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Versuchter Mord an BVB-Fan: Schalke-Ultra angeklagt

In Marburg Versuchter Mord an BVB-Fan: Schalke-Ultra angeklagt

Rivalität brutal - auf einem Volksfest im hessischen Gladenbach gerieten Fußballfans von Schalke 04 und Borussia Dortmund in Streit. Jetzt stehen zwei Schalke-Fans wegen versuchten Mordes vor Gericht. Einer von ihnen soll der Ultra-Szene angehören.

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Die Fan-Feindschaft zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund ist schon traditonell. In Gladenbach eskalierte die Situation.

Quelle: Foto: Tobias Hirsch

Marburg. Es war der negative Höhepunkt des Gladenbacher Kirschenmarkts im vergangenen Jahr: Bei einer nächtlichen Schlägerei wurde ein Mann durch Tritte gegen den Oberkörper und den Kopf lebensgefährlich verletzt. Schon kurz nachdem sie die Ermittlungen wegen eines versuchten Tötungsdelikts aufgenommen hatte, sprach die Staatsanwaltschaft von einer Auseinandersetzung zwischen Fans unterschiedlicher Fußballvereine. Nach neuen OP-Recherchen handelte es sich bei den Widersachern um Anhänger von Schalke 04 und Borussia Dortmund.

Einer der mutmaßlichen Täter wird der Ultra-Szene zugeordnet

Einer der mutmaßlichen Täter wird durch die Ermittler der Schalker Ultraszene zugeordnet. Er steht ab dem  (neuer Termin) 19. Januar zusammen mit einem weiteren Schalke-Fan wegen versuchten Mordes vor dem Marburger Landgericht.

Bei den angeklagten Schalke-Fans handelt es sich um zwei heute 20-Jährige. Einer stammt aus dem Lahn-Dill-Kreis, einer aus Kassel. Zu der folgenschweren Begegnung mit dem 22-jährigen Dortmunder kam es in den Morgenstunden des 2. Juli in der Karl-Waldschmidt-Straße. Hier ist die sogenannte „Fressgasse“ aufgebaut. Den Ermittlungsakten zufolge liefen sich die Kontrahenten auf dem Volksfest gleich zweimal über den Weg. Der 22-Jährige war offenbar als BVB-Anhänger erkennbar, schon beim ersten Aufeinandertreffen kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Laut Landgericht sollen die Angeklagten auch hier schon ihr Opfer geschlagen und getreten haben.

Anklage geht von Tritt gegen den Kopf aus

Als die drei wenig später ein weiteres Mal aufeinandertrafen,  eskalierte die Situation. Wie das Landgericht in Marburg mitteilte, soll einer der Angeklagten das mutmaßliche Opfer dann durch einen heftigen Tritt gegen den Oberkörper zu Fall gebracht haben. Am Boden liegend wurde der 22-Jährige gegen den Kopf getreten. Dabei hätten die beiden 20-Jährigen laut Anklage tödliche Verletzungen in Kauf genommen. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Tat aus niederen Beweggründen aus.

Der 22-Jährige erlitt lebensbedrohliche Kopfverletzungen und wurde mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde er notoperiert und überlebte. Er musste allerdings für einen längeren Zeitraum im Krankenhaus bleiben. Am  (neuer Termin) 19. Januar ist er laut Landgericht als Zeuge geladen. Ein Passant, der beherzt eingriff und so offenbar Schlimmeres verhinderte, erlitt damals ebenfalls erhebliche Blessuren.

Schalke-Fans wurde zunächst auf freien Fuß gesetzt

Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes hielten einen der mutmaßlichen Täter fest und übergaben ihn der Polizei. Der zweite flüchtete, wurde aber kurz darauf in der Nähe entdeckt. Die beiden damals 19-Jährigen wurden noch in der Nacht festgenommen, kamen aber zunächst wieder frei. Im Zuge der Ermittlungen erhärtete sich aber zwei Wochen später der Verdacht gegen die mutmaßlichen Schläger. Nach richterlich angeordneten Durchsuchungen ihrer Wohnungen wurden gegen die beiden Schalke-Fans Haftbefehle wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Mordes erlassen. Sie wurden in Untersuchungshaft genommen.

Schalke-Ultra soll Bayern-Fan attackiert haben

Dem „Ultra“ aus Kassel wird vor dem Landgericht Marburg noch ein zweites Delikt vorgeworfen. Beim Auswärtsspiel der Schalker am 1. März bei Bayern München soll er einem Bayern-Fan gewaltsam den Fanschal weggenommen haben. Als ihn ein Polizist festhalten wollte, soll sich der Angeklagte gewaltsam widersetzt haben.

Der Prozess findet vor der Jugendkammer des Landgerichts statt. Drei Berufsrichter und zwei Schöffen befinden über das Strafmaß, das im Jugendstrafrecht eine Höchststrafe von zehn Jahren vorsieht. Denkbar ist aber auch eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht.
Zunächst sind fünf Prozesstage angesetzt. 17 Zeugen sollen gehört werden. Ein Urteil wird im Februar erwartet.

von Jan Schmitz

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