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Hinterland Ausstellung wirbt für mehr Toleranz
Landkreis Hinterland Ausstellung wirbt für mehr Toleranz
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18:06 05.06.2015
In einer Szene stellt Antje Kessler als Internetcafé-Nutzerin empört fest, dass der Betreiber (Martin Esters) ihren Internetzugang ­genutzt hat, um in ihrem Namen zu posten und ihre E-Mails zu beantworten.Foto: Silke Pfeifer-Sternke
Gladenbach.

Viele Menschen kennen ihre Menschenrechte nicht - obwohl sie vor fast sieben Jahrzehnten festgeschrieben wurden. Am 10. Dezember 1948 verlas Eleanor Roosevelt vor der Generalversammlung der Vereinigten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Auf die weit verbreitete Unwissenheit greift das mobile Lernlabor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank zurück und klärt über Rassismus und Diskriminierung auf.Gladenbachs Bürgermeister Peter Kremer erinnerte zur Ausstellungseröffnung an einen dunklen Fleck in der Geschichte der Stadt. 2004 zog es Rechtsextreme in die Hinterlandkommune zu Demonstrationen - gleich vier Mal.

„Gladenbach hat sich dagegen gestellt. Die Bürger haben gezeigt, dass die Stadt bunt ist und nicht braun.“

Menschenrechte sind für Nina Bellersheim vom Kreisjugendparlament wichtig und liegen ihr besonders am Herzen. „‚Sonst würden wir uns nicht für Jugendliche einsetzen“, sagte sie. Das Gremium plant derzeit einige Projekte, unter anderem zu der aktuellen Flüchtlingssituation. Der anhaltende Flüchtlingsstrom weckt Vorurteile, die zu Ausgrenzungen führen können. Fremdes ist befremdlich. „Im Kopf werden Merkmale zugeordnet, wie beim Tragen eines Kopftuchs. Die Person wird abgestempelt“, erklärte Aylin Kortel von der Bildungsstätte Anne Frank.

Wie Diskriminierung in den Köpfen abläuft, inszenierten Antje Kessler und Martin Esters vom „fast forward theater“ aus Marburg mit ihrer Improvisationskunst. Eine Szene spielte im Supermarkt. Es ging um einen Bartträger (gespielt von Esters). „Er ist sicher ein Terrorist, der im Bad eine Bombe baut.“ Diese Gedanken wurden laut, eine Schublade aufgemacht und der Bärtige dort hineingesteckt, ohne etwas über den Menschen zu wissen.

Vorher wurde über Dicke „laut“ nachgedacht. Der Spielort war ebenfalls ein Supermarkt. Die „Dicke“ (gespielt von Kessler) wurde ohne ihre Geschichte zu kennen, als Fresssüchtige abgestempelt - sie wurde diskriminiert.

Die Ausstellung, die zum Mitmachen und zum Nachdenken anregen soll, ist für Jugendliche ab 12 Jahren konzipiert. Seit mehr als einem Jahr tourt die Bildungsstätte Anne Frank mit dem mobilen Lernlabor durch ganz Deutschland. Bis Mitte 2016 ist die Ausstellung fast komplett ausgebucht. Geplant ist, dass sie noch ergänzt werden soll, um jungen Menschen das Thema Menschenrechte noch besser verständlich machen zu können.

Am Ende der Ausstellung, die auf zwei Ebenen im Foyer im Haus des Gastes aufgebaut ist, steht ein Tor mit einer verfremdeten Rechtsextremen-Szene. Die Besucher sollen, nachdem sie die Stationen durchlaufen haben, die Vorbehalte gegen das Fremde symbolisch durchbrechen, indem sie durch die Lamellen schreiten. Das Tor steht für mehr Toleranz.

von Silke Pfeifer-Sternke

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