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Hinterland Aufmarsch gegen den Stellenabbau
Landkreis Hinterland Aufmarsch gegen den Stellenabbau
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06:16 21.03.2012
Mehrere Tausend Menschen zogen am Samstag durch die Marburger Innenstadt um gegen den geplanten Stellenabbau an den Universitätsklinika Marburg und Gießen zu demonstrieren. Quelle: Katharina Kaufmann
Marburg

Die Autofahrer in Marburg brauchten am Samstagnachmittag viel Geduld. Mehr als zwei Stunden ist die Innenstadt durch rund 2500 demonstrierende Menschen blockiert. „Wir demonstrieren, weil die Konzernspitze der Rhön-Klinikum AG in Gießen und Marburg bis zu 500 Stellen abbauen will. Das nehmen wir nicht länger hin“, erklärt die Betriebsratsvorsitzende des Marburger Uniklinikums, Bettina Böttcher, ebenso geduldig. Nicht nur einmal muss sie berichten, warum die Demonstranten an diesem Tag unterwegs sind. „Wir müssen aufstehen, wenn wir anständige Rahmenbedingungen in deutschen Krankenhäusern, und kein industrialisiertes Gesundheitssystem haben wollen“, ergänzt Böttcher. Die Menschen um sie herum bekräftigen das lautstark.

Unter dem Motto „Gemeinsam für unser Klinikum – Gesundheit ist keine Ware“ protestieren Ärzte, Pflegekräfte, Bürger, Politiker und Gewerkschafter gegen die geplanten Kürzungen am Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM). Gefordert werden zudem gesetzliche Personalmindeststandards sowie eine bessere Krankenhausfinanzierung.

Nicht nur aus Marburg und Gießen kommen die Demonstranten, auch aus Wiesbaden sind zahlreiche Krankenschwestern und -pfleger zugegen: „Wir sind hier, um die Kollegen des UKGM zu unterstützen, denn auch bei uns an den Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden findet ja eine Privatisierung statt“, erklärt eine Wiesbadenerin, warum sie mit Trillerpfeife und Plakat durch die Marburger Innenstadt zieht.

Initiiert worden ist die Demonstration vom Aktionsbündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“ und der Gewerkschaft Verdi. „Ich hoffe, dass die Geschäftsführung von Rhön diese Aktion wahrnimmt und handelt“, sagt Helga Scherer, die das Aktionsbündnis ins Leben gerufen hat, bei der sich an die Demonstration anschließenden Kundgebung auf dem Marktplatz und erhält minutenlangen Applaus. Die Protestaktion stehe erst am Anfang. „Wir bleiben am Ball bis gesetzlich gewährleistete Personalmindeststandards unwiderruflich und schriftlich besiegelt sind“, verspricht sie.

Auch Kritik an der hessischen Landesregierung wird während dem Protest laut – und zwar nicht nur auf die Privatisierung bezogen: „Wenn es um Stellenabbau geht, gibt es in jedem Betrieb der Bundesrepublik einen gesetzlich vorgeschriebenen Weg – und der heißt nicht Mediation“, sagt Georg Schulze-Ziehaus vom Verdi-Landesverband Hessen. Normalerweise setzten sich Arbeitgeber und Betriebsräte zusammen und handelten auf Augenhöhe aus, wie der Stellenabbau stattfinden könne. „Und wenn sie sich nicht einig sind, geht man in eine Einigungsstelle“, ergänzt er. Auch er erhält lautstarken Beifall.

Nach gut zweieinhalb Stunden zerstreut sich die Menge in alle Himmelsrichtungen. Die Autos kommen wieder ungehindert durch die Stadt. Und die Demonstranten sind sich einig: Die Aktion war ein Erfolg.

von Katharina Kaufmann