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Hinterland Auf Zahn-Expedition in Zentralasien
Landkreis Hinterland Auf Zahn-Expedition in Zentralasien
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17:15 19.08.2013
Volker Wagner (links) mit Jack Mur, dem Leiter der Zahnklinik von Asgabat. Im Hintergrund ist die Zahnklinik zu sehen, die die Form eines Zahnes hat.Privatfoto
Marburg

Das Angebot kam zufällig. „Vor drei Jahren bin ich aus einem Labor ausgestiegen und war auf der Suche nach neuen Aufgaben. Ein Kollege kam auf mich zu und erzählte mir von dem Angebot aus Turkmenistan. Ich habe sofort zugesagt“, erzählte Volker Wagner, Inhaber der Wagner Zahntechnik GmbH & Co.KG aus Ebsdorfergrund.

Doch so plötzlich das Angebot auch kam, war es dennoch der Startschuss für eine Zusammenarbeit, die vor wenigen Wochen erfolgreiche Früchte trug. Wagner durfte bei der feierlichen Eröffnung der Zahnklinik in der turkmenischen Hauptstadt Asgabat teilnehmen. An den ersten Eindruck seines neuen Projekts kann sich Wagner noch gut erinnern. „Die Geräteausstattung war sehr gut, die Technik war natürlich in manchen Bereichen sehr weit zurück. Aber einige Techniker machten einen sehr fitten Eindruck auf mich und waren sehr wissbegierig und überaus freundlich. Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Wagner.

Vortrag beim Gesundheitsminister

Bereits sieben Mal reiste der Zahntechniker aus der Marburger Region nach Turkmenistan, um die Schulung und Unterstützung der dortigen Zahntechniker zu fördern. „Mein Ziel ist es zu helfen, dass die Klinik ausgestattet wird und weitere Schulungen für die Zahntechniker anzubieten“, erklärt Wagner. Besonders für Zahnimplantate setzte sich Wagner in Asgabat ein. Er selbst hat auch beim Gesundheitstag des turkmenischen Gesundheitsministeriums einen Vortrag gehalten, welcher wohlwollend aufgenommen wurde.

Das Projekt ist komplett privater Natur und hat keine anderen Förderer.

Froh wirkte Wagner aber über die vergangenen Leistungen, schließlich steht die Inbetriebnahme der Zahnklinik in Kürze bevor. „Das Labor der Zahnklinik hat 45 Behandlungseinheiten und ist damit die zentrale Zahnklinik in Turkmenistan“, sagte Wagner.

Neben freundlichen und bereitwilligen Zahntechnikern ist Wagner allerdings auch die Armut der Gesellschaft ins Auge gefallen.

„Der Durchschnittslohn eines Lehrers beträgt ungefähr 500 Dollar. Die Menschen dort haben nicht die finanziellen Mittel, um sich zum Beispiel eine gute Gesundheitsversorgung leisten zu können. Eine richtige Versicherung gibt es auch nicht. Aus unserer Sicht können wir dort noch so viel Unterstützung leisten. Es ist nämlich ein faszinierendes Land“, berichtete Wagner.

Faszinierend, weil arm und freundlich zugleich. Das turkmenische Gesundheitssystem arbeite laut Wagner auf jeden Fall viel mit Deutschland zusammen, weil die Turkmenen das Know-how sehr hoch schätzen. Der Austausch solle demnach gepflegt werden.

Zahnklinik auf neuestem Stand der Technik

Die Zahnklinik selbst scheint inzwischen keine Wünsche mehr offen zu lassen. „Manch andere Klinik würde sich die Finger danach lecken“, sagte Wagner.

Nach knapp zwei Jahren Bauzeit ist die Klinik nun fertig und ähnelt der Form eines Zahns. Nur an professionellen Technikern mangelte es bislang. „Es gibt in Turkmenistan kein wirkliches Ausbildungssystem. Aus diesem Grund bin ich dorthin. Wir machten eine praktische Schulung und gaben den Technikern Modelle und verschiedene Aufgaben“, sagte Wagner.

Gerade mit Implantaten wollen die Turkmenen lernen umzugehen, weil daran in Zukunft verstärkt gearbeitet werden soll. Am Ende von Wagners Schulung gab es ein Zertifikat, auf dem eine deutsche Flagge abgebildet war, weil die Turkmenen darauf stolz seien.

Mit dem Ergebnis ist Wagner sehr zufrieden. „Wir haben die Basis geschaffen, dass die Leute dort selbstständig in dem Bereich arbeiten können“, resümierte Wagner.

Der Zahntechniker erlaubte sich zudem noch einen Blick über den Tellerrand hinaus, indem er eine mögliche Perspektive beschreibt:

„Für uns war es ein Abenteuer, ein andere Gesellschaft kennen zu lernen. Wenn sich die Leute in gewissen Bereichen öffnen können und mit uns zusammenarbeiten wollen, dann sollten wir darauf eingehen“, schlussfolgerte Wagner.

Er hofft dadurch, dass sich aus der Zusammenarbeit mit dem turkmenischen Gesundheitsministerium mehr entwickelt.

von Matthias Weber

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