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Aufschwung im Handwerk geht weiter

Konjunkturumfrage Aufschwung im Handwerk geht weiter

Mit 122,2 Punkten erreicht der Geschäftsklimaindex der Handwerkskammer Kassel ein neues Zehn-Jahres-Hoch. Von einer Krise scheint das heimische Handwerk weit entfernt.

Marburg. „Die verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen sich bei unseren mehr als 16000 Handwerksbetrieben im Kasseler Kammerbezirk nicht bemerkbar. Die Einschätzung der Geschäftslage ist sogar noch günstiger als im Vorjahr, und auch die Erwartungen bleiben sehr optimistisch. Diese große Zufriedenheit im nord-, ost- und mittelhessischen Handwerk haben wir in dieser Form nicht erwartet,“ sagte der Vizepräsident der Handwerkskammer Kassel, Johannes Schwarz, bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage. Die aktuelle Geschäftslage wurde von 86,5 Prozent der Handwerksbetriebe mit der Note „gut“ beziehungsweise „befriedigend“ bewertet. Das waren noch einmal 2,1 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Damals waren 84,4 Prozent der befragten Unternehmen mit ihrer aktuellen Situation zufrieden. Auch die zukünftige Geschäftslage, bezogen auf die nächsten drei Monate, wurde bei der Herbstbefragung der Handwerkskammer Kassel weiterhin optimistisch eingeschätzt. Das überraschte nicht nur den Vizepräsidenten angesichts der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der bevorstehenden kalten Jahreszeit: „35,7 Prozent der Betriebe erwarten gute und 49,8 Prozent befriedigende Geschäfte.“ Diese Einschätzung hat auch positive Folgen für den Geschäftsklimaindex, der gegenüber dem Vorjahr um weitere zwei Punkte auf 122,2 kletterte und damit ein neues Zehn-Jahres-Hoch erreicht.

Nach wie vor prägt insbesondere das gesamte Baugewerbe die gute wirtschaftliche Lage. Dort wurde die derzeitige geschäftliche Situation am positivsten beurteilt. Mehr als 90 Prozent der Betriebe sind mit der aktuellen Auftragslage zufrieden. Die starke Nachfrage nach „Betongold“ unterstützt laut Schwarz diese gute Entwicklung.

Aber auch die industriellen Zulieferer und die Nahrungsmittelhandwerke liegen bei der Geschäftslagebewertung deutlich über dem Durchschnitt des Gesamthandwerks. Noch einmal besser als vor zwölf Monaten war auch die Lage bei den privaten Dienstleistern sowie im Gesundheitshandwerk.

Sorgen bereiten lediglich die Kfz-Betriebe: Dort wurde die geschäftliche Situation am schlechtesten beurteilt.

Durch die günstige Entwicklung bei den Auftragseingängen haben auch die Umsätze wieder mehr Dynamik erhalten: Bei 22,7 Prozent stiegen sie im Vergleich zum Vorquartal noch einmal an, bei 57,6 Prozent blieben sie auf dem guten Vorquartalsniveau.

Damit ist die diesjährige Herbst-Entwicklung günstiger als vor einem Jahr. Die durchschnittliche Auftragsreichweite lag in den Monaten Juli bis September bei 7,2 Wochen - im Vorjahr waren es noch sieben Wochen gewesen. Ein Großteil der Baubetriebe ist zudem bis über den Jahreswechsel mit Aufträgen versorgt. Die durchschnittliche Betriebsauslastung lag im dritten Quartal bei 78 Prozent. Mehr als jeder vierte Betrieb sprach von Vollauslastung.

Die gute Entwicklung der harten Konjunkturindikatoren bringt auch positive Auswirkungen für die Beschäftigtenentwicklung im Kammerbezirk mit sich: Insgesamt 17,3 Prozent der befragten Unternehmen haben ihr Personal aufgestockt, während 10,3 Prozent ihren Personalstamm reduzierten.

Sorgen bereitet den Betrieben jedoch die aktuelle Preisentwicklung: 38,7 Prozent klagten über weiter gestiegene Einkaufspreise für Rohstoffe und Energie. 18,1 Prozent mussten diese gestiegenen Preise auch an den Kunden weitergeben.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Handwerk, wie schon in der Finanzkrise 2008/09, ein stabilisierender Faktor in der Region ist und nicht so stark von den Ausschlägen der Weltwirtschaft betroffen ist. Allerdings werden wir uns jetzt nicht einfach zurücklehnen und die guten Zahlen als Selbstläufer betrachten“, erklärte Schwarz abschließend.

von Katharina Kaufmann

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