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Hinterland Endspurt in sengender Hitze erfolgreich
Landkreis Hinterland Endspurt in sengender Hitze erfolgreich
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00:18 30.07.2018
Am Donnerstagnachmittag wurde die gesperrte Ortsdurchfahrt Eckelshausen wieder für den Verkehr freigegeben. Quelle: Ingrid Lang
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Eckelshausen

Unermüdlich brennt die Sonne auf die Bauarbeiter an der Bundesstraße 62 herab. Doch einfach mal eben ein schattiges Plätzchen suchen, ist nicht drin. Am Mittwoch und Donnerstag standen die Restarbeiten des zweiten Bauabschnitts an.

Schnell mal eine Bundesstraße auf einer Länge von rund 1,5 Kilometern abfräsen und neu asphaltieren, damit ist es nun wirklich nicht getan. Der zweite Bauabschnitt der B-62-Sanierung hat eine Menge zusätzlicher Arbeiten erfordert. Doch die sind an diesem Mittwochmittag auch fast alle abgeschlossen.

Bauleiter Werner Spies nimmt sich Zeit für den Rundgang über die 1,5 Kilometer lange Strecke. Und fast auf jedem Meter fällt ihm eine neue Aufgabe auf, die von den Mitarbeitern der Firma Herzog oder von Subunternehmern „ganz nebenbei“ auch noch erledigt wurden.
Für die Anlieger gab es beispielsweise einen Mülltonnenservice. „Das ist heute auf vielen Baustellen Standard“, erklärt er. Weil die Müllwagen nicht ständig über die Baustelle fahren können, haben die Arbeiter die vollen Tonnen an den Grundstücken abgeholt, an einen Sammelplatz gefahren und abends wieder leer zurückgebracht.

Spezialisten rücken 
in Endphase erneut an

Und neben der Fahrbahn gibt es auch innerorts zu beiden Seiten und außerorts zum Geh- und Radweg hin neue gepflasterte Rinnsteine. Die rechteckigen Pflastersteine wurden alle in Handarbeit in ein Betonbett gelegt und dann auch noch die Zwischenräume ausgeschlämmt. Das war eine der Arbeiten, die ein Subunternehmer erledigt hat.

Solche Spezialisten rücken auch wieder in der Endphase an. Dann müssen noch die Fahrbahnmarkierungen aufgebracht und die Schutzplanken montiert werden. Das alles muss vor der Freigabe der Bundesstraße erledigt sein, weil ein Arbeiten im fließenden Verkehr einfach zu gefährlich ist.
Zu den Dingen, die vor Beginn der Arbeiten nicht vorhersehbar waren, gehört die Neusetzung von Steinen an der Hangseite des Geh- und Radweges auf ­einer Länge von mehr als 220 Metern.

Unliebsame Überraschungen

Nach der neuen Norm sind die Randsteine für die Abgrenzung zur Straße hin fünf Zentimeter höher als die bisherigen. Folglich musste auch das Niveau des Geh- und Radweges angehoben werden. Aber nicht alle Begrenzungssteine waren auf der anderen Seite hoch genug. Also mussten ein neues Betonbett gegossen und neue Steine gesetzt werden. Das alles im ohnehin ambitionierten Zeitfenster.

Und dann stellte sich bei der Kontrolle der ­Regeneinläufe außerorts heraus, dass diese so marode waren, dass alle ersetzt werden mussten. Dazu kam, dass von jedem Einlauf eine rund zehn Meter lange Abflussleitung unter der Bundesstraße hindurch verlegt werden musste. Bei einigen Leitungen waren auch Betonrohre zu ersetzen. „Eigentlich werden diese Tiefbauarbeiten vor dem Straßenbau erledigt“, erklärte Spies. Wegen der Zeitnot musste aber beides parallel passieren.

Bauleiter Spies und sein Polier Oliver Wenzel sind schon ein wenig stolz auf die Kollegen, für die in den vergangenen vier Wochen Zehn-Stunden-Schichten und Samstagsarbeit angesagt waren. „Meine Leute haben hier echt richtig ordentlich gearbeitet“, lobt Spies. Umso mehr schmerze es manchen Arbeiter, dass vor allen in sozialen Netzwerken Kritik an ihrer Arbeitsleistung geübt wurde.

Splittschicht macht
 die Fahrbahn griffiger

Und man hatte auch noch ein weiteres Problem zu lösen: Weil die Gemeinde Steffenberg die Zufahrt zum Steinperfer Steinbruch für die schweren Lastzüge just in dem Moment sperrte, als man in Eckelshausen die alte Fahrbahn abfräste und nach Steinperf bringen wollte, brach der kalkulierte Zeitplan zusammen. Ein Teil des Materials wurde nach Dotzlar gebracht. Somit aber verlängerte sich der Umlauf pro Lastzug um rund ­eine Stunde. Nicht die gesamte Menge konnte abgefahren werden. Rund 300 Tonnen Fräsgut lagern noch auf einem Parkplatz nahe Biedenkopf. Am Mittwoch hat der Endspurt begonnen. „Trotz all der Mehrarbeiten sind wir im Zeitplan“, sagt Spies.

Währenddessen wird gerade mittels einer großen Walze feiner Splitt auf die an sich fertige Fahrbahndecke gestreut. Dieser wird anschließend mittels Kehrmaschine verteilt. „Dadurch wird die Decke abgestumpft und die Straße bekommt ihre Griffigkeit“, erklärt der Experte. „Andernfalls wäre sie viel zu glatt.“ Erst wenn der Splitt komplett verteilt ist, können Spies‘ Kollegen damit beginnen, die Fahrbahnmarkierungen aufzubringen. Auch dies geschah am Mittwoch und Donnerstag.

Am Ortseingang von Eckelshausen wurden am Donnerstag die Leitplanken angebracht. Foto: Christian Röder

Parallel dazu wurden auch noch zwei Busbuchten asphaltiert. Und: Die Leitplanken wurden angebracht. Dazu mussten zunächst Löcher in den teils felsigen Untergrund gebohrt werden.

Seit Donnerstag gegen 16 Uhr fließt der Verkehr wieder in beide Fahrtrichtungen. Rechtzeitig zum Biedenkopfer Stadtfest. Diesen Freitag werden die restlichen Umleitungsschilder abgeräumt. Kommende Woche startet dann der dritte und letzte Bauabschnitt (siehe Artikel hier).

Kontrolliert und protokolliert werden die Arbeiten üblicherweise nicht nur ganz am Ende, erklärte Spies. Aus dem Asphalt werden beispielsweise zwei Güteproben in Form von Materialbohrungen genommen. Und dann gibt es noch die Ebenheits- und die Griffigkeitsmessung der neuen Fahrbahn. Am Mittwoch nahm Hessen Mobil eine Schichtdickenmessung vor. Damit wird überprüft, ob die Fahrbahn überall die erforderliche Stärke hat. Wenn dann alles fertig ist, erfolgt auch noch die Schlussabnahme.

von Edgar Meistrell
 und Christian Röder

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