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Hinterland Heißwasser-Attacke bleibt ungesühnt
Landkreis Hinterland Heißwasser-Attacke bleibt ungesühnt
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17:23 27.04.2017
Angriff mit kochendem Wasser: Wer Täter und wer Opfer war, blieb vor Gericht offen. Quelle: Thorsten Richter
Biedenkopf

Das Amtsgericht hat das Verfahren gegen einen 21-jährigen Mann, der mittlerweile in Dautphetal lebt, eingestellt. Laut Anklageschrift sollte er einen Mitbewohner in einer Hanauer Flüchtlingsunterkunft mit kochendem Wasser übergossen haben.

Hintergrund der Einstellung des Verfahrens: Das Gericht konnte den Tathergang nicht zweifelsfrei nachweisen. Denn der Angeklagte und das 23-jährige vermeintliche Opfer widersprachen sich in ihren Aussagen. Beide gaben an, der jeweils andere habe den Kocher mit dem heißen Wasser genommen, um ihn gegen den anderen einzusetzen.

Nach der Schilderung des Angeklagten habe er gerade in der gemeinsamen Wohnung in der Flüchtlingsunterkunft aufgeräumt, als der andere Mann hereingekommen und sein Oberteil einfach auf den Boden geworfen habe. Weil er der Aufforderung, den Pulli aufzuheben, nicht nachgekommen sei, sei es zwischen den beiden zu einem Streit gekommen.

Sachverständiger: Beide Versionen möglich

In dessen Verlauf habe der 23-Jährige den Wasserkocher genommen und damit zum Schlag über dem Kopf ausgeholt, wobei ihm das Wasser über den eigenen Körper lief und für Verbrennungen zweiten Grades sorgte. Der Angeklagte selbst erlitt ebenfalls einige Verbrennungen von Spritzern auf der Brust. Das vermeintliche Opfer wiederum gab an, dass der Angeklagte den Wasserkocher genommen habe, um ihn bewusst mit dem heißen Wasser zu übergießen.

Die Verletzungen, die beide Männer davongetragen haben, ließen keine Rückschlüsse auf eine der beiden Versionen zu, stellte schließlich eine medizinische Sachverständige 
fest. Beide geschilderten Tathergänge könnten für die jeweiligen Verletzungen verantwortlich sein.

Das nahm Richterin Melanie Heinek auch zum Anlass, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung eine Einstellung des Verfahrens vorzuschlagen. Mit den vorliegenden Beweisen könne kein eindeutiges Urteil gefällt werden, erklärte sie. Diesem Vorschlag folgten beide Seiten.

von Sascha Valentin

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