riesig, so Reichwein.

Dirtte Phase soll im August beginnen

Auf Anregung der Stadt wird Hessen Mobil aber noch prüfen, ob die Fahrtrichtung in der einspurigen Baustellendurchfahrt womöglich im Lauf eines jeden Tages geändert werden kann: Morgens könnte der Verkehr nach Biedenkopf durch Eckelshausen rollen und der Verkehr aus Biedenkopf heraus über die Umleitung; nachmittags würde sich die Richtung ändern und der Verkehr aus Biedenkopf heraus würde durch Eckelshausen fahren, während der Verkehr nach Biedenkopf hinein die Umleitung nutzen müsste. Prinzipiell wäre eine solche Regelung des Verkehrs machbar; die Umsetzung sei allerdings schwierig, sagte Reichwein dazu.

Die zweite Bauphase beginnt dann am 25. Juni und soll bis zum Biedenkopfer Stadtfest am 27. Juli abgeschlossen sein. Auch in diesen fünf Wochen ist weiterhin der B 62-Abschnitt zwischen der Bäckerei Schäfer und der Abfahrt Wolfgruben betroffen – nun aber unter Vollsperrung. Dann werden die Arbeiten an den Entwässerungsleitungen fertiggestellt und der Asphalt gemacht. Der gesamte Verkehr – nach Biedenkopf hinein und aus Biedenkopf heraus – wird dann über die bereits beschriebene große Umleitung über Wallau, Breidenbach, Friedensdorf umgeleitet.

Die dritte Bauphase vom 6. August bis zum 7. September ist dann aus Sicht von Hessen Mobil vergleichsweise unproblematisch. Es geht um den Abschnitt zwischen der Abfahrt Wolfgruben und dem Eckelshäuser Ortsausgang Richtung Buchenau. Dort wird Hessen Mobil nicht nur den Asphalt erneuern, sondern im Auftrag der Stadt und auf Wunsch des Eckelshäuser Ortsbeirates auch noch zwei Fahrbahnverengungen einbauen. Etwa in Höhe der Hausnummern 12 und 18 soll die Fahrbahnbreite von 10,50 Meter auf 7,50 Meter verengt und so Fußgängern das Überqueren der Straße erleichtert werden. Die Arbeiten der dritten Bauphase können unter halbseitiger Sperrung erfolgen – ebenfalls ohne Ampel. Der Verkehr wird also einspurig in eine Richtung rollen. In der Gegenrichtung wird die Umleitung über die B 453 durch Wolfgruben erfolgen.

von Susan Abbe

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