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Aus VIP-Café wird gutbürgerliches Lokal

Gladenbach Aus VIP-Café wird gutbürgerliches Lokal

Ab dem 1. Dezember geht ein neuer Pächter und Küchenchef mit einem neuen Konzept im Restaurant im „Haus des Gastes" an den Start.

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Quelle: Gianfranco Fain

Gladenbach.  Es ist der vierte Versuch in rund vier Jahren, das Restaurant im „Haus des Gastes" dauerhaft zu vergeben. „Wir gehen mal einen anderen Weg“, sagt dazu Klaus-Dieter Knierim, der als Bürgermeister des Stadt Gladenbach auch Vorsitzender des Aufsichtsrat der Kur- und Freizeitgesellschaft (KFG) und für den erkrankten KFG-Geschäftsführer Günter Euler spricht.
Dieses Mal soll eine „gutbürgerliche Küche“ die Menschen in der guten Stube Gladenbachs zufriedenstellen, nachdem es mit gehobener Gastronomie nicht funktioniert hat. Weshalb eigentlich? „Es gab zwischenmenschliche Probleme“, sagt Knierim zu den Auseinandersetzungen die auch mithilfe rechtlichen Beistands dazu führten, dass die Verträge um das „Filetstück“ aufgelöst wurden oder die Folgen der Zusammenarbeit aufgearbeitet werden.
„Ich würde morgen wieder reingehen, aber nur unter anderen Bedingungen“, sagt Karl-Hermann Werner. Der Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes Biedenkopf übernahm das „unter Imageproblemen leidende“ Lokal Mitte 2009 und investierte nach eigenen Angaben rund 500 000 Euro in die Einrichtung, war also auf ein längerfristiges Engagement eingestellt. Doch nach rund anderthalb Jahren war schon Schluss  und seitdem stecken Werner und die KFG in rechtlichen Auseinandersetzungen.
Restaurantmeister Werner, der im Dautphetaler Ortsteil Mornshausen ein Landgasthaus und einen   Catering-Service betreibt, nennt die Gründe, weshalb er „die Reißleine“ zog: Die KFG nahm konsequent Einfluss auf das unternehmerische Geschehen.
So seien die Säle von der KFG vergeben worden und die Rechnung für die Saalmiete wurde an Werner geschickt. Die Vergabe erfolgte ohne Rücksicht darauf, ob es eine adäquate Besetzung in den Sälen  – zum Beispiel ein Kaffeekränzchen mit sechs Gästen – gab. Den Mietzins musste er tragen, ob es nun Umsatz gab oder nicht. Er hatte also keine Möglichkeit, wie in der freien Gastronomie üblich, dies mit dem Mieter auszuhandeln. Zudem habe er keinen Freitag und nicht einen Samstag im Dezember über einen Saal verfügen können. Und man habe ihm Veranstaltungen „aufs Auge gedrückt“ ohne mit ihm vorher darüber zu reden.

„Ich würde morgen wieder reingehen, aber nur unter anderen Bedingungen.“
Gastronom Karl-Hermann Werner

Werner ist sicher, dass seine Probleme mit der KFG auch die anderen  Pächter zur Aufgabe zwangen. Diese wollen ihre Gründe gegenüber der OP allerdings nicht nennen, haben es nach Knierims Angaben auch gegenüber der KFG nicht getan.
„Wir können nicht bei jeder Veranstaltung beim Gastronomen nachfragen, ob‘s geht“,  entgegnet Knierim. Schließlich gehe es nicht nur um die Gastronomie, sondern auch um das „Haus des Gastes". Im Gegensatz zu einem Bürgerhaus liege darin auch der Unterschied für einen Pächter. „Er hat hier ein Monopol, in einem Bürgerhaus kann der Saalmieter sich einen Caterer aussuchen.“
Trotzdem scheinen die Querelen der vergangen Jahre die KFG zum Umdenken gebracht zu haben. Schließlich schaden die häufigen Pächterwechsel auch dem Renommee des Hauses. Man habe das Geschäftsmodell überprüft und  sei von der festen Saalmiete gewechselt auf ein Modell mit einer Umsatzprovision.

„Wir können nicht bei jeder Veranstaltung beim Gastronomen nachfragen, ob‘s geht.“
Klaus-Dieter Knierim,Vorsitzender des KFG-Aufsichstrats

Den Nutzen daraus soll der neue Pächter ziehen, der das seit Anfang Oktober leerstehende Lokal am 1. Dezember wiedereröffnen wird. Dabei handelt es sich laut Knierim um einen gelernten Koch aus dem Berliner Raum. Der 30-Jährige habe seine Ausbildung in guten Häusern absolviert und werde in Gladenbach seinen ersten eigenständigen Betrieb führen. Darin werde es eine „gutbürgerliche Küche zu annehmbaren Preisen geben", verrät Knierim.
Den Namen des neuen Pächters, auf den sich der Aufsichtsrat der KFG vor einigen Wochen geeinigt habe, gibt Knierim ebenso wenig preis, wie die künftige Bezeichnung des Lokals. „Da sind wir noch auf der Suche nach einem zündenden Namen, sagt der Bürgermeister. Beides soll bei der offiziellen Vorstellung des neuen Pächters bekanntgegeben werden.

von Gianfranco Fein

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