Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Auf Hochbeeten sprießt bald Salat
Landkreis Hinterland Auf Hochbeeten sprießt bald Salat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:06 22.03.2012
Die einen schoben, die anderen zogen: Gemeinsam bugsierten die Schüler der Otfried-Preußler-Schule einen Bauwagen zum neuen Schulgarten. Quelle: Hartmut Berge

Weidenhausen. Auf dem Außengelände der Bildungs- und Freizeitstätte Weidenhausen herrschte am Donnerstag Hochbetrieb. Das ist dort nichts Außergewöhnliches. Aber diesmal waren 60 junge Gärtner zugange, Schüler der Otfried-Preußler-Schule in Weidenhausen, die in Kooperation mit der Einrichtung am Strohberg ein neues Projekt auf die Beine gestellt haben.

„Unseren Schulgarten mussten wir schon vor einiger Zeit aufgeben“, erinnert Lehrer Heinz Westermann. Da kam das Angebot des  bsj Marburg (Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit)  als Träger der Bildungs- und Freizeitstätte in Weidenhausen gerade recht: Auf dem direkt am Wald gelegenen Gelände der Einrichtung soll ein naturnaher Schulgarten entstehen, „ein Ort zum Entdecken, Beobachten und Gärtnern, ein Ort zum Schuften und Entspannen“, beschreibt Dominic Lefebvre, Leiter der Bildungsstätte.

In der Schule begannen nach den Weihnachtsferien die Vorbereitungen für das Projekt.

Neben der theoretischen Vorbereitung für das Bauen und Gärtnern musste Gerätschaft angeschafft werden, von der Hacke bis zum Spaten. Beim Spendensammeln war die Schulgemeinschaft erfolgreich, so organisierte sie etwa stabile Bretter für die Verschalung der Hochbeete. Und damit beim Bauen nicht allzu viel Zeit verloren geht, gingen auch Gladenbacher Bauhofmitarbeiter zur Hand und hoben mit einem Bagger Erde für Beet-Standorte aus.

Schon vor dem eigentlichen Gartenprojekt waren die Schüler der Otfried-Preußler-Schule am Strohberg zugange und halfen beim Anlegen eines Barfußpfades.

Sie schnitten und setzten Weiden-Stecklinge, die,  wenn sie ordentlich austreiben und wachsen, verflochten werden und dann als natürlicher Gartenzaun dienen.

Am Donnerstag fiel dann endlich der offizielle Startschuss für das Gartenprojekt. Bei fast sommerlichen Temperaturen kamen die Schüler kräftige ins Schwitzen, denn ein Bauwagen musste bergauf zum Gartenbau-Platz bugsiert werden. Er soll als                 
Unterstand, Ort zum Ausruhen dienen, und in ihm finden auch die Arbeitsgeräte der Schüler Platz.

In Gruppen aufgeteilt, widmeten sich die Schüler gestern verschiedenen Aufgaben. Um den Auftakt auch ein wenig zu feiern, wurde – unter Mitwirkung von Eltern – gegrillt, um danach – frisch gestärkt – wieder an die Arbeit zu gehen.      

„Alle Kinder und Jugendlichen, die Lehrerinnen und Lehrer der Otfried-Preußler-Schule sowie die Mitarbeiter des bsj werden in zahlreichen Teilprojekten die Arbeit angehen“, erklärt Dominic Lefebvre. Bereits die Planung und der Aufbau des Lernortes werde unter maximaler Beteiligung aller Schülerinnen und Schüler verwirklicht, sagt er. Mit dem Schulgarten werde ein jederzeit erreichbarer und kostenloser Lernort entstehen, an dem Bewegung und gesunde Ernährung Hand in Hand gehen.

„Der starke Naturbezug soll einen freudvollen, genussreichen und verstehenden Zugang zu unseren Lebensgrundlagen schaffen und an eine aktive und gesunde Lebensweise heranführen“, betont Lefebvre und ergänzt: „Unterrichtsrelevante Themen aller Altersstufen werden hier zukünftig handlungs- und erfahrungsorientiert und an der frischen Luft bearbeitet.“

Und er berichtet von zahlreichen Plänen, zu deren Verwirklichung teilweise noch fleißig Spenden gesammelt werden müssen. Neben dem Anlegen der Hochbeete und der Zäune sollen Natursteinmauern gesetzt sowie Brut- und Nisthilfen für Vögel und Insekten gebaut werden. Ein sogenanntes Insektenhotel wurde bereits aufgestellt.

Geplant ist auch eine gepflasterter Sitzbereich vor dem Garten. Insgesamt sollen sechs Hochbeete angelegt werden, die voraussichtlich nicht alle von den Schülern der Otfried-Preußler-Schule betreut werden.  Womöglich werden einzelne Beete auch von anderen Schulen betreut, die mit dem bsj kooperieren. Dominic Lefebvre erklärt, dass zwei sogenannte Bürgerarbeitprojekte für die Schwerpunkte  „Naturerfahrung“ und „gesunde Ernährung“ das neue Projekt in Weidenhausen möglich machen.

Die vom Bundesverwaltungsamt geförderten Projekte haben das Ziel, Arbeitslosen mit einer ersten Beschäftigung die Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Zwei nun in der Bildungsstätte tätige Männer  koordinieren Aktivitäten, bringen ihr Fachwissen ein und  arbeiten sich in die relevanten Themen ein.

Bei Kaffee und Kuchen klang übrigens gestern Nachmittag der arbeitsreiche Tag aus.

von Hartmut Berge