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Hinterland Versicherungen für fiktive Kunden
Landkreis Hinterland Versicherungen für fiktive Kunden
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16:45 25.04.2017
Mit fingierten Kunden wollte ein Versicherungsvertreter den an ihn gezahlten Vorschuss rechtfertigen, um zu verschleiern, dass er keine Abschlüsse getätigt hatte. Quelle: Arno Burgi
Marburg

Aller Anfang ist schwer. Dass der neue Job jedoch so schwer werden würde, war dem Angeklagten nicht bewusst. Laut Anklageschrift soll sich der 37-Jährige zwischen November 2014 und Juni 2015 in 14 Fällen des gewerbsmäßigen Betruges in Tateinheit mit Urkundenfälschung schuldig gemacht haben.

Das Motiv erklärte der Beschuldigte: „Ich habe ab Ende 2014 für einen Hauptvertreter, der für einen Versicherungskonzern tätig war, als Untervertreter gearbeitet und dachte, dass ich meine ehemaligen Kunden recht schnell als neue Kunden für meinen neuen Arbeitgeber gewinnen kann.“

Doch das war eine Fehleinschätzung. Die Kundenakquise lief schlecht. Da der Angeklagte laut eigener Aussage mit „massiven Startschwierigkeiten“ zu kämpfen hatte, kam er auf die Idee, sich nicht existierende Versicherungskunden und deren Adressen auszudenken. Diesen­ erfundenen Personen „verkaufte“ er KFZ-, Hausrats- und ­Gebäudeversicherungen und übergab die fingierten Verträge dem Hauptvertreter.

Hauptvertreter: Kann sein Verhalten nicht nachvollziehen

Der Vorwurf, dass der Angeklagte seine Tätigkeiten nicht oder kaum ausführte, wurde vom Angeklagten und dem Hauptvertreter jedoch entkräftet. Dieser berichtete: „Als ich von der Sache Wind bekam, bin ich zu mehreren Adressen gefahren. Manche Häuser gab es gar nicht“, erklärte der Zeuge. Vor allem auf die Gebäudeversicherungen hatte es der 37-Jährige abgesehen. „Da dauert es zwischen Vertragsabschluss und -beginn rund ein Jahr, bis Geld fließt.

Diesen Puffer wollte ich ausnutzen, um mehr Kunden heranzuziehen“, sagte der Angeklagte, der somit beruflichen Erfolg vortäuschte, um die monatliche Vergütung von 2000 Euro, einen vom Hauptvertreter gezahlter Vorschuss auf mögliche Provisionen bei Vertragsabschlüssen, zu rechtfertigen. „In dieser Branche kommt Erfolg nicht von jetzt auf gleich. Das Geld hätte er auch ohne Verträge bekommen. Deswegen kann ich dieses Verhalten nicht nachvollziehen“, meinte der Hauptvertreter.

Da die 2000 Euro nicht an klare Arbeitsbedingungen geknüpft waren, wurde das Verfahren hinsichtlich der Betrugsvorwürfe eingestellt. Für die Urkundenfälschung urteilte Richterin Barbara Steinmann eine einjährige Bewährungsstrafe gegen den Angeklagten aus.

von Benjamin Kaiser

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