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Hinterland Gutachten: Autoteile passen zusammen
Landkreis Hinterland Gutachten: Autoteile passen zusammen
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06:55 30.01.2018
Lange Zeit nach dem Tod einer 76-Jährigen im Oktober zeugten Kerzen und Blumen am Straßenrand von dem Verkehrsunfall in Wolzhausen. Der Ortsbeirat fordert mit Nachdruck eine Verkehrsberuhigung für die Schelde-Lahn-Straße. Quelle: Sascha Valentin
Wolzhausen

Der Ortsbeirat des Breidenbacher Ortsteils kommt mit seinen Bemühungen, den Verkehr auf der Schelde-Lahn-Straße zu bremsen kaum voran. Auslöser der Aktivitäten des Wolzhäuser Gremiums war der tödliche Unfall im Oktober. Auf der L 3049 starb in den Morgenstunden des 27. Oktober eine 76-jährige Zeitungsausträgerin an ihren vielfachen Verletzungen, nachdem sie von einem Auto erfasst worden war.

Wie sich der Unfall gegen 5 Uhr ereignete, sollte ein von der Staatsanwaltschaft angefordertes unfallanalytisches Gutachten klären. Das liegt mittlerweile vor, wie Nicolai Wolf, Sprecher der Marburger Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der OP erklärt. Dem Ergebnis zufolge war das von der Polizei wenige Stunden nach dem Unfall in Gießen sichergestellte Auto an dem Unfall beteiligt. Als mutmaßlichen Unfallverursacher, der Fahrerflucht beging, nahmen die Polizisten einen 30-Jährigen fest.

Am Unfallort gefundene Teile passen zu weißem Golf

Dieser habe, so Wolf, eingeräumt das Fahrzeug zur Unfallzeit in Wolzhausen geführt zu haben. Auch gab dieser an, einen Zusammenstoß wahrgenommen zu haben, diesen aber nicht auf eine Person ­zurückgeführt. Die 76-Jährige wurde auf der Fahrbahn erfasst, ergänzt Wolf.

Der Verdächtige übergab den Behörden freiwillig seinen Führerschein. Anhaltspunkte für Alkohol oder Drogenkonsum des Verdächtigen gibt es laut Staatsanwalt Wolf nicht. Dieser war nach Hinweisen ins Zentrum der Ermittlungen gerückt, da die am Unfallort gefundenen Teile­ eines VW Golf „augenscheinlich zum Auto des Verdächtigen passten, hieß es damals. Wie die Ergebnisse zu werten sind, wird ein Gericht entscheiden. Ein Termin für eine Verhandlung ist noch nicht festgelegt.

Seit dem Unfall setzt sich der Ortsbeirat für eine Verkehrsberuhigung durch eine stationäre Anzeigetafel ein. Diese­ soll Autofahrer auf Tempoüberschreitungen hinweisen. Das Ordnungsamt der Gemeinde­ gab allerdings eine negative Antwort auf die Anfrage: Laut Landeserlass sei dies nicht zulässig, teilte Ortsvorsteher Thomas Achenbach während der jüngsten Sitzung mit und las den Brief aus der Gemeindeverwaltung vor.

Die Einrichtung einer Tempomessanlage prüfte die Polizei schon im Jahr 2014 und lehnte dies ab. Aufgrund eines neuen Erlasses bestehe noch weniger Aussicht auf Erfolg. „Möglich sind nur mobile Messungen.“ Doch damit sind Achenbach und die anderen Ortsbeiratsmitglieder nicht einverstanden. Sie sind sich einig, dass etwas passieren muss, um die Ortsdurchfahrt sicher zu machen. „Mich wundert, dass die Polizei das ablehnt“, sagte Achenbach.

Ortsbeirat sucht das Gespräch mit den Behörden

Fred Kremer erneuerte seinen Vorschlag, die Ampel mit einem Sensor auszurüsten, der bei überhöhter Geschwindigkeit der Fahrzeuge eine Rotphase auslöst. Nun will der Ortsvorsteher erneut das Gespräch mit Gemeindevorstand, Polizei und Hessen Mobil suchen und mit dem tödlichen Unfall argumentieren.

Außerdem will Achenbach versuchen, die mobile Geschwindigkeitsmessanlage der Gemeinde Breidenbach für einige Zeit im Ort installieren zu lassen. Die gesammelten Daten sollen Aufschluss darüber geben, wie viele Autos zu schnell unterwegs sind.

Ihr Unverständnis äußerten die Ortsbeiratsmitglieder darüber, dass das Ordnungsamt der Gemeinde den Wunsch der Wolzhäuser nicht weiter verfolgt.

von Gianfranco Fain und Mark Adel