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Hinterland Paar kommt mit geringer Strafe davon
Landkreis Hinterland Paar kommt mit geringer Strafe davon
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17:03 24.04.2017
Eheleute, die bei der Insolvenz ihrer Firma getrickst hatten, standen vor dem Amtsgericht. Quelle: I-vista / pixelio.de
Marburg

Hauptangeklagter war ein 50-jähriger ehemaliger Unternehmer aus dem Ebsdorfer Grund, der durch Übertragung seines Anteils am gemeinschaftlichen Wohnhaus an seine Ehefrau der Insolvenzmasse und somit den Gläubigern Mittel in erheblichem Umfang entzogen haben soll.

Weiterhin, so die Anklage, habe er lediglich auf dem Papier Mietzahlungen an seine Ehefrau geleistet – dieses Geld sei so der Insolvenzmasse entzogen worden. Mitangeklagt war seine Ehefrau, die dabei Hilfe geleistet haben soll. Beide wurden durch hochkarätige Fachanwälte einer Gießener Anwaltskanzlei vertreten.

Gleich zu Beginn führte Anwalt Dr. Sven Mehlhorn neue Dokumente in das Verfahren ein, die bisher dem Gericht bis dahin nicht vorgelegen hatten. Diese sollten belegen, dass sein Mandant sehr wohl Mietzahlungen an seine Ehefrau, wenn auch nicht monatlich, so doch unregelmäßig geleistet habe. Mehlhorn erklärte, dass die an die Ehefrau übertragene Hälfte des selbst genutzten Wohnhauses durch das Wohnrecht der Ehefrau gar nicht zu veräußern und somit ohne Wert sei. Zudem sei das Grundstück mit einem Darlehen in Höhe von 167.000 Euro belastet, was eine Vermarktung der Immobilie ebenfalls erschwert hätte.

Arbeitsstunden und Geld für Eingliederungshilfe

Dies war eine Rechtsauffassung, der sich die Staatsanwaltschaft so nicht anschließen wollte und konnte. Sie fragte nach, warum denn der Mann seinen Anteil am Wohnhaus an seine Frau übertragen habe, erhielt darauf jedoch keine Antwort.

Richter Dominik Best, der ebenfalls Interesse an dieser Antwort zeigte, erging es genauso. Er meinte, dass man an dieser Stelle zur Klärung der Rechtslage unbedingt die Insolvenzverwalterin befragen müsse. Da diese nicht geladen war, unterbreitete er den Vorschlag, den Prozess gegen Auflagen einzustellen.

Recht schnell einigten sich die Parteien darauf, dass der Angeklagte im kommenden halben Jahr 100 Sozialstunden ableisten und die Ehefrau einen Betrag von 1500 Euro in Raten an die Eingliederungshilfe Marburg entrichten müsse. Würden diese Auflagen erfüllt, werde das Verfahren dann endgültig eingestellt.

von Heinz-Dieter Henkel