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Hinterland Rechtsstreit um Autoscooter nimmt Fahrt auf
Landkreis Hinterland Rechtsstreit um Autoscooter nimmt Fahrt auf
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21:01 12.06.2017
Welcher Schausteller beim diesjährigen Kirschenmarkt seinen Autoscooter betreiben darf, ist bis die Gerichte entschieden haben wieder fraglich. Quelle: Elmar Schulten
Gladenbach

Herbert Kreuser gibt 
nicht so leicht klein bei. 
Er leitete am Freitag ein 
Eilverfahren am Verwaltungsgericht Gießen ein. Der Grund: Er darf mit 
seinem Autoscooter nicht auf den Rummelplatz. Es geht wie im Vorjahr um die Platzvergabe für den Rummelplatz des Kirschenmarktes, der vom 29. Juni bis 2. Juli stattfindet. Für den einzigen Standplatz erhielt er auch in diesem Jahr keine Zulassung. Diese erstritt er sich 2016 in letzter Instanz wegen Fehlern im Auswahlverfahren.

Der Verwaltungsgerichtshof gab dem Diedenshäuser schließlich recht, die Stadt Gladenbach musste ihm kurz vor Beginn des Kirschenmarktes einen Platz zuweisen, tat dies auch mit einer Fläche vor dem Freizeitbad Nautilust. „Was soll ich denn da?“, kommentierte Kreuser die Stellfläche weit ab vom Rummelplatz, verzichtete auf den Aufbau und klagt auf Schadenersatz. Streitwert: 25.000 Euro, die Verhandlung findet im Oktober in Marburg statt.

Ähnlich wie im Vorjahr, lässt sich der aktuelle Streit an. Kreuser bewarb sich für den Kirschenmarkt 2017 mit zwei Autoscootern und einer Pizza-Bude um Standplätze. Nach dem Auswahlverfahren stand für die Stadt Gladenbach fest: Kreuser ist wieder nicht dabei.

Vorwurf: Modernisierung nicht berücksichtigt

Doch während er für den Zwei-Säulen-Autoscooter und den Pizza-Stand die Segel streicht, ist der Gladenbacher Schausteller umso entschlossener, den einen Standplatz auf dem Rummelgelände zu ergattern. Sein Credo: Mein Acht-Säulen-Autoscooter ist mindestens genauso gut, wie der des Siegers des Auswahlverfahrens, die Stadt hat Fehler bei der Bewertung gemacht.

Insgesamt sechs Autoscooter von fünf Bewerbern gingen ins Auswahlverfahren, den Standplatz ergatterte das „Bee Bop“ von Thomas Hammecke aus Ostwestfalen. Dessen Fahrgeschäft sei das größte und modernste, sagte Bürgermeister Peter Kremer zum Ausgang des Auswahlverfahrens nach festgelegten Kriterien (OP berichtete).

Die Familie Ruppert-Kalbfleisch, die seit vielen Jahren den Autoscooter beim Kirschenmarkt stellte, landete diesmal auf Platz drei. Der Gladenbacher Schausteller Herbert Kreuser belegte mit seinen zwei Bewerbungen die letzten Ränge.

„Gottseidank gab es nur sechs Bewerbungen, sonst wären wir auf Platz sieben, acht oder neun gelandet“, sagt Kreuser sarkastisch. Neidlos erkennt er an, dass Hammecke über ein gutes Fahrgeschäft verfügt. Doch er habe zuletzt rund 20.000 Euro in die Fahrzeuge und Beleuchtung seines Autoscooters investiert und davon „wurde nichts berücksichtigt“, sagt der Diedenshäuser. Dementsprechend argumentiert auch Kreusers Rechtsanwalt und beziffert diesmal den Streitwert auf rund 30.000 Euro. Denn: Der Autoscooter seines Mandanten hätte besser bewertet werden müssen.

Stadt muss bis Donnerstag Stellungnahme abgeben

Das Gestaltungsbild sei modern, die Anlage barrierefrei und in technisch hervorragendem Zustand, verfüge über eine Nebelmaschine und eine Musikanlage mit Blitzer Disco-Licht. Einzigartig seinen die mit LED-Licht an den Stangen ausgerüsteten Fahrzeuge. Auch seien die Gegenargumente für den Aufbau nicht stichhaltig, sondern im Gegenteil der Sieger-Autoscooter wegen seiner größeren Höhe wegen der Baumkronen schwieriger aufzubauen.

Die Stadt muss nun bis Donnerstag zu den Vorwürfen Stellung nehmen, was laut Bürgermeister Peter Kremer der Hessische Städte- und Gemeindebund übernehmen wird. Danach wird eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gießen erwartet.

Kreuser erzielte vor Gericht schon Teilerfolge. So darf Konrad Ruppert, der auch Fahrgeschäfte der Familie auf dem Kirschenmarkt platziert, mittlerweile nicht mehr als Generalpächter allein die Auswahl treffen, sondern muss nach einer Vorauswahl die Entscheidung der Stadt überlassen.

von Gianfranco Fain

Einen Artikel über die Kandidatinnen zur Kirschenkönigin lesen Sie hier.

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