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Hinterland „Aus einem Fisch wird kein Adler“
Landkreis Hinterland „Aus einem Fisch wird kein Adler“
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18:26 02.05.2017
Der Kommunikationsexperte und Personalentwickler Professor Christian Zielke verdeutlichte in Roth, worauf es bei der effektiven Mitarbeiterführung ankommt. Quelle: Andreas Schmidt
Roth

Der Experte für Personalentwicklung und Kommunikation sprach auf Einladung der Wirtschaftsförderung des Landkreises im Bürgerhaus Roth. Er plädierte dafür, dass es den Unternehmern zunächst darum gehen müsse, sich richtig zu positionieren. „Wer sich noch einmal neu positionieren will, der sollte sich vier Fragen stellen – es ist ein Zwiebelprinzip“, sagte 
Zielke.

Die erste Frage laute: „Warum lebe ich?“ – „Leute, die sich gut positioniert haben, finden ihren Lebenssinn in den Dingen, die sie tun – in ihrer Arbeit“, sagte der Professor. Die zweite Frage sei: „Wer bin ich?“ – Daraus leite sich die Mission ab. Dritte Frage sei: „Wohin möchte ich?“ – Das sei die Vision, die man formulieren sollte. Und schließlich stelle sich die Frage: „Was ist wichtig?“ – Dies seien die Lebensthemen, die je nach Lebensphase und auch Alter wechseln.

„Bei der Positionierung geht es also darum, diese Themen mit den Aufgaben, mit denen man sich beschäftigt, mit den Menschen und dem Umfeld in Einklang zu bringen. Die Leute, die das geschafft haben, haben sich optimal positioniert“, formulierte Zielke.
Für eine sichere Positionierung benötige der Stuhl, auf dem man sitze, mindestens drei Standbeine: Die Gesundheit inklusiver mentaler Fitness, die finanzielle Sicherheit und die Partnerschaft. Denn: „Sie brauchen einen Co-Piloten für’s Leben“ – also jemanden, der auch in schwierigen Zeiten weiter zu einem stehe.

Mit vier Kompetenzen geht es durch stürmische Zeiten

Für eine erfolgreiche Neupositionierung sei es auch essenziell zu wissen, wohin das Unternehmen steuere. „Dazu ist es wichtig, dass man zum inneren Kreis gehört“, sagte Zielke. Denn dort fielen die Entscheidungen – meist nach Feierabend. Gehöre man dort nicht dazu, benötige man Informanten, Multiplikatoren, Unterstützer und Kooperationen. „Suchen Sie sich die Partner dabei nie aus den Abteilungen.

Denn wenn die Sense durch die Abteilung geht, kämpft sonst der Partner um 
 Ihren Stuhl“, so Zielkes Argument.

Auch die wirksame Mitarbeiterführung sei wichtig. „Es gibt vier Kompetenzen, die Sie in jedem Team brauchen, dann schaffen Sie es auch durch stürmische Zeiten“, sagte Zielke. Man benötige nach dem anerkannten DISG-Modell den „grünen Typ“ für die Harmonie im Team, den „Gelben“ für die Kreativität, „Blau“ für die Struktur und „Rot“ für die Umsetzung. Gleichzeitig gelte es, Mitarbeiter zu finden, die sich mit dem Unternehmen identifizieren, 
„denn alle anderen sind nur Söldner, und die sind gefährlich“, mahnte der Professor.

Unternehmen in stürmischen Zeiten würden zudem straff geführt – dazu gehöre auch ein Meeting direkt zum Wochenbeginn, in dem die Anwesenden in drei bis vier Sätzen skizzieren sollten, welche Ziele sie in der Woche verfolgen, woran sie bereits arbeiten und was sie bis Ende der Woche erreicht haben wollen. „Das ist ein Leistungsversprechen gleich am Montagmorgen“, so Zielke – und dieses Versprechen sollte auch gleich visualisiert werden. „Was erledigt ist, wird auf einem Chart weitergeschoben – das schafft gleich Motivation, denn es zeigt Fortschritt.“ Diese Erfolge sollten dann in einem Meeting am Freitag gefeiert werden.

Leistungsschwache motivieren und fördern

In jedem Unternehmen gebe es „Stars“, die hoch motiviert seien – diese gelte es, durch Karriereplanung, Delegation und Vertrauen zu binden. Leistungsschwache müssten indes motiviert und gefördert werden – oder man müsse sich von ihnen trennen. „Trennung heißt nicht Rausschmiss“, konkretisierte Zielke. Vielmehr könne auch ein anderer Job mit anderen Aufgaben schon helfen. „Arbeitstiere“ müssten indes mitunter eingebremst werden mit klar abgegrenzten Aufgabenpaketen und gezielter Qualifizierungen. Aber: „Aus einem Fisch wird kein Adler“, so der Referent.

Auch „Problemfälle“ gebe es immer wieder: Menschen, die viel können, aber nicht motiviert seien. Dort gelte es, die Probleme zu identifizieren und diese in einem konstruktiven Mitarbeitergespräch ohne Vorwürfe zu lösen.
Führung bedeute auch, Veränderungen einzuführen, „und das bedeutet: Gegen das System arbeiten“, so Zielke. Denn Mitarbeiter hätten häufig Angst etwa vor Verlusten. „Wenn ich das weiß, brauche ich nur dafür sorgen, dass er keinen Verlust hat – ich ersetze die Situation mit etwas, das noch besser ist, als das Alte.“

Zwei Fragen gelte es bei Veränderungen zu stellen: „Was ist das Gute, das bewahrt werden muss?“ und „Wie können wir das Gute bewahren und durch etwas Besseres ersetzen?“ So könne man auch Kritiker mitnehmen – indem man ihm im Zweifel auch die Rolle des Kritikers lasse, mit der Bitte, zunächst die Veränderungen mitzumachen, um dann noch besser kritisieren zu können. Wenn dies auch nicht zum Erfolg führe, dann müsse man sich letztlich von diesen Mitarbeitern trennen.

von Andreas Schmidt

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