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Hinterland Ausraster bringt 32-Jährigem Gefängnisstrafe ein
Landkreis Hinterland Ausraster bringt 32-Jährigem Gefängnisstrafe ein
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17:51 13.07.2012
Vor dem Amtsgericht in Biedenkopf musste sich ein 32-Jähriger wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung verantworten. Archivfoto
Biedenkopf

Der Mann windet sich auf seinem Stuhl, ächzt, verzieht das Gesicht - und sagt, dass er mal wieder „Scheiße gebaut“ habe. Da das in der Vergangenheit öfter der Fall war, ist der 32-jährige Biedenkopfer gestern vom dortigen Amtsgericht zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Dabei berücksichtigte Richter Mirko Schulte auch „strafmildernde Gesichtspunkte“ - etwa mit Blick auf die Kindheit des Angeklagten. Der hatte nicht nur Vorstrafen - 14 an der Zahl -, sondern stand auch unter Bewährung, als er im Dezember 2011 in einer Biedenkopfer Wohnung seine damalige Lebensgefährtin schlug und ihr Handy zerstörte. Das räumt der zur Tatzeit alkoholisierte Mann vor Gericht sofort ein. Außerdem wird ihm wiederholtes Fahren ohne Fahrerlaubnis zur Last gelegt.

Kontakte zum Umfeld in Biedenkopf abgebrochen

Der Grund für all das? Dem Angeklagten zufolge war es eine Mischung aus Sucht, Schmerzen und psychischen Problemen. Ganz offenkundig ist er in keiner guten gesundheitlichen Verfassung - die permanente Unruhe, die verzerrten Gesichtszüge, das nach einer Operation bandagierte Knie. Für den 32-Jährigen ist es ein Wiedersehen mit Richter Schulte, der wenig erfreut ist, statt eines „stabilitätsfördernden Konzeptes“ drei neue Akten auf den Tisch bekommen zu haben. Da geht es nun endgültig nicht mehr ohne Gefängnisstrafe, macht er schon zu Beginn des Verfahrens deutlich und fragt: „Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?“ Der Angeklagte erzählt, dass er alle Kontakte zu seinem bisherigen Umfeld in Biedenkopf abgebrochen hat, mit seiner neuen Freundin in Wetter ein Haus kaufen, sie heiraten wolle. Und: „Sie ist schwanger von mir.“

Von Eltern in frühester Kindheit misshandelt

Zu den Auto-Fahrten gibt er unter anderem an, in einem Fall rasende Schmerzen gehabt zu haben. Die habe er kaum ausgehalten und deshalb bei einem Bekannten Schmerzmittel holen wollen: Morphin.

Vom Richter gebeten, etwas zur Lebensgeschichte zu sagen, schildert der Angeklagte diese folgendermaßen: Die Eltern haben ihn und seine Geschwister misshandelt in einer Berliner Wohnung zurückgelassen, aus der er schließlich unterernährt herausgeholt wird. Da ist er eineinhalb Jahre alt. Es folgen Aufenthalte im Kinderheim und eine Adoption. Dass er mit 14 Jahren angefangen hat, Drogen zu nehmen, erklärt er damit, dass er daneben stand, als sein älterer Bruder in Berlin auf offener Straße in den Kopf geschossen und getötet wurde.

„Von da an wollte ich nur noch dicht sein.“ Er habe auf kalt gestellt. Seine Schwester stirbt mit 26 Jahren an einer Überdosis Drogen, ein anderer Bruder mit 17 an einer tödlichen Krankheit. Beim Angeklagten selbst wird bereits im Kindesalter eine Aufmerksamkeits-Störung diagnostiziert, bei der auch das standardmäßig eingesetzte Medikament „Ritalin“ nicht geholfen hat. 2001 geht er zum ersten Mal ins Gefängnis wegen Beihilfe zur Drogen-Einfuhr.

Schulte mildert Forderung der Staatsanwaltschaft ab

Zwar schließt er eine Lehre zum Koch erfolgreich ab und bildet sich sogar noch weiter, doch er kommt immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt und konsumiert harte Drogen. Der Mann brauche medizinische und psychologische Hilfe, stellt Richter Schulte fest. „Da hat Sie nie jemand richtig begleitet.“ Verteidiger Sascha Marks verweist auf die „sehr lange Betäubungsmittelgeschichte“ als Hintergrund für die Taten.

So mildert Schulte das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß von achteinhalb Monaten Haft auf sechs Monate ab. Der Angeklagte habe zwar Chancen nicht genutzt, aber mit dem Verweis auf sein noch ungeborenes Kind eine Perspektive aufgezeigt. Denn der 32-Jährige hatte versichert, seinem Kind solle es besser ergehen als ihm selbst. „Ich muss jetzt Verantwortung übernehmen und will, dass es auf gerader Linie weitergeht.“

von Carsten Müller

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